Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell – Freiheit, Verantwortung und die Angst vor dem Verlust von Selbstbestimmung

Von Ilka Hannig

Wenn wir heute über das Bundesteilhabegesetz sprechen, dann sprechen viele über Paragraphen, Zuständigkeiten und Kosten. Ich möchte aber über etwas anderes sprechen: über das echte Leben. Über den Alltag von Menschen, die im Arbeitgebermodell leben. Über Verantwortung, Erschöpfung und über die große Angst vieler Betroffener, dass ihre Selbstbestimmung langsam wieder verloren geht. Denn genau diese Angst spüre ich derzeit bei sehr vielen Menschen im Bereich der Persönlichen Assistenz.

Das Bundesteilhabegesetz sollte ursprünglich ein großer Fortschritt werden. Die Grundlage dafür ist unter anderem die UN-Behindertenrechtskonvention, besonders Artikel 19. Dort geht es darum, dass Menschen mit Behinderungen selbst entscheiden dürfen, wie und wo sie leben möchten. Nicht mehr Versorgung, sondern echte Teilhabe. Auch im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) steht heute viel über Selbstbestimmung, Wunsch- und Wahlrecht, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das Persönliche Budget. Eigentlich ein wichtiger und richtiger Weg. Und ja: Das Persönliche Budget und das Arbeitgebermodell können genau das ermöglichen – Freiheit.

Doch genau hier beginnt inzwischen das grundsätzliche Problem vieler Betroffener mit dem neuen Bundesteilhabegesetz. Das Problem liegt für viele Menschen nicht darin, dass Teilhabe geregelt wird — sondern wie sie inzwischen bewertet und kontrolliert wird.

Früher ging es oft um die Frage: „Was braucht ein Mensch, um leben zu können?“ Heute entsteht immer häufiger das Gefühl, dass stattdessen gefragt wird: „Was davon ist wirklich notwendig und wie günstig geht es?“

Und genau dort beginnt die große Spannung innerhalb des Systems.
Denn das Bundesteilhabegesetz wollte eigentlich Selbstbestimmung stärken. Gleichzeitig wurde aber ein immer komplexeres Prüf- und Steuerungssystem aufgebaut. Leistungen werden heute detaillierter kontrolliert, dokumentiert und wirtschaftlich bewertet als früher. Dadurch geraten viele Menschen mit Behinderungen zunehmend in die Rolle, ihren eigenen Alltag permanent rechtfertigen zu müssen.

Das Problem dabei ist: Teilhabe lässt sich nicht vollständig in Tabellen, Minutenwerten und Pauschalen abbilden. Denn Leben funktioniert nicht standardisiert. Persönliche Assistenz funktioniert nicht standardisiert. Menschen funktionieren nicht standardisiert.

Gerade im Arbeitgebermodell zeigt sich das besonders deutlich. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, andere Tagesabläufe, andere gesundheitliche Situationen und andere Formen von Unterstützung. Manche brauchen mehr Stabilität im Team, andere mehr Flexibilität oder intensivere Einarbeitung. Doch genau diese Individualität kollidiert heute oft mit einem System, das versucht, Leistungen immer stärker zu vereinheitlichen und wirtschaftlich einzugrenzen.

Dadurch entsteht bei vielen Betroffenen das Gefühl, dass Selbstbestimmung zwar politisch gewollt ist — aber nur solange sie innerhalb bestimmter finanzieller Grenzen bleibt.
Und genau das ist die eigentliche Angst vieler Menschen: Dass Teilhabe langsam von einem individuellen Menschenrecht zu einer dauernden Wirtschaftlichkeitsdiskussion wird.

Viele Menschen verstehen gar nicht, was Persönliche Assistenz wirklich bedeutet. Assistenz ist nicht Luxus. Assistenz bedeutet für viele Menschen überhaupt erst leben zu können. Arbeiten zu können. Freunde zu treffen. Reisen zu können. Duschen zu können. Politisch aktiv zu sein. Ein normales Leben führen zu können. Im Arbeitgebermodell entscheiden wir selbst, wer uns unterstützt, wann Unterstützung stattfindet und wie unser Alltag aussieht. Genau darin liegt für viele von uns Würde.

