Heute. Über Missverständnisse, Macht und Menschlichkeit in der persönlichen Assistenz


von Ilka Hannig

Heute habe ich wieder gesehen, wie wenig viele verstehen, was persönliche Assistenz wirklich bedeutet – und wie schnell dabei Respekt verloren geht.
Ich habe in einem Chat eine hitzige Diskussion über eine Stellenausschreibung für persönliche Assistenz verfolgt. Was dort geschrieben wurde, war teilweise verletzend: Da war von „Sklaverei“, „Machtmissbrauch“ und „Abhängigkeit“ die Rede. Menschen, die im selben System leben oder arbeiten, redeten übereinander – nicht miteinander.

Ich lebe selbst mit persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich bin Arbeitgeberin meiner Assistentinnen. Ich schreibe Dienstpläne, führe Gespräche, organisiere meinen Alltag – und das alles, um selbstbestimmt leben zu können. Persönliche Assistenz ist kein Pflegedienst, keine Betreuung und keine pädagogische Maßnahme. Sie ist eine Form der Unterstützung, die Teilhabe und Eigenständigkeit ermöglicht.

Was viele nicht wissen: Die Löhne meiner Assistentinnen lege nicht ich fest, sondern die zuständige Behörde. Grundlage sind § 29 SGB IX (Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft) und die UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 19, die das Recht auf Selbstbestimmung garantiert. Der bewilligte Stundensatz wird individuell berechnet – er richtet sich nach Bundesland, Behörde und persönlichem Hilfebedarf. Ich muss mich an diese Vorgaben halten. Selbst wenn ich mehr zahlen möchte, darf ich es nicht.

In der Praxis bedeutet das: Ich trage Verantwortung wie jede andere Arbeitgeberin – aber mit weit weniger Handlungsspielraum. Ich bin abhängig von Entscheidungen, die außerhalb meiner Kontrolle getroffen werden. Meine Assistentinnen wiederum übernehmen eine sehr persönliche, körpernahe und anspruchsvolle Aufgabe. Sie müssen lernen, sich im Arbeitsalltag ein Stück zurückzunehmen, weil sie meine Handlungen unterstützen – nicht ersetzen. Das ist kein Machtgefälle, sondern eine professionelle Balance zwischen Nähe, Respekt und Selbstbestimmung.

Aber was ich in dieser Diskussion gesehen habe, war das Gegenteil: Aggression, Unwissen, Missverständnisse. Es zeigt, wie dringend wir mehr Aufklärung brauchen – für beide Seiten. Viele wissen nicht, was persönliche Assistenz überhaupt ist, welche Rechte und Pflichten dazugehören oder welche Verantwortung sie mit sich bringt.

Wir brauchen endlich ein klares Berufsbild, einheitliche Regeln, faire Löhne und verbindliche Strukturen. Solange das fehlt, bleibt persönliche Assistenz ein Missverständnis zwischen System und Mensch.

Darum engagiere ich mich. Darum habe ich meinen Verein AssistenzGestalten e.V. (in Gründung) gegründet – um Wissen zu vermitteln, Strukturen zu schaffen und Brücken zu bauen.

Denn persönliche Assistenz ist keine Frage von Macht.
Sie ist eine Frage von Menschlichkeit. 

http://www.assistenzgestalten.de
 ilka@assistenzgestalten.de

#AssistenzGestalten #PersönlicheAssistenz #SGBIX #UNBRK #Inklusion #Selbstbestimmung #Teilhabe #Barrierefreiheit #Respekt #Berlin #Sozialpolitik

Manchmal braucht es eben Menschen, die ein bisschen verrückt sind.

Tagesnotiz – Donnerstag, 23. Oktober 2025

Heute war einer dieser Tage, die sich gleichzeitig ewig und ganz kurz anfühlen.
Ich habe fast 7 Stunden damit verbracht, über meine Social-Media-Kanäle über 4.000 Menschen persönlich anzuschreiben – um sie auf meine Petition für den Runden Tisch Persönliches Budget aufmerksam zu machen.
Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, woher ich die Energie genommen habe.

