„Zwischen Paragraphen, Politik und dem Herzen.“

Tagesnotiz – Freitag, 10.10.2025

Heute kam die E-Mail vom LAGeSo mit der Antwort auf meine Frage,
wie ich künftig mit der Einarbeitung meiner Assistent:innen umgehen soll.

Kurz gesagt:
Sie wollen sie kürzen.

In der Mail stand sinngemäß, dass die Einarbeitung grundsätzlich durch mich als Arbeitgeberin erfolgen soll.
Nur wenn etwas nicht einfach erklärt, sondern praktisch gezeigt werden muss –
zum Beispiel die Bedienung eines Gerätes –
darf das einmal im Jahr durch eine erfahrene Assistenzkraft übernommen werden.
Und das wird nicht bezahlt.

Ich hab die Zeilen mehrfach gelesen.
Und dann einfach still da gesessen.
Ich arbeite mit Menschen, die oft ohne Vorerfahrung in die Assistenz kommen.
Ich bringe ihnen alles bei – mit Geduld, Zeit und Empathie.
Und ja, ich fühle mich sicherer, wenn sie gut eingearbeitet sind.
Darum macht mich diese Entscheidung traurig – und ehrlich gesagt auch wütend.

Ich frage mich, ob die, die solche Regelungen treffen,
je mit Menschen gesprochen haben, die im Arbeitgeber:innenmodell leben.
Denn diese Art von Einarbeitung ist kein Luxus –
sie ist Sicherheit, Verantwortung und Würde.

Und dann war da heute auch noch die große #unkürzbar-Demo in Berlin.
Viele Menschen mit Behinderung, ihre Assistent:innen und Unterstützer:innen
waren auf der Straße, um gegen die geplanten Kürzungen im Landeshaushalt zu protestieren.

Ich konnte heute nicht persönlich dabei sein –
aber mein Herz war bei allen, die laut waren,
für Selbstbestimmung, Teilhabe und Würde.

Denn was da gerade politisch passiert,
betrifft mich – uns alle – direkt.
Ab dem 1. Januar 2026 sollen Assistent:innen im Persönlichen Budget
nur noch nach EG 3 TV-L bezahlt werden statt wie bisher nach EG 5.
Das sind bis zu 700 Euro weniger im Monat –
für Menschen, die tagtäglich Verantwortung tragen, Nähe geben und Leben ermöglichen.

Wenn diese Menschen gehen,
weil sie sich ihren Beruf nicht mehr leisten können,
bleiben wir zurück – ohne Hilfe, ohne Teilhabe, ohne Selbstbestimmung.

Ich hätte nie gedacht,
dass ich einmal so laut für etwas kämpfen muss,
das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Menschenrechte, Würde und echte Inklusion.

Nach all den vielen Gedanken heute Vormittag
habe ich mir bewusst Zeit für mich genommen.
Ich habe in Ruhe gefrühstückt, war lange spazieren,
hatte längere Gespräche wegen der Teamsitzung von gestern,
war einkaufen und in der Apotheke.

Am Ende des Tages kam die Erkenntnis:
Ich denke, ich werde mir einen Anwalt für Sozialrecht suchen.
Nicht, weil ich auf Streit aus bin,
sondern weil ich manche Dinge einfach nicht so stehen lassen möchte.

 Selbstbestimmung ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht. Und sie ist #unkürzbar.

– Ilka Hannig

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