„Von Dienstplan-Tetris, Plan B und der Sehnsucht nach Sicherheit.“

Tagesnotiz – Samstag, 11.10.2025

„Von Dienstplan-Tetris, Plan B und der Sehnsucht nach Sicherheit.“

Heute habe ich mir am Morgen erst einmal Zeit genommen, um in Ruhe zu frühstücken.
Ein kleiner Moment nur für mich – bevor das Telefon wieder heiß lief.

Denn ehrlich gesagt: Ich habe heute rumtelefoniert wie eine Irre.
Ich musste Lösungen finden – schnell.
Drei Minijobber habe ich organisiert, einfach, um meinen November-Dienstplan überhaupt abdecken zu können.
Ohne sie wäre das gar nicht möglich gewesen.

Aber natürlich musste der Dienstplan trotzdem geschrieben werden.
Also saß ich 2,5 Stunden am Rechner,
verschob Schichten, tauschte Dienste, schrieb, löschte, änderte –
Dienstplan-Tetris eben.

Und als ich dann endlich fertig war,
fühlte sich das an wie ein kleiner Sieg.
Ein Stück Struktur in einem ziemlich wackeligen System.

Zur Belohnung bin ich dann ins Steakhaus um die Ecke gegangen.
Einfach sitzen, essen, kurz atmen.
Ein bisschen Normalität zwischen all dem Chaos.

Später am Abend habe ich dann – ganz still für mich –
gedanklich an einem Plan B gebastelt.
Nicht, weil ich aufgebe,
sondern weil ich vorbereitet sein möchte,
wenn das Persönliche Budget wirklich irgendwann kippen sollte.

Ich will wissen: Was wäre dann?
Denn egal, was kommt – meine Versorgung muss stehen.
Und wenn ich weiß, dass ich einen Plan B habe,
kann ich freier kämpfen, mit klarem Kopf und ruhigerem Herzen.

Und ja, ich habe jetzt zumindest eine Idee.
Einen Plan B, den ich hoffentlich nie brauchen werde –
aber allein zu wissen, dass er da ist,
gibt mir Ruhe.

Denn das, was die Politik hier in Berlin gerade tut,
ist mehr als nur Verwaltung.
Es ist ein gefährliches Spiel mit der Unsicherheit der Menschen,
die ohnehin jeden Tag kämpfen –
für Respekt, für Anerkennung, für ein würdevolles Leben.

Und das ist es, was mich wirklich bewegt:
Diese Politik gefährdet nicht nur Strukturen –
sie gefährdet Vertrauen.
Und am Ende schadet das uns allen.

Aber heute Abend, hier und jetzt,
lege ich meinen Kopf auf das Kissen,
atme durch
und sage mir leise:
Ich habe einen Plan.
Und ich bleibe dran. 

– Ilka Hannig

„Zwischen Paragraphen, Politik und dem Herzen.“

Tagesnotiz – Freitag, 10.10.2025

Heute kam die E-Mail vom LAGeSo mit der Antwort auf meine Frage,
wie ich künftig mit der Einarbeitung meiner Assistent:innen umgehen soll.

Kurz gesagt:
Sie wollen sie kürzen.

In der Mail stand sinngemäß, dass die Einarbeitung grundsätzlich durch mich als Arbeitgeberin erfolgen soll.
Nur wenn etwas nicht einfach erklärt, sondern praktisch gezeigt werden muss –
zum Beispiel die Bedienung eines Gerätes –
darf das einmal im Jahr durch eine erfahrene Assistenzkraft übernommen werden.
Und das wird nicht bezahlt.

Ich hab die Zeilen mehrfach gelesen.
Und dann einfach still da gesessen.
Ich arbeite mit Menschen, die oft ohne Vorerfahrung in die Assistenz kommen.
Ich bringe ihnen alles bei – mit Geduld, Zeit und Empathie.
Und ja, ich fühle mich sicherer, wenn sie gut eingearbeitet sind.
Darum macht mich diese Entscheidung traurig – und ehrlich gesagt auch wütend.