Und ja – vielleicht halten mich jetzt manche für völlig verrückt, weil ich das gemacht habe.
Aber ganz ehrlich: Wenn das so ist, dann bin ich eben verrückt.
Denn manchmal braucht es genau solche Menschen, die einfach machen,
die laut sind,
die unbequem sind –
weil sie daran glauben, dass Veränderung nur dann entsteht, wenn man selbst den ersten Schritt geht.

Zwischendurch war ich noch einkaufen und länger spazieren.
Die frische Luft tat gut – ich musste einfach mal durchatmen nach so viel Schreiben und Denken.
Mein Kopf war voll, mein Herz noch voller.

Am Abend hatte ich wieder mein Online-Coaching.
Es war unglaublich intensiv und hat mich ganz tief berührt.
Es hat mich daran erinnert, dass alle Fähigkeiten, alles Vertrauen, alle Emotionen, die ich für mein Leben brauche, schon in mir sind.
Ich darf sie einfach nur zulassen, annehmen und nutzen.

Ich habe wieder gespürt, wie stark mein Bauchgefühl ist,
wie klar meine innere Stimme mir den Weg zeigt,
und dass ich nicht immer alles erklären muss –
manchmal darf man einfach nur fühlen und vertrauen,
dass alles, was geschieht, seinen Sinn hat.

Und ja – es ist gut, Ziele und Träume zu haben.
Nicht nur für mich selbst,
sondern auch für andere.
Denn mein Herz ist mein Wegweiser –
und solange ich darauf höre, kann alles funktionieren.

Ich musste während des Coachings an meinen Opa denken.
Er wäre jetzt so stolz.
Ich sehe ihn noch vor mir,
wie ich als kleines Mädchen zu ihm sagte:
„Opa, irgendwann gehe ich meinen Weg. Egal, was kommt.“
Und er lächelte nur und sagte:
„Ich weiß, dass du das tun wirst.“

Jetzt liege ich hier, müde, aber ruhig,
und irgendwie ganz erfüllt.
Ich weiß, dass er heute lächeln würde –
weil ich es wirklich tue:
Ich gehe meinen Weg.

Alles Liebe,
Ilka

Zwischen Ruhe, Vorfreude und einem kleinen Kribbeln im Bauch.

Tagesnotiz – Mittwoch, 22. Oktober 2025

Heute war einer dieser ruhigeren Tage, an denen man trotzdem das Gefühl hat, etwas richtig bewegt zu haben.
Ich habe den Tag ganz entspannt begonnen – mit Kaffee, einem tiefen Atemzug und dem Gedanken: „Jetzt wird’s ernst – Montag ist nicht mehr weit.“

Ich habe viel am Schreibtisch gearbeitet, Kontakte gepflegt, Mails beantwortet und meine Unterlagen sortiert.
Das klingt vielleicht banal, aber für mich bedeutet es: Struktur schaffen inmitten all der Gedanken, die sich gerade überschlagen.

Zwischendurch war ich richtig kreativ – ich habe an den Flyern und Visitenkarten für den Verein AssistenzGestalten e.V. (i. Gr.) gefeilt, Designs ausprobiert, Texte formuliert und Ideen gesammelt.
Es ist so schön zu sehen, wie aus Worten, Skizzen und Träumen langsam etwas Handfestes entsteht. ✨

Und dann war da wieder dieses Kribbeln im Bauch.
Dieses Gefühl, wenn etwas, das man so lange vorbereitet hat, plötzlich real wird.
Am Montag ist unsere Veranstaltung – und auch wenn ich gut vorbereitet bin, steigt die Aufregung.
Ich hoffe natürlich, dass bekannte Gesichter da sein werden, Menschen, die mich schon ein Stück dieses Weges begleitet haben.

Aber egal, wer kommt: Ich weiß, dass ich alles gegeben habe.
Und dass das, was ich tue, Sinn macht – weil es aus dem Herzen kommt. 