Aber diese Freiheit hat einen hohen Preis. Denn gleichzeitig tragen wir enorme Verantwortung. Viele von uns organisieren jeden einzelnen Tag Dienstpläne, Krankheitsausfälle, Bewerbungen, Einarbeitungen, Konflikte im Team, Gespräche mit Lohnbüros, Kommunikation mit Behörden, Nachweise, Kalkulationen und Finanzierungen – zusätzlich zur eigenen Behinderung oder chronischen Erkrankung. Das vergessen viele Menschen. Wir leben nicht einfach nur mit Assistenz. Wir führen oft kleine soziale Unternehmen – ohne echte Sicherheitsnetze.

Und genau hier beginnt die Angst vieler Betroffener noch stärker. Denn in den letzten Jahren hat sich vieles verändert. Viele Menschen erleben inzwischen strengere Prüfungen, neue Fachanweisungen, immer mehr Nachweise, Diskussionen über Assistenzstunden, Einarbeitungszeiten und Beratungskosten sowie dauernde Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Das Problem ist: Auf dem Papier wirken diese Fragen sachlich. Im echten Leben entscheiden sie aber darüber, ob ein Assistenzsystem stabil bleibt oder zusammenbricht. Und genau das macht vielen Menschen Angst.

Denn wenn Assistenz zusammenbricht, bricht oft das ganze Leben zusammen. Das ist der Punkt, den viele außerhalb dieses Systems nicht verstehen. Wenn Menschen ohne Assistenz Probleme mit Behörden haben, ist das belastend. Wenn Menschen im Arbeitgebermodell Probleme bekommen, kann das bedeuten, nicht mehr aus dem Bett zu kommen, isoliert zu sein, nicht mehr arbeiten zu können, psychisch zusammenzubrechen, Personal zu verlieren oder die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Deshalb reagieren viele Betroffene heute so sensibel auf Unsicherheit. Nicht weil sie „übertreiben“, sondern weil ihre komplette Lebensrealität davon abhängt.

Das eigentliche Problem ist: Das System verlangt Professionalität – finanziert sie aber oft nicht ausreichend. Im Arbeitgebermodell wird erwartet, dass wir professionell arbeiten. Und ja, das müssen wir auch. Aber Professionalität braucht ausreichend Personal, Einarbeitung, Krisenmanagement, Beratung, Verwaltung und Planungssicherheit. Doch genau diese Dinge werden immer häufiger infrage gestellt. Dabei funktionieren stabile Assistenzsysteme nicht durch Zufall. Sie funktionieren nur durch enorme Arbeit.

Das Bundesteilhabegesetz wollte eigentlich moderne Inklusion schaffen. In der Praxis erleben viele Menschen aber zunehmend Bürokratie, Unsicherheit und Druck. Statt Entlastung entsteht oft zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Statt Sicherheit entstehen komplizierte Nachweispflichten. Und statt Vertrauen entsteht häufig das Gefühl permanenter Kontrolle.

Besonders problematisch ist dabei, dass viele Menschen mit Behinderungen ohnehin schon täglich enorme Kraft aufbringen müssen, um ihren Alltag zu organisieren. Wenn dann zusätzlich ständig um Leistungen, Stunden oder notwendige Strukturen gekämpft werden muss, verschiebt sich der Fokus immer weiter weg von echter Teilhabe — hin zu reiner Existenzsicherung.

Und vielleicht liegt genau dort das größte Problem des heutigen Systems: Menschen mit Behinderungen wollten eigentlich mehr Freiheit gewinnen. Viele kämpfen heute aber vor allem darum, diese Freiheit überhaupt behalten zu dürfen.

Wenn Politik wirklich Inklusion möchte, dann braucht es endlich mehr Realitätssinn. Das Arbeitgebermodell braucht realistische Kalkulationen, bezahlte Einarbeitungszeiten, weniger Bürokratie, langfristige Bewilligungen, echte Beratung, mehr Vertrauen in Betroffene, stabile Finanzierung und flexible Lösungen statt starrer Tabellen. Denn Menschen mit Behinderungen brauchen nicht nur Gesetze. Sie brauchen Sicherheit.

Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen im System gegen Teilhabe arbeiten wollen. Aber ich glaube, dass viele politische Entscheidungen inzwischen zu weit entfernt vom echten Alltag getroffen werden. Teilhabe bedeutet nicht nur Paragraphen. Teilhabe bedeutet Leben. Und persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell bedeutet für viele von uns Freiheit, Würde und Selbstbestimmung. Aber diese Freiheit bleibt nur bestehen, wenn man aufhört, sie dauerhaft unter finanziellen Druck zu setzen.