Ich frage mich, ob die, die solche Regelungen treffen,
je mit Menschen gesprochen haben, die im Arbeitgeber:innenmodell leben.
Denn diese Art von Einarbeitung ist kein Luxus –
sie ist Sicherheit, Verantwortung und Würde.

Und dann war da heute auch noch die große #unkürzbar-Demo in Berlin.
Viele Menschen mit Behinderung, ihre Assistent:innen und Unterstützer:innen
waren auf der Straße, um gegen die geplanten Kürzungen im Landeshaushalt zu protestieren.

Ich konnte heute nicht persönlich dabei sein –
aber mein Herz war bei allen, die laut waren,
für Selbstbestimmung, Teilhabe und Würde.

Denn was da gerade politisch passiert,
betrifft mich – uns alle – direkt.
Ab dem 1. Januar 2026 sollen Assistent:innen im Persönlichen Budget
nur noch nach EG 3 TV-L bezahlt werden statt wie bisher nach EG 5.
Das sind bis zu 700 Euro weniger im Monat –
für Menschen, die tagtäglich Verantwortung tragen, Nähe geben und Leben ermöglichen.

Wenn diese Menschen gehen,
weil sie sich ihren Beruf nicht mehr leisten können,
bleiben wir zurück – ohne Hilfe, ohne Teilhabe, ohne Selbstbestimmung.

Ich hätte nie gedacht,
dass ich einmal so laut für etwas kämpfen muss,
das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Menschenrechte, Würde und echte Inklusion.

Nach all den vielen Gedanken heute Vormittag
habe ich mir bewusst Zeit für mich genommen.
Ich habe in Ruhe gefrühstückt, war lange spazieren,
hatte längere Gespräche wegen der Teamsitzung von gestern,
war einkaufen und in der Apotheke.

Am Ende des Tages kam die Erkenntnis:
Ich denke, ich werde mir einen Anwalt für Sozialrecht suchen.
Nicht, weil ich auf Streit aus bin,
sondern weil ich manche Dinge einfach nicht so stehen lassen möchte.

 Selbstbestimmung ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht. Und sie ist #unkürzbar.

– Ilka Hannig

Berlin ist #unkürzbar – Heute wird für Selbstbestimmung demonstriert.

von Ilka Hannig

Heute, am 10. Oktober 2025, gehen in Berlin viele Menschen mit Behinderung, ihre Assistentinnen und Unterstützerinnen auf die Straße.
Sie demonstrieren gegen die geplanten Kürzungen im Landeshaushalt – und für den Erhalt der Persönlichen Assistenz im Arbeitgeber*innen-Modell.
Das Motto: Berlin ist #unkürzbar.

Ich selbst kann heute nicht persönlich dabei sein, aber mein Herz ist bei all denen, die dort stehen und laut werden für etwas, das uns alle betrifft: Selbstbestimmung, Teilhabe und Menschenwürde.

Wenn die aktuelle Beschlusslage bleibt, heißt das konkret:

Ab 1. Januar 2026 sollen Assistent*innen im Persönlichen Budget nur noch nach EG 3 (TV-L) bezahlt werden – statt wie bisher nach EG 5.

Das sind bis zu 700 Euro weniger im Monat.

Viele behinderte Arbeitgeber*innen werden keine neuen Assistenzen mehr finden – und verlieren damit einen Teil ihrer Freiheit.

Das Persönliche Budget (§ 29 SGB IX) wurde geschaffen, damit Menschen mit Behinderung ihr Leben selbstbestimmt gestalten können.
Und die UN-Behindertenrechtskonvention (Art. 19) garantiert genau das: das Recht auf unabhängige Lebensführung und Teilhabe an der Gemeinschaft.