Am Nachmittag habe ich noch ein paar organisatorische Dinge erledigt, meine Dokumentationspflichten aktualisiert und einen neuen Artikel geschrieben – über Assistenz, Selbstbestimmung und das, was uns antreibt, wenn das System wankt, wir aber weiter aufrecht stehen.

Jetzt sitze ich hier, müde, aber ruhig.
Irgendwie zufrieden.
Und ein bisschen stolz – weil ich weiß, wie viel Herzblut in all dem steckt.
Vielleicht ist genau das mein größter Antrieb:
Etwas zu schaffen, das bleibt.

Alles Liebe,
Ilka 

Wenn Systeme zusammenbrechen – wer fängt uns dann auf?

von Ilka Hannig

In Berlin steht das System der Eingliederungshilfe am Rande des Zusammenbruchs.
Die Bezirke schlagen Alarm, weil die Sozialverwaltung unter Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD) die Abrechnung der Hilfen für Menschen mit Behinderung radikal umstellen will.
Ein neues System, neue Software, neue Vorgaben – alles in kurzer Zeit.

Was auf dem Papier nach Fortschritt klingt, bedeutet in der Praxis:
25.000 Menschen, deren Hilfen, Assistenzleistungen oder Wohnplätze gefährdet sind.
Denn die Sozialämter sagen selbst, dass sie die neuen Vorgaben bis Ende des Jahres nicht umsetzen können.
Die Software ist fehlerhaft, die Arbeitslast enorm, und die Mitarbeitenden sind bereits überfordert.
Wenn bis Dezember die Daten nicht eingepflegt sind, können die Träger kein Geld mehr ausgezahlt bekommen – mit fatalen Folgen: Heime, Wohngruppen und Assistenzdienste könnten keine Gehälter mehr zahlen.

💬 „Dann verlieren Menschen mit Behinderung ihren Platz und ihre Unterstützung.“
So steht es im Brandbrief der Bezirke.
Und das ist keine Übertreibung.

Ich lebe selbst mit dem Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell.
Das bedeutet: Ich bin Arbeitgeberin meiner Assistentinnen. Ich schreibe ihre Arbeitsverträge, organisiere Dienstpläne, führe Gespräche, rechne ab.
Ich trage die Verantwortung – nicht nur für mein Leben, sondern auch für die Menschen, die mich im Alltag unterstützen.

Wenn das Abrechnungssystem stockt, kann ich keine Löhne überweisen.
Wenn Behörden ihre Fristen verschieben, bleiben Anträge liegen.
Und wenn die Kommunikation versagt, bin ich es, die das Chaos aushalten muss.

Das SGB IX (§ 29) beschreibt das Persönliche Budget als ein Instrument zur Förderung selbstbestimmter Teilhabe.
Es soll Menschen ermöglichen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten – unabhängig von Diensten oder Einrichtungen.
In der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 19) steht, dass Menschen mit Behinderung das Recht haben, ihren Aufenthaltsort und ihre Lebensform frei zu wählen.
Aber was ist dieses Recht wert, wenn die Verwaltung dahinter nicht funktioniert?
Wenn Hilfen wegen Softwareproblemen, Bürokratie und Personalmangel zusammenbrechen?

Ich sehe, wie das System auf dem Papier immer schöner wird – und in der Realität immer brüchiger.
Jede neue Verordnung, jede zusätzliche Kontrolle, jedes Formular nimmt uns Zeit, Kraft und Würde.
Die Sozialämter sind längst überlastet, die Mitarbeitenden frustriert, die Träger am Limit.
Und wir Betroffenen?
Wir stehen dazwischen – mit der Angst, dass wir am Ende die Ersten sind, die fallen.