Denn niemand sollte Angst haben müssen, seine Selbstbestimmung zu verlieren, nur weil ein System immer komplizierter wird.
— Ilka Hannig

„Vielleicht beginnt Heilung genau dort, wo man langsam wieder anfängt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

Tagesnotiz vom 19.05.2026

Erstmal möchte ich mich heute wirklich von Herzen für die vielen lieben Nachrichten auf meinen Social-Media-Kanälen bedanken.
Es hat mich unglaublich berührt, so viele positive Rückmeldungen zu bekommen. So viele liebe Worte. So viel Verständnis. So viel Zuspruch.

Gerade nach den letzten schweren Monaten fühlt sich das für mich nicht selbstverständlich an.
Manchmal sitzt man wochenlang alleine mit seinen Gedanken, Kämpfen und Sorgen da und hat das Gefühl, niemand versteht wirklich, wie anstrengend manche Prozesse im Hintergrund sind. Und dann kommen plötzlich Nachrichten von Menschen, die schreiben: „Schön, dass du wieder da bist.“ Oder: „Du wirkst wieder stärker.“ Und ehrlich? Das geht direkt ins Herz.

Heute war insgesamt ein Tag, an dem ich gemerkt habe, dass ich langsam wieder anfange, nach vorne zu schauen.

Ich habe mich wieder etwas eingelesen, alte Kontakte sortiert und einige Mails geschrieben, um Verbindungen neu aufzubauen, die in den letzten Monaten liegen geblieben sind. Es fühlte sich komisch an — aber gleichzeitig auch richtig. Fast so, als würde ich Schritt für Schritt wieder zurück in mein eigenes Leben finden.
Außerdem habe ich heute eine kleine Strategieplanung für die nächsten vier Monate von AssistenzGestalten e.V. ausgearbeitet. Und während ich dort saß und meine Gedanken sortiert habe, wurde mir plötzlich bewusst: Der Verein lebt noch. Die Idee lebt noch. Und vielleicht sogar stärker als vorher.
Nicht mehr nur aus einem Kampf heraus. Sondern langsam wieder aus echter Vision.

Privat war heute dann noch der MDK bei mir, um meinen Pflegegrad zu überprüfen beziehungsweise zu schauen, ob ich eventuell eine Stundenerhöhung bekomme.
Und ja… das Ganze war unangemeldet.
Ich war ehrlich gesagt noch halb verschlafen, überhaupt nicht vorbereitet und innerlich erstmal kurz im Ausnahmezustand. Aber irgendwie habe ich es trotzdem hinbekommen.
Früher hätten mich solche Situationen komplett aus der Bahn geworfen. Heute merke ich: Auch wenn ich noch nicht wieder vollkommen stabil bin — ich funktioniere wieder. Nicht perfekt. Aber echt.

Gegen Mittag hatte ich dann noch einen Berater für meine privaten Versicherungen da. Und irgendwie musste ich dabei selbst kurz schmunzeln, weil ich gerade wirklich mein ganzes Leben neu ordne. Nicht nur emotional. Sondern tatsächlich überall.
Strukturen. Finanzen. Versicherungen. Kontakte. Zukunftspläne. Mein Umfeld. Mein Alltag.
Alles wird gerade Stück für Stück neu sortiert.
Und wisst ihr was? Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlt sich dieses „Neuordnen“ nicht mehr nur nach Chaos an. Sondern langsam auch nach Neuanfang.

Was soll ich sagen…
Ich glaube, ich finde meinen roten Faden im Leben gerade wieder.
Nicht denselben wie früher. Aber vielleicht einen, der diesmal wirklich zu mir passt.
Alles Liebe
Ilka 🌿

Manchmal muss erst alles zusammenbrechen, damit man sich selbst wiederfindet.“

🗓️ Tagesnotiz – 18.05.2026

Heute möchte ich endlich ehrlich erzählen, warum es in den letzten Monaten so still um mich geworden war.

Die Wahrheit ist:
Ich war lange krank. Und gleichzeitig brach in meiner Assistenz fast alles zusammen.
Strukturen, auf die ich mich verlassen hatte, funktionierten plötzlich nicht mehr. Menschen gingen, Situationen eskalierten, Entscheidungen mussten getroffen werden – oft schneller, als mein Herz überhaupt hinterherkam.

Und während außen alles wackelte, musste ich innerlich irgendwie stabil bleiben.
Ich musste mich neu sortieren. Mein Leben neu organisieren. Mich selbst neu zusammensetzen.

Es waren Monate voller Gespräche.
Monate voller Konflikte, Tränen, Unsicherheiten und harter Entscheidungen.
Innere Kämpfe. Äußere Kämpfe.
Und ehrlich? Manche Tage haben mich fast gebrochen.