Wenn die Politik hier kürzt, geht es nicht nur ums Geld – es geht um Grundrechte.

Ich wünsche allen, die heute auf der Straße sind, Kraft, Rückenwind und Gehör.
Euer Engagement ist #unkürzbar – genau wie unsere Würde. 

 Demo vom Abgeordnetenhaus zur Senatsverwaltung für Finanzen
 Start: 14 Uhr, Abschlusskundgebung ca. 17 Uhr, Klosterstraße 59
ℹ️ Mehr Infos: http://www.unkuerzbar.de

 Verein in Gründung: http://www.assistenzgestalten.de
 ilka@assistenzgestalten.de
 Crowdfunding: http://www.startnext.com/ich-bin-ilka-und-ich-gebe-nich

#AssistenzGestalten #Berlin #unkürzbar #Teilhabe #Inklusion #Barrierefreiheit #SelbstbestimmtLeben #Menschenrechte #SGBIX #Pflege #Sozialpolitik #UNBRK

„Manchmal braucht Ehrlichkeit Mut.“

Tagesnotiz – Donnerstag, 09.10.2025

Heute Vormittag war einer dieser typischen Bürokratie-Vormittage.
Ich habe Abrechnungssachen für mein persönliches Budget erledigt, einige Telefonate geführt und auch wieder Dinge für meinen Verein organisiert.
Alles, was man eben so tut, damit das große Ganze weiterläuft.

Gegen frühen Nachmittag stand dann meine Teamsitzung mit meinen Assistenten an – und ehrlich gesagt, hatte ich vorher ein etwas flaues Gefühl im Bauch.
Nicht aus Angst, sondern weil mir dieses Gespräch wichtig war.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, um Transparenz zu schaffen – über meine aktuelle Situation im persönlichen Budget, über das, was sich gerade politisch verändert, und was das für uns alle bedeutet.
Ich wollte, dass mein Team versteht, dass Assistenzarbeit mehr ist als ein Job.
Es ist Verantwortung, Vertrauen, Nähe – und manchmal eben auch Krisenmanagement.

Wir haben auch über die Notwendigkeit einer verlässlichen Notfallabdeckung gesprochen.
Denn wenn jemand ausfällt, bedeutet das für mich immer ein Stück Unsicherheit im Alltag.
Ich habe erklärt, dass ich deshalb zwei neue Menschen einarbeiten werde –
eine Person auf Minijob-Basis und eine in Teilzeit.
Gerade, weil ich weiß, dass mich Ende Oktober wieder jemand verlassen wird –
aus privaten Gründen und wegen des Studiums.

Was mich heute besonders bewegt hat:
Ich habe gespürt, dass manchen meiner Assistenten gar nicht wirklich bewusst ist,
wie angespannt die Lage im Arbeitgebermodell des Persönlichen Budgets gerade ist.
Und ich fand es menschlich erschreckend zu sehen,
dass einige die Notfallabdeckung nicht als Priorität sahen –
wohl aber das Gehalt.

Das tat weh.
Nicht, weil ich es ihnen vorwerfe,
sondern weil es zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven sind –
zwischen denen, die auf Unterstützung angewiesen sind,
und denen, die sie leisten.

Trotzdem war diese Teamsitzung wichtig.
Denn Ehrlichkeit schafft Klarheit.
Und Klarheit gibt jedem die Wahl:
Kann ich das? Will ich das?
Oder ist es zu viel für mich?

Ich habe heute versucht, so offen und ruhig wie möglich zu kommunizieren –
auf Augenhöhe, mit Respekt und mit Herz.
Denn nur so kann man wirklich gemeinsam in einem Boot sitzen. 

Natürlich war es keine einfache Teamsitzung für mich,
aber sie war wichtig.
Ehrlich gesagt, habe ich danach erstmal Abendbrot gegessen, bin ins Bett gegangen und habe zwei Stunden geschlafen.
Jetzt bin ich wieder wach,
liege hier und schreibe meine Gedanken auf –
weil das Schreiben für mich immer noch der ehrlichste Ort ist.