Ich frage mich oft, warum die Politik Strukturen aufrechterhält, die offensichtlich nicht mehr tragfähig sind.
Warum niemand den Mut hat, zu sagen:
„Wir müssen zuerst die Menschen absichern – und dann die Systeme anpassen.“

Ich wünsche mir, dass man uns zuhört.
Nicht als Einzelfälle oder Aktennummern, sondern als Menschen, die ihr Leben trotz vieler Hindernisse gestalten.
Wir brauchen keine neuen Hürden, sondern echte Zusammenarbeit – zwischen Verwaltung, Politik, Betroffenen und ihren Assistentinnen.

Darum habe ich AssistenzGestalten e.V. (in Gründung) ins Leben gerufen.
Ein Verein, der dafür steht, dass Selbstbestimmung nicht im Verwaltungsdschungel verloren geht.
Wir wollen zeigen, dass persönliche Assistenz und Teilhabe kein Luxus sind, sondern ein Menschenrecht.
Und dass Inklusion funktioniert – wenn man sie endlich gemeinsam denkt, plant und lebt.

Denn am Ende geht es nicht um Software oder Fristen.
Es geht um Menschen.
Und darum, ob wir ein System schaffen, das uns trägt – oder eines, das uns fallen lässt.

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Inklusion #Teilhabe #Assistenz #SGBIX #UNBRK #Selbstbestimmung #Eingliederungshilfe #AssistenzGestalten #Berlin #Sozialpolitik #Menschenrechte #Barrierefreiheit #Würde

Zwischen Struktur, Stolz und kleinen Momenten der Freude.

Tagesnotiz – Dienstag, 21. Oktober 2025

Heute war so ein Tag, an dem einfach vieles ineinandergegriffen hat.
Ich bin morgens mit dem Gefühl aufgestanden: „Heute schaffe ich was.“
Und genau so war es auch.

Zuerst habe ich mich durch mein Postfach gearbeitet – viele Mails beantwortet, kleine Baustellen geschlossen, neue Kontakte geknüpft und alte gepflegt.
Das klingt vielleicht nüchtern, aber jedes einzelne Schreiben bedeutet für mich ein Stück mehr Struktur, ein bisschen mehr Klarheit in diesem großen Puzzle rund um meinen Verein AssistenzGestalten e.V. (i. Gr.).

Dann hatte ich ein längeres Gespräch mit meinem Business-Team.
Wir haben die Präsentation für kommenden Montag fertiggestellt – und ich muss sagen, sie ist wirklich schön geworden. 
Ich spüre, dass das, was wir da gemeinsam aufbauen, immer mehr Gestalt annimmt.
Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass all das aus einer Idee gewachsen ist, aus einem Traum, der an manchen Tagen weit weg schien – und heute greifbar wird.

Am Nachmittag kam dann ein richtiger kleiner Gänsehautmoment:
Die neuen Vereins-T-Shirts sind angekommen!
Als ich das Paket öffnete und das Logo sah, musste ich einfach lächeln.
Es war plötzlich so real – ein sichtbares Zeichen dafür, dass unsere Arbeit, unsere Vision und unser Zusammenhalt nicht mehr nur digital oder auf Papier existieren, sondern auch zum Anziehen da sind.

Gemeinsam mit meinem Team habe ich dann überlegt, ob wir vielleicht sogar einen kleinen Shop aufbauen könnten – mit Shirts, Taschen oder Beuteln. Nicht als Geschäftsmodell, sondern als Symbol: ein Stück Identität, das man tragen kann.
Aber das braucht noch ein bisschen Zeit. Step by step. 

Am späten Nachmittag war ich noch länger spazieren.
Die frische Luft tat gut – und plötzlich musste ich an meinen Opa denken.
Ich glaube, er wäre ziemlich stolz auf mich.
Gerade weil vieles nicht einfach geht, weil es nicht automatisch läuft.
Weil alles handgemacht ist, aus echter Überzeugung und mit Herz.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es so wertvoll ist.

Ich weiß, es ist noch nicht alles perfekt – aber genau das macht es besonders. 