Ich musste lernen, Grenzen zu setzen.
Musste akzeptieren, dass ich nicht jeden retten kann.
Musste erkennen, dass Selbstfürsorge nichts Egoistisches ist, sondern überlebenswichtig.
Heute sitze ich hier und merke:

Ich habe mich durch diese Zeit durchgekämpft.
Ich habe inzwischen ein komplett neues Assistenzteam aufgebaut, neue Strukturen geschaffen, mehr Assistenzstunden organisiert und Stück für Stück wieder Stabilität in mein Leben gebracht.
Und ja – ich bin weiterhin im Persönlichen Budget.

Darauf bin ich stolz.
Nicht, weil alles perfekt lief. Sondern weil ich trotz allem nicht aufgegeben habe.
Und auch der Verein lebt weiter.
Die letzten Tage gab es wichtige Gespräche mit dem Notariat und dem Amtsgericht. Wir haben eine Fristverlängerung bekommen und arbeiten jetzt Schritt für Schritt daran, die Unterlagen fertigzustellen und den weiteren Weg vorzubereiten.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlt sich etwas wieder nach Zukunft an.

Vielleicht nicht leicht.
Vielleicht nicht sorgenfrei.
Aber möglich.
Und das Schönste ist eigentlich etwas ganz Einfaches:
✨ Ich bin wieder da.
Nicht die alte Version von mir.
Aber vielleicht eine stärkere. Eine ehrlichere. Eine, die gelernt hat, sich selbst nicht mehr zu verlieren.
Und jetzt geht die Reise weiter.
Langsam. Echt. Mit Narben. Aber voller Leben.
Alles Liebe
Ilka 🌿

Zwischen Rückzug, Wachstum und einer Tasse Kakao.

Tagesnotiz – 08.02.2026

Das Jahr ist jetzt einen Monat und eine Woche alt.
Und ehrlich gesagt: Ich war zwischendurch ein bisschen abgetaucht.

Nicht, weil ich weg war –
sondern weil einfach zu viel gleichzeitig da war.
Zu viel zu klären.
Zu viel zu entscheiden.
Zu viel zu verkraften.
Manchmal ist das Leben kein leiser Fluss, sondern ein wildes Gewässer.
Und dann ziehe ich mich zurück.
Nicht, um aufzugeben, sondern um nicht unterzugehen.
Um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Genau das habe ich getan.
Still. Für mich. Schritt für Schritt.
Jetzt fühlt es sich wieder richtig an, zu schreiben.
Nicht, weil alles sortiert ist –
sondern weil ich zeigen möchte:
Ich bin noch da.
Ich gehe weiter.

Auch wenn ich mir Zeit nehme,
mich und mein Leben neu zu ordnen.
In den letzten Wochen gab es Abschiede.
Und Kündigungen.
Notwendige Entscheidungen, die richtig waren –
und trotzdem wehgetan haben.
Sie haben Chaos hinterlassen, offene Gefühle, müde Gedanken.

Aber sie waren nötig, damit Neues überhaupt Platz haben kann.
Einige Entscheidungen stehen noch aus.
Sie liegen noch vor mir, ungeklärt, nicht fertig gedacht.
Und das ist in Ordnung.
Nicht alles muss sofort entschieden werden.
Ich habe mein persönliches Budget neu sortiert, Dinge umgestellt, Wege neu gedacht.
Das ist gut. Sehr sogar.
Und gleichzeitig fordert es mich gerade enorm.
Ich stoße an Grenzen, von denen ich nicht wusste, dass sie da sind.
Ich wachse darüber hinaus –
nicht elegant, sondern mit blauen Flecken, Erschöpfung
und Tränen, die manchmal einfach kommen, ohne gefragt zu werden.
Aber ich stehe noch.
Und ich gehe weiter.
Aufgeben gilt nicht.
Das war noch nie eine Option.

Also wachse ich weiter –
manchmal mutig,
manchmal leise,
manchmal einfach nur müde.
Und manchmal wünsche ich mir nichts weiter als jemanden, der sagt:
„Alles wird gut.“
Und mir eine Tasse Kakao hinstellt.
Einfach da ist.
Ich schaffe das.

Alles Liebe
Ilka

Wenn sich etwas neu sortiert.


Blogeintrag – 08.01.26


Heute habe ich viel gesprochen.
Viele Gespräche, viele Stimmen, viele Gedanken.


