Tagesnotiz – 21.05.2026
Hallo 🌿
Gestern habe ich sehr viel gelesen. Nicht einfach nur oberflächlich — sondern wirklich intensiv versucht, mir selbst ein persönliches Bild von der aktuellen politischen Situation rund um das Persönliche Budget zu machen.
Und ehrlich?
Was ich dabei für mich festgestellt habe, war ziemlich ernüchternd.
Es wird unglaublich viel geredet. Es wird angekündigt. Es wird gesagt, dass alles besser werden soll. Dass Veränderungen kommen. Dass die Situation verbessert wird.
Aber wenn man genauer hinschaut, ist politisch eigentlich noch erstaunlich wenig wirklich entschieden.
Die neue Weisung zum Persönlichen Budget in Berlin ist bis heute noch immer nicht da. Und auch beim Thema Löhne herrscht weiterhin Unsicherheit.
Denn Fakt ist: Im Arbeitgebermodell müssen viele Assistent:innen in Berlin aktuell noch immer nach EG 3 bezahlt werden — obwohl monatelang überall erzählt wurde, dass man ab April wieder nach EG 5 zahlen dürfe.
Aber beschlossen? Ist das bisher eben noch nicht wirklich.
Und genau das ist das Problem.
Man hält Betroffene irgendwie hin. Mit Hoffnung. Mit Ankündigungen. Mit „Es wird kommen.“ Mit „Wir arbeiten daran.“
Doch die Realität im Alltag sieht oft ganz anders aus.
Denn während politisch diskutiert wird, kämpfen Menschen im Persönlichen Budget jeden einzelnen Tag darum, überhaupt noch Personal zu finden.
Und es wird zunehmend schwerer, Assistent:innen zu erklären, warum die Lohnunterschiede zwischen Pflege und persönlicher Assistenz teilweise so extrem auseinandergehen.
Wie soll man Menschen langfristig halten, wenn sie an anderen Stellen deutlich mehr verdienen können — obwohl die Verantwortung und Belastung oft ähnlich hoch ist?
Gestern habe ich mich darüber auch intensiv mit meinem Business-Team ausgetauscht. Und genau dort wurde nochmal deutlich, wie groß die Unsicherheit momentan eigentlich ist — nicht nur bei mir persönlich, sondern bei vielen Menschen, die im Bereich persönliche Assistenz Verantwortung tragen oder neue Strukturen aufbauen wollen.
Meine persönliche Intuition sagt mir inzwischen, dass vieles davon auch mit dem neuen Teilhabegesetz zusammenhängt, das kommen soll.
Aber Klarheit spricht niemand wirklich aus.
Es wirkt eher so, als würde man warten. Beobachten. Verschieben. Offenlassen.
Und genau diese Unsicherheit macht etwas mit den Menschen.
Mit Assistenznehmer:innen. Mit Arbeitgeber:innen im Persönlichen Budget. Aber auch mit den Assistent:innen selbst.
Denn wir reden hier nicht über irgendein abstraktes politisches Thema. Wir reden über unseren Alltag. Über Versorgung. Über Selbstbestimmung. Über Sicherheit. Über Menschenleben.
Und manchmal wünsche ich mir einfach mehr Ehrlichkeit. Mehr Klarheit. Und vor allem Entscheidungen, die auch wirklich bei den Betroffenen ankommen.
Alles Liebe
Ilka 🌿