Für mich wurde heute wieder einmal deutlich sichtbar und spürbar:
Realität und Politik passen hier nicht zusammen.
Und genau deshalb kämpfe ich weiter –
für Verständnis, für Lösungen und für echte Teilhabe. 

– Ilka

„Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm.“

Tagesnotiz – Mittwoch, 08.10.2025

Heute habe ich mir den Morgen ganz bewusst ruhig gemacht.
Ein Kaffee, frische Brötchen, ein Moment nur für mich – bevor die Bürokratie wieder anklopfte. ☕

Ein paar Mails mit dem Lohnbüro, Unterlagen sortieren,
und die Vorbereitungen für meine Teamsitzung morgen standen an.
Ich bin ehrlich – ein bisschen nervös bin ich schon.
Nicht, weil ich es nicht kann,
sondern weil mir mein Team und unsere Zusammenarbeit wichtig sind.
Ich wünsche mir, dass wir offen sprechen können, dass wir uns gegenseitig verstehen.
Ich hatte kurz überlegt, ob ich mir morgen Unterstützung hole,
aber dann atmete ich tief durch und dachte: „Nein, Ilka – du schaffst das.“ 

Gegen Mittag war ich spazieren – auf dem Friedhof vor meinem Haus.
Das ist für mich ein Ort der Ruhe.
Ein Platz, an dem ich meinen Gedanken Raum geben kann.
Die Luft war kühl, aber klar – sie hat mich sortiert.

Am Nachmittag bekam ich eine Bandage, die meine Rippen stabilisieren soll.
Sie erinnert mich daran, achtsam zu sein mit meinem Körper,
und gleichzeitig zeigt sie mir, dass auch kleine Hilfen manchmal große Wirkung haben können.

Den Rest des Tages verbrachte ich zu Hause,
vor dem Fernseher, eingehüllt in eine Decke, mit meinen Samtpfoten neben mir. 
Ich habe mich einfach mal treiben lassen.

Und während ich hier sitze und schreibe, wird mir wieder bewusst:
Ich wünsche mir gar nicht viel vom Leben –
nur verstanden zu werden.
Mit all dem, was ich tue, denke und fühle.
Nicht perfekt, nicht laut – einfach echt.

Vielleicht ist das mein größter Antrieb.
Weil Verständnis manchmal mehr heilt als jede Medizin. 

– Ilka

„Zwischen Ruhe, Bürokratie und kleinen Schritten zu mir selbst.“

Tagesnotiz – Dienstag, 07.10.2025

Heute habe ich mir etwas gegönnt, das in den letzten Tagen viel zu kurz gekommen ist – ein ruhiges Frühstück.
Der Trick war ganz einfach: Ich habe erst nach dem Frühstück auf mein Handy geschaut.
Und weißt du was? Es war wunderbar.
Ich dachte mir: „Eigentlich hätte ich in diesen Tagen Urlaub – da können die Katastrophen auch mal warten.“ ☕💛

Danach kam natürlich wieder der Alltag.
Ich habe ein bisschen Bürokratie für mein persönliches Budget erledigt – unter anderem mit dem Berliner Assistenz Verein telefoniert und eine Mail ans LAGeSo geschrieben.
Denn laut der neuen Weisung von Juli 2025 muss ich jetzt jede neue Einarbeitung vorher beantragen.
Das ist nicht nur aufwendig, sondern kostet auch Nerven – aber so ist das eben: Schritt für Schritt durch den Paragraphendschungel.

Dann hatte ich ein Bewerbungsgespräch mit einer neuen Assistentin.
Das Gespräch war wirklich gut, und ich hoffe sehr, dass es klappt.
Die Entscheidung soll am Ende der Woche fallen – und ich merke, dass ich vorsichtig optimistisch bin.