Jetzt sitze ich hier – müde, aber zufrieden.
Und denke mir: Es sind diese Tage, an denen man merkt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Alles Liebe,
Ilka 

Ein Tag voller kleiner Schritte mit großer Bedeutung.

Tagesnotiz – Montag, 20. Oktober 2025

Heute Morgen kam ich etwas schwer in den Tag.
Die Nacht war unruhig, und mein Kopf war voller Gedanken – also gab es heute einfach eine Tasse Kaffee mehr als sonst. ☕
Manchmal braucht es eben etwas länger, um wieder in die eigene Balance zu finden.

Nach einem ruhigen Start bin ich zur Post gegangen, habe ein paar Einkäufe erledigt und mir bewusst Zeit genommen, die Dinge in meinem Tempo zu tun. Mittags legte ich mich dann kurz hin – ein kleiner Mittagsschlaf, der unglaublich gut tat.

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der Vereinsarbeit und Netzwerke. Ich habe viele Mails beantwortet, Kontakte gepflegt und neue geknüpft.
Und dann kam der Moment, auf den ich innerlich schon hingearbeitet hatte: Ich habe intensiv an meiner Petition für einen politischen Runden Tisch zum Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell gearbeitet – und sie heute Abend tatsächlich fertiggestellt und offiziell rausgeschickt. 

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen.
Es geht um gleiche Löhne, um eine gesicherte Versorgung und um die Anerkennung der persönlichen Assistenz als echten Beruf.
Ich hoffe sehr, dass sich viele anschließen, mitdiskutieren und mithelfen, das Thema sichtbar zu machen – denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen.

Eigentlich wollte ich heute zu einer Veranstaltung zum Thema Tarifverträge, aber kurzfristig stellte sich heraus, dass es keine offene Veranstaltung war.
Also habe ich die Zeit anders genutzt – zusammen mit Stephan, meinem stellvertretenden Vorsitzenden bei AssistenzGestalten e.V. (in Gründung).
Wir haben wichtige Dinge besprochen, gelacht, geplant und einfach gemerkt, dass wir ein gutes Team sind.

Jetzt liege ich in meinem Bett, schreibe meine Gedanken auf und bin ehrlich gesagt ziemlich stolz – auf den Tag, auf den Mut, einfach weiterzumachen, und auf das, was langsam Form annimmt. 

Alles Liebe,
Ilka 

Von Netzwerken, Emotionen und dem Mut, echt zu bleiben.

 Tagesnotiz – Sonntag, 19. Oktober 2025

Heute war ein ruhiger, aber trotzdem produktiver Tag.
Ich habe viel kommuniziert, E-Mails beantwortet und mich über die Rückmeldung von Herrn Drechsel (ver.di) gefreut. Er wird meine Einladung zur Veranstaltung von AssistenzGestalten e. V. (in Gründung) am 27.10.2025 in seine Mitgliederversammlung einbringen.
Das bedeutet mir sehr viel – denn die gewerkschaftliche Perspektive ist wichtig, wenn wir über faire Löhne und gute Bedingungen im Arbeitgebermodell sprechen.

Ein weiterer Schwerpunkt war heute meine Netzwerkarbeit.
Ich habe Kontakte gepflegt, neue aufgebaut und meinen Blog überarbeitet – mit Gedanken zur anstehenden Veranstaltung und den aktuellen Diskussionen rund um das Persönliche Budget.

Und ja, zwischendurch habe ich einfach mal innegehalten.
Ich war länger spazieren – mit mir, meinen Gedanken und ein paar Tränen.
Weil auch das dazugehört. Manchmal muss einfach etwas raus, um wieder Platz zu schaffen für Neues.
Es macht mich menschlich – und erinnert mich daran, warum ich tue, was ich tue.

Ich habe auch einen Artikel geschrieben, in dem ich über Schubladendenken gesprochen habe – darüber, wie schnell Menschen in Kategorien gesteckt werden, und wie viel wir dadurch verlieren.
Denn Vielfalt lebt nicht von Einordnung, sondern von Begegnung.