Nicht laut, nicht chaotisch – eher wie ein inneres Aufräumen.
Ich merke, dass sich mein Leben gerade neu sortiert.
Nicht auf einen Schlag, sondern Stück für Stück.
Manches fällt an seinen Platz, anderes fühlt sich noch fremd an.
Und manches darf vielleicht einfach gehen, ohne dass ich es schon ganz verstehe.


Zwischendurch habe ich mir erlaubt, nichts zu „leisten“.
Ich habe einfach ein paar Filme geschaut.
Nicht, um mich abzulenken, sondern um kurz irgendwo anders zu sein.
Um meinem Kopf eine Pause zu geben und meinem Herzen ein bisschen Ruhe.
Am Abend hatte ich dann noch ein wenig Besuch.


Nichts Großes, nichts Anstrengendes.
Einfach da sein, reden, lachen, schweigen.
Und plötzlich war da dieses Gefühl:
Das tut gut. Das trägt.
Heute war kein Tag voller Antworten.
Aber einer voller Bewegung.
Innen wie außen.


Ich glaube, manchmal sortiert sich das Leben genau dann neu,
wenn wir aufhören, alles festhalten zu wollen.
Und vielleicht darf ich dem gerade einfach vertrauen.


Alles Liebe
Ilka

Ein kleiner Anfang.


Tagesnotiz – 07.01.26


Heute war ein leiser Tag.
Kein großes Ereignis, kein Knall – eher ein langsames Nachspüren.
Ganz früh am Morgen, noch bevor ich richtig wach war, stand ganz spontan mein Sanitätshaus mit dem neuen Lifter vor der Tür.


So schnell war ich noch nie aus dem Bett.
Wenig später hing er da – und mit ihm dieses Gefühl: eine Sorge weniger.
Manchmal ist Erleichterung ganz leise, aber unglaublich tief.
Am Nachmittag hatte ich eine kleine Teamsitzung.


Nicht groß, nicht dramatisch – sondern genau richtig.
Ich habe Dinge für mich ganz persönlich neu geordnet und Dienste neu geplant.
Es war gut.


Ruhig. Klärend.
Ich merke, wie viel ich im Kopf habe.
Wie viele Gedanken gleichzeitig laufen.
Wie sehr mein Körper manchmal einfach hinterherkommt.


Am Abend, nach dem Essen mit meinem Mann, war ich einfach nur froh, nach Hause zu kommen und ins Bett zu fallen.
Dieses Bedürfnis nach Ruhe war groß.


Es wird Zeit, dass es ein gutes Jahr wird.
Eines, das trägt.
Heute war vielleicht ein kleiner Anfang.


Alles Liebe
Ilka

Viele Worte. Viel Leben.

Tagesnotiz – 06.01.2026

Heute war ein Tag, der schon vor dem Aufstehen begann.

Noch im Bett habe ich telefoniert – mit wichtigen Menschen, über wichtige Dinge. Gespräche, die nicht beiläufig waren, sondern Gewicht hatten. Solche, die einen innerlich schon wach machen, bevor der Körper es ist.
Nach dem ersten Kaffee ging es direkt weiter.
Ich hatte heute mehrere Bewerber*innen da. Manche meiner Entscheidungen brauchen genau diese Gespräche – Zeit, Offenheit, ehrliche Worte. Es waren lange Gespräche, gute Gespräche. Gespräche auf Augenhöhe. Und sie haben mir gutgetan, auch wenn sie Kraft gekostet haben.

Zwischendurch habe ich gemeinsam mit meinem Assistenten gekocht.
Nicht spektakulär – aber wichtig. Essen. Für mich sorgen. Kurz innehalten. Das vergesse ich manchmal, wenn mein Kopf zu voll ist.
Später war ich lange spazieren. Die Bewegung, die kalte Luft, das Gehen – all das hilft mir, Gedanken zu sortieren.

Danach habe ich meinen Mann besucht. Wir haben lange gesprochen. Über das Leben. Über das Sterben. Über Abschied. Über das, was bleibt, wenn Dinge sich verändern oder enden. Es war ein intensives Gespräch. Eines, das noch nachwirkt.

Heute war ein Tag voller Worte.
Und manchmal sind es genau diese Tage, die zeigen, wie nah Leben und Verletzlichkeit beieinanderliegen.

Jetzt bin ich müde.

Aber auch ein kleines Stück klarer.
Alles Liebe
Ilka 🌙

Bei mir ankommen.

Tagesnotiz – 05.01.2026

Bei mir ankommen.