Am frühen Nachmittag war ich plötzlich so müde, dass ich einfach eine Stunde geschlafen habe.
Mein Körper hat sich wohl geholt, was er brauchte.
Danach bin ich spazieren gegangen, endlich mal wieder länger.
Ich musste den Kopf frei bekommen, denn ein paar Worte aus der letzten Woche hallten noch in mir nach – Worte, die mich verletzt haben.
Und ja, ich bin stark, aber ich bin auch nur ein Mensch.
Manche Dinge gehen eben nicht spurlos an einem vorbei.

Am Abend habe ich dann etwas ziemlich Verrücktes gemacht:
Ich habe mich spontan zu einer Online-Veranstaltung bei einem Coach angemeldet, die über mehrere Tage geht – jeden Abend zwei Stunden.
Ich folge ihm schon länger auf Facebook, aber heute haben mich seine Worte wirklich erreicht.
Also dachte ich: „Warum nicht? Es ist kostenlos, und vielleicht kann ich daran wachsen.“ 🌱

Und so liege ich jetzt hier, schreibe meine Gedanken auf und merke, wie wichtig solche kleinen Entscheidungen sind.
Sie bringen mich wieder ein Stück zu mir selbst zurück – und genau das brauche ich gerade.

– Ilka 💙

„Wenn der Tag einfach kein Ende nimmt.“

Tagesnotiz – Montag, 06.10.2025

Heute war wieder einer dieser Tage, an denen man meinen könnte, er hätte 48 Stunden – und trotzdem würde er nicht reichen.

Noch während ich den ersten Kaffee trank, kamen neue Krankheitsverlängerungen meiner Assistentinnen rein. Und in diesem Moment musste ich das erste Mal mit den Tränen kämpfen.
Nicht, weil ich schwach bin – sondern weil ich müde bin. Müde davon, immer wieder erklären zu müssen, dass ich auch nur ein Mensch bin.
Dass es mich einfach trifft, wenn ich mit 1,5 Assistentinnen im Dienstplan versuche, mein Leben am Laufen zu halten.

Ich musste heute wieder erklären, warum ich in den letzten Tagen emotional reagiert habe.
Und ehrlich – ich finde, das sollte ich gar nicht müssen.
Denn wer in diesem Beruf arbeitet, sollte wissen, dass hinter allem auch ein echter Mensch steht.
Ich komme ja trotzdem nicht alleine ins Bett oder auf die Toilette – auch nicht, wenn jemand krank ist.
Das alles löst natürlich Stress und Unruhe aus, die man von außen oft gar nicht sieht.

Nach der zweiten Tasse Kaffee atmete ich tief durch.
Ich beschloss, eine kleine Not-Teamsitzung einzuberufen – um gemeinsam mit meinen Assistentinnen zu planen, wie wir die kommenden Tage schaffen.
Außerdem habe ich zwei neue Bewerberinnen eingeladen. Hoffnung ist schließlich die bessere Wahl als Aufgeben.

Danach fuhr ich zu meinem Neurologen.
Fast 3,5 Stunden saß ich im Wartezimmer – und war dann nur 10 Minuten beim Arzt. Aber immerhin: Ich bekam die Verordnung für meinen neuen Deckenlifter.
Während ich wartete, schrieb ich noch mit dem Notariat, weil sich der Termin für die Vereinsunterlagen etwas verschoben hat.

Nach dem Arztbesuch war ich endlich mal wieder einkaufen.
Zurück zu Hause klingelte gefühlt das Telefon ohne Pause – Abstimmungen mit Assistent*innen, Dienstplanung, Nachfragen.
Dann endlich: etwas zu essen, warme Decke, Bett.

Ich habe heute alles klären können, was ich klären wollte – und trotzdem bin ich erschöpft.
Aber auch dankbar, dass ich wieder alles geschafft habe.