Am Abend saß ich noch mit einem Glas Wein da, habe die vielen warmen Reaktionen aus meinen Netzwerken gelesen und war einfach dankbar.
Dankbar für ehrliche Worte, Offenheit und diesen echten Austausch – der mich oft tief berührt. 

Alles Liebe,
Ilka

#AssistenzGestalten #PersönlichesBudget #Inklusion #SelbstbestimmtLeben #Teilhabe #Arbeitgebermodell #Sozialpolitik #Empathie #Unkürzbar #Barrierefreiheit #Vielfalt #Menschlichkeit

💜 Ich will leben – nicht in Schubladen gesteckt werden.

von Ilka Hannig

Ich mag kein Schubladendenken.
Ich bin kein Fall. Keine Akte. Keine Nummer.
Ich bin ein Mensch – mit Ideen, Träumen, Zielen und einer körperlichen Einschränkung.
Aber diese Einschränkung ist nur ein Teil von mir, nicht mein ganzes Leben.

Oft werde ich gefragt, warum ich mich so engagiere, warum ich so offen über mein Leben spreche.
Ganz einfach: Weil ich es muss.
Weil zu viele Menschen über mich hinweg entscheiden.
Weil ich tagtäglich erlebe, dass man uns Menschen mit Behinderung in Schubladen steckt – aus Unwissen, Bequemlichkeit oder Angst vor Veränderung.

Ich wollte immer arbeiten. Ich wollte gestalten, nicht nur funktionieren.
Ich hatte eine klare Vision: Eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, damit niemand mehr alleine durch diesen Bürokratiedschungel muss.
Ich wollte Mut machen, Selbstbestimmung leben, anderen den Weg erleichtern.

Doch das System ließ es nicht zu.
Die Deutsche Rentenversicherung erklärte mich zur „voll erwerbsgeminderten Person“.
Ich durfte nicht arbeiten, auch wenn ich es wollte und konnte.
Acht Jahre kämpfte ich vor dem Sozialgericht, um wenigstens in den Teilerwerb gehen zu dürfen.
Acht Jahre voller Akten, Widersprüche und Sitzungen – und am Ende blieb der Satz:
„Nein, Sie dürfen nicht arbeiten.“

Heute lebe ich ohne Rente, am Existenzminimum.
Ich darf ehrenamtlich arbeiten, aber nicht selbstständig. Ich darf beraten, aber nichts verdienen.
Ich lebe in einem Paradoxon: Ich will beitragen, aber das System hält mich klein.

Und doch gebe ich nicht auf.
Ich lebe mit dem Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell – das mir wenigstens ein Stück Selbstbestimmung schenkt.
Ich bin Arbeitgeberin meiner Assistent*innen. Ich plane Dienstpläne, schreibe Verträge, organisiere meinen Alltag – mit Verantwortung, Aufwand, aber auch Stolz.

Das ist Selbstbestimmung, wie sie das Sozialgesetzbuch IX (§ 1 und § 29) eigentlich vorsieht:
volle, wirksame Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.
Und es ist das, was die UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 19 & 27) garantiert:
das Recht auf selbstbestimmtes Leben und Arbeit.

Doch die Realität sieht anders aus.
Bürokratie, fehlende Refinanzierung, starre Vorgaben und politische Kurzsichtigkeit gefährden dieses Modell täglich.
Wer im Arbeitgeberinnenmodell lebt, weiß: Freiheit und Verantwortung sind untrennbar. Aber während man Assistentinnen in Einrichtungen nach Entgeltgruppe 5 bezahlt, sollen sie bei uns künftig auf EG 3 herabgestuft werden.
Das bedeutet: bis zu 700 Euro weniger pro Monat.
Das ist nicht nur ungerecht – das ist existenzgefährdend.

Wenn diese Kürzungen kommen, verlieren viele Menschen ihre Assistenz.
Dann verlieren sie ihre Selbstbestimmung. Dann verlieren sie ihr Zuhause.
Dann verlieren sie ihr Leben, so wie sie es kennen.