Heute möchte ich ein paar persönliche Zeilen dalassen.

Ich habe heute Entscheidungen getroffen, die nicht leicht waren. Entscheidungen, bei denen ich bewusst keine Erklärungen mehr gegeben habe. Nicht, weil mir Menschen egal sind – sondern weil es gerade um mich geht. Um mein Leben. Um meine Assistenz. Um meine Kraft.

Ich weiß, dass meine Entscheidungen nicht jedem gefallen werden.

Aber ich habe gemerkt: Wenn ich es allen recht machen will, verliere ich mich selbst. Und das darf nicht mehr passieren. Ich muss darauf achten, dass es mir gut geht – alles andere kommt danach.

Nächste Woche wird mein neuer Deckenlifter eingebaut. Allein dieser Gedanke gibt mir ein kleines Stück Sicherheit zurück. Außerdem kommt jemand vom Amt zu mir, um über mein Budget zu sprechen.
Bis dahin wartet viel Bürokratie – und ehrlich gesagt auch ein großes Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe.

Ich war heute lange spazieren. Habe meine Gedanken sortiert, tief geatmet und mir selbst ein bisschen näher zugehört.

Manchmal sind es genau diese stillen Momente, die helfen, wieder klar zu sehen.
Ich gehe Schritt für Schritt weiter. Nicht perfekt. Nicht laut.
Aber ehrlich – und bei mir.

Alles Liebe
Ilka 🌿

Heute war ein Tag, der leise begann und schwer endete.

Tagesnotiz – 29. Dezember 2025

Am Vormittag habe ich viel telefoniert – mit der Krankenkasse wegen der Lifter-Thematik, aber auch mit anderen wichtigen Menschen. Gespräche, die notwendig sind, weil ich für mich Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen ohne Angst, oder zumindest mit weniger Angst. Das ist gerade nicht leicht, aber nötig.

Am Nachmittag bin ich lange spazieren gegangen. Einfach laufen, atmen, den Kopf ein bisschen freier bekommen. Danach bin ich zu meinem Mann gefahren. Es geht ihm nicht gut. Der Tod des Assistenten hat ihn sehr getroffen. Wir haben viel geredet, still zusammengesessen, gemeinsam mit seiner Mama zu Abend gegessen. Diese Nähe war wichtig.

Später habe ich ihn mit zu mir genommen. Jetzt schläft er hier. Und ich sitze da und denke nach.

Heute wurde mir wieder schmerzhaft bewusst, wie kurz das Leben ist. Wie nebensächlich so viele Dinge plötzlich wirken, über die man sich sonst Sorgen macht. Und wie brutal ungerecht manche Krankheiten sind. Krebs ist und bleibt ein Arschloch. Er nimmt viel zu oft die Menschen, die noch gebraucht werden. Die mit dem großen Herzen.

Solche Tage erden. Sie tun weh. Aber sie erinnern auch daran, worauf es wirklich ankommt: Nähe, Zeit, Menschlichkeit.
Alles Liebe
Ilka 🌻

Manche Tage sind einfach schwer.

Tagesnotiz – 28.12.2025

Echt mal – was ist das bitte für ein blöder Dezember.

Heute haben mein Mann und ich erfahren, dass ein ganz lieber Assistent von ihm gestern plötzlich verstorben ist. Diese Nachricht kam völlig unerwartet und hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen. Die Stimmung war den ganzen Tag über gedrückt, still, irgendwie fassungslos. Es gibt Tage, da fühlt sich alles einfach zu viel an – und heute war so einer.

Trotzdem habe ich mich hingesetzt und fast den ganzen Tag an der Jahresabrechnung für mein Persönliches Budget gearbeitet. Seite um Seite, Zahl um Zahl. Der größte Teil ist geschafft, darauf bin ich auch ein kleines bisschen stolz. Ein kleiner Rest wird ins neue Jahr rutschen müssen, einfach weil Menschen im Urlaub sind und manches gerade nicht geklärt werden kann. Manchmal geht es eben nicht anders – auch wenn ich es gern „rund“ gehabt hätte.

Irgendwann war einfach Schluss. Ich war froh, endlich im Bett zu liegen, den Kopf aufs Kissen zu legen und nichts mehr zu müssen. Heute hatte ich die Nase voll – von Organisation, von Verantwortung, von diesem Dezember, der irgendwie nicht enden will.

Ich hoffe sehr, dass morgen ein bisschen leichter wird. 🌙

Alles Liebe Ilka