Jetzt liege ich hier, atme tief durch und denke:
Morgen ist ein neuer Tag – hoffentlich einer mit ein bisschen mehr Ruhe. 

– Ilka

„Wenn das Chaos im System Alltag wird.“

Tagesnotiz – Sonntag, 05.10.2025

Entschuldigung, dass ich jetzt erst wieder schreibe. Die letzten Tage waren einfach … na ja, herausfordernd trifft es wohl am besten.
Seit letztem Dienstag herrscht bei mir im Assistenzteam das pure Chaos – 3 von 4,5 Assistentinnen sind krank. Das bedeutet, ich laufe gerade mit 1,5 Leuten und der Unterstützung einiger lieber Freundinnen. Gott sei Dank habe ich sie – sonst würde es gar nicht gehen. Aber ehrlich: eine dauerhafte Lösung ist das natürlich nicht.

Klar, jeder kann mal krank werden – keine Frage. Aber was mich wirklich an meine Grenzen bringt, sind diese mega kurzfristigen Krankmeldungen. Wenn du morgens gerade die Augen öffnest, dein Tag noch gar nicht richtig begonnen hat – und dann kommt die nächste Absage.
Solche Momente werfen mich manchmal komplett aus der Bahn.

Ich sage gefühlt wie eine kaputte Schallplatte, dass ich rechtzeitige Kommunikation brauche, um Dinge auffangen zu können. Doch viele verlassen sich darauf, dass ich „schon eine Lösung finde“.
Es ist, als würde die Verantwortung einfach an mich weitergereicht – Hauptsache, am Monatsende stimmt das Gehalt.
Ich schreibe das nicht, um zu jammern, sondern um ehrlich zu zeigen, wie es manchmal ist.
Natürlich sind nicht alle so. Aber es passiert eben oft genug, dass ich dann hier sitze und improvisiere, telefoniere, organisiere – manchmal bis spät am Abend.

Immerhin: Für die kommende Woche steht jetzt erstmal ein Plan.
Wie lange er hält, das weiß ich noch nicht.

Das eigentliche Problem ist: Viele Menschen, die in der persönlichen Assistenz im Arbeitgebermodell arbeiten, wissen gar nicht so richtig, was das wirklich bedeutet.
In einem Pflegedienst oder Assistenzdienst gibt es Strukturen – fällt jemand aus, sorgt der Dienst für Ersatz.
Aber im Arbeitgebermodell trägst du diese Verantwortung selbst. Du bist Arbeitgeberin, du bist Krisenmanagerin, du bist einfach… alles in einem.

Und dann kommt die Frage von außen: „Warum ersetzt du die Leute nicht einfach?“
Ja, wenn das so einfach wäre!
A – es gibt kaum neue Bewerber.
B – man muss sich an Gesetze halten.
C – das Budget erlaubt auch nicht unbegrenzt viele Anstellungen.

Ich erzähle das, weil es wichtig ist, zu verstehen, dass das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell großartig ist – aber eben auch eine enorme Verantwortung bedeutet.
Eine Verantwortung, die oft unterschätzt wird.

Heute sitze ich hier, atme kurz durch, schaue auf meinen Tag und denke:
Ich habe wieder einmal improvisiert, Lösungen gefunden, Gespräche geführt – und trotz allem funktioniert mein Alltag irgendwie.
Müde bin ich trotzdem. Müde, aber auch stolz, dass ich mich nicht habe unterkriegen lassen.

Morgen ist ein neuer Tag. Vielleicht ein ruhigerer. Vielleicht wieder ein wilder.
Aber egal, wie er wird – ich bin bereit. 💙

– Ilka

„Zwischen Alltag, Gesetzen und Politik – und einer großen Portion Frust.“

Tagesnotiz – 02.10.2025

Mein Vormittag begann heute ganz praktisch: Gemeinsam mit meinem Assistenten habe ich die Wohnung aufgeräumt und eingekauft. Momentan nutze ich wirklich jede Minute, wenn ein normaler Dienst da ist – denn diese Woche ist die Hälfte meiner Dienste improvisiert. Personalmangel im Arbeitgebermodell eben – und das kostet Kraft.