Ich habe Angst vor dieser Entwicklung.
Denn wer die Einarbeitung und Beratung kürzt, spart nicht Geld – er riskiert Leben.
Es geht nicht um Luxus. Es geht um Würde.
Um ein Grundrecht, das uns zusteht.

Trotz allem glaube ich an Veränderung.
Ich glaube an Dialog, an Zuhören, an Miteinander.
Deshalb habe ich die Idee eines Runden Tisches entwickelt –
ein Ort, an dem Politik, Verwaltung, Arbeitgeberinnen, Assistentinnen und Betroffene gemeinsam reden.
Nicht übereinander, sondern miteinander.

Denn das Persönliche Budget ist mehr als ein Kostenträger-Thema.
Es ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Es zeigt, wie ernst wir es meinen mit Inklusion, Teilhabe und Menschenrechten.

Aus all dem heraus habe ich AssistenzGestalten e.V. (in Gründung) ins Leben gerufen.
Ein Verein, der Brücken bauen will – zwischen Betroffenen, Assistent*innen, Angehörigen und Politik.
Eine Plattform, auf der man voneinander lernt, Lösungen entwickelt und sichtbar wird.
Weil Inklusion nicht nur ein politischer Begriff ist, sondern gelebtes Miteinander.

Ich weiß, dass ich nicht jeden überzeugen kann.
Aber ich weiß auch, dass Schweigen keine Option ist.
Ich will leben – selbstbestimmt, frei, mit Würde.
Und ich werde weiter laut sein, bis das kein Kampf mehr ist,
sondern endlich selbstverständlich.

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Inklusion #Selbstbestimmung #Teilhabe #SGBIX #UNBRK #Assistenz #Barrierefreiheit #Sozialrecht #PersönlichesBudget #Arbeitgebermodell #AssistenzGestalten #Gleichberechtigung #MenschSein

Zwischen Einarbeitung, Apfelstrudel und einer großen Idee.

Tagesnotiz – Samstag, 18. Oktober 2025

Mein Tag begann heute recht früh – mit der Einarbeitung eines neuen Minijobbers.
Ich merke jedes Mal, wie wichtig solche Momente sind: Jemand Neuem zu zeigen, was Assistenz wirklich bedeutet – im Alltag, in der Nähe, im Vertrauen. Das braucht Zeit, Geduld und manchmal auch Fingerspitzengefühl.

Danach habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und einen neuen Artikel verfasst.
Ich schrieb über meine Gedanken zu einer möglichen Petition für einen politischen Runden Tisch zum Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell.
Ich wünsche mir einen Ort, an dem endlich alle Beteiligten miteinander sprechen – Politik, Verwaltung, Assistenzdienste, Arbeitgeberinnen und Assistentinnen.
Es ist Zeit, dass wir gemeinsam Lösungen finden, die Bestand haben – jenseits von Schlagworten und Bürokratie.

Zwischendurch hatte ich dann ein merkwürdiges Telefonat mit einem Kundenservice – eigentlich wollte ich nur eine kleine Frage klären, aber die Person am anderen Ende war so unfreundlich, dass ich kurz sprachlos war.
Manchmal frage ich mich, wo die Freundlichkeit geblieben ist – dabei kostet sie doch nichts.

Am Nachmittag wurde es dann gemütlicher: Meine Assistentin und ich haben zusammen Apfelstrudel gebacken.
Der Duft erfüllte die ganze Wohnung – ein Stück Kindheit, ein kleines Glück. ✨

Später war ich noch länger spazieren, um meinen Kopf freizukriegen, und irgendwann landete ich vor dem Fernseher – einfach mal nichts tun, abschalten, durchatmen.

Ein Tag zwischen Organisation, Reflexion und ein bisschen Zimtduft.
Und irgendwo dazwischen spüre ich:
Es sind genau diese Tage, die mich durchhalten lassen – die Mischung aus Herz, Kopf und Leben. 

Alles Liebe,
Ilka 