Danach habe ich mich wieder in Gesetzestexte vertieft. Paragraphen lesen, wieder und wieder. Persönliches Budget, Arbeitgebermodell, Regelungen. Ich habe vieles gleich zweimal lesen müssen, um es zu verstehen – aber das gehört inzwischen zu meinem Alltag als Arbeitgeberin. Und weil es mich nicht loslässt, habe ich mich auch viel mit anderen darüber ausgetauscht.

Und dann kam der Punkt, an dem ich einfach wütend wurde. Denn das, was politisch in Berlin gerade passiert, hat mit echter Inklusion nichts zu tun. Es wirkt wie eine Theater-Show. Da wird geredet, beschwichtigt, vertagt – aber wirkliche Lösungen für uns Arbeitgeber:innen im Persönlichen Budget sucht man nicht.

Ehrlich? Ich fände es sogar ehrlicher, wenn man klar sagen würde: „Wir wollen das Persönliche Budget nicht mehr fördern.“ Oder: „Wir wollen das Arbeitgebermodell am liebsten abschaffen.“ Aber das würde auch heißen, offen zuzugeben, dass man damit gegen geltende Gesetze verstößt. Stattdessen spielt man eine Scharade – und hält Betroffene klein.

Sorry für die offenen Worte – aber nach Stunden voller Bürokratie und Gesetzestexte musste das raus. Heute bin ich enttäuscht, sauer und gleichzeitig müde. Aber weißt du, darein fließt auch meine Energie: in meinen Verein, in meine App-Idee, in mein Schreiben. Weil Aufgeben keine Option ist.

Ich kämpfe weiter – als Arbeitgeberin im Persönlichen Budget, für mich und für alle, die in diesem System leben. 

– Ilka

„Nicht akzeptiert – und doch gehe ich weiter.“

Tagesnotiz – 01.10.2025

Gestern kam eine Mail, vor dem ich schon ein bisschen Angst hatte – und doch gehofft habe, dass es anders läuft. Mein Antrag für die Kalkulation 2025 für mein Persönliches Budget wurde gar nicht erst akzeptiert.

Begründung: Ich habe ihn nach meinem tatsächlichen Bedarf gestellt – nicht nach der Fachlichen Weisung des LAGeSo. Aber genau diese Weisung funktioniert für mein Leben nicht.

Denn laut Weisung gäbe es kein Geld für die Einarbeitung neuer Assistent*innen. Keine Absicherung für einen begleitenden Beratungsdienst, der mir wichtig ist, um meinen Alltag stabil zu halten. Und die Löhne meiner Assistent*innen würden so nicht einmal refinanziert.

Und weißt du, was mich am meisten getroffen hat?
Es gab nicht mal die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch. Keine Zielvereinbarung. Nicht mal einen gültigen Bescheid für dieses Jahr. Einfach gar nichts. Damit kann ich offiziell nicht mal einen Widerspruch einlegen. Das fühlt sich an, als wäre ich zwischen die Zahnräder gefallen – und niemand merkt es.

Ja, das macht mir Angst. Ich hänge voll in der Luft. Und trotzdem spüre ich da auch dieses leise, trotzige „Jetzt erst recht!“. Nächste Woche werde ich mit Leuten sprechen, die sich auskennen. Ich werde mir Hilfe holen. Ich brauche einen Plan B – denn jeder Rebell braucht einen Plan.

Heute war ich trotzdem einkaufen, ein Stück spazieren und bin früher ins Bett gegangen. Weil es mich emotional wirklich getroffen hat. Aber morgen stehe ich wieder auf. Weil ich weiß: Aufgeben ist keine Option.