Ich stehe vor einer wichtigen Entscheidung: Welche Rechtsform passt am besten zu meinem Projekt? Meine Notfall-Assistenz-App soll langfristig nicht nur mir helfen, sondern vielen Menschen mit Assistenzbedarf eine Lösung bieten. Doch um sie professionell umzusetzen, brauche ich eine stabile und nachhaltige Struktur.
Momentan schwanke ich zwischen einer Vereinsgründung und einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH). Beide haben Vor- und Nachteile:
➡ Ein Verein ermöglicht Spenden und Fördermittel, benötigt aber eine Satzung, einen Vorstand und regelmäßige Mitgliederversammlungen. Das bedeutet weniger unternehmerische Freiheit, aber mehr Fördermöglichkeiten.
➡ Eine gGmbH bietet mehr Flexibilität, benötigt jedoch ein Startkapital von 25.000 € (mindestens 12.500 € bei Gründung). Dafür könnten Förderungen und Spenden dennoch möglich sein, allerdings mit strengen Gemeinnützigkeitsvorgaben.
Meine Herausforderung: Ich habe nicht viel Zeit und muss mich schnell entscheiden, welche Form für mich die beste ist.
Ich brauche dringend Unterstützung von Menschen, die sich mit Vereinsgründung, gGmbHs oder gemeinnützigen Organisationen auskennen. Wer mir helfen kann oder Kontakte hat, die mich beraten könnten, bitte meldet euch bei mir!
Kontakt: ✉ Ilka_Hannig@web.de
Ich will keine Zeit verlieren – meine Entscheidung muss bald stehen.
Autor: Ilka Hannig
Es wächst – und ich wachse mit.
Es gibt Tage, da fühlt sich alles nach purer Arbeit an. Mails schreiben, recherchieren, Netzwerken, Finanzierungswege durchdenken – und manchmal frage ich mich, ob das alles überhaupt in die richtige Richtung geht. Aber dann gibt es Tage wie heute, an denen ich einfach merke: Ja, es geht voran. Und ich wachse mit jeder neuen Herausforderung.
Meine Notfall-Assistenz-App ist längst nicht mehr nur eine Idee. Sie ist etwas, das Form annimmt, das in Gesprächen greifbar wird, das Interesse weckt. Heute habe ich wieder Förderer angeschrieben, neue Kontakte auf LinkedIn geknüpft und so viele spannende Rückmeldungen bekommen. Es ist verrückt, wie viele Menschen sich inzwischen mit mir vernetzen, einfach weil sie an das glauben, was ich hier aufbaue.
Aber es ist nicht nur das Netzwerken. Es sind die Dinge, die ich dabei neu lernen muss, die mich fordern und gleichzeitig weiterbringen. Ich setze mich mit rechtlichen Rahmenbedingungen auseinander, mit Finanzierungsmöglichkeiten, mit Vereinsgründung. So viele Hürden, so viele bürokratische Hindernisse – aber genau deshalb ist diese App so wichtig.
Ein großes Thema, das mich gerade beschäftigt, ist die Vereinsgründung. Anfangs dachte ich, das wäre einfach nur ein Mittel zur Finanzierung, aber inzwischen sehe ich das anders. Ein Verein könnte eine echte Stimme für Assistenznehmer und Assistenten sein – eine Plattform für Veränderung. Und das gibt dem Ganzen noch einmal eine ganz neue Bedeutung.
Und dann gibt es diese Momente, in denen ich einfach kurz innehalte und mir bewusst wird, wie viel sich in den letzten Wochen getan hat. Ich habe Dinge gelernt, mit denen ich vorher nie zu tun hatte. Ich habe Kontakte geknüpft, die ich mir früher nie hätte vorstellen können. Ich habe mich selbst weiterentwickelt – einfach, weil ich dran geblieben bin.
Ich weiß nicht genau, wohin dieser Weg noch führt, aber ich weiß eins: Ich werde ihn weitergehen. Schritt für Schritt. Weil es sich richtig anfühlt.
Alles Liebe,
Ilka
Lernen, Wachsen und Machen – Weil Inklusion gelebt werden muss.
Ilka Hannig
Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich mich mit meiner Notfall-Assistenz-App auf eine Reise begeben, bei der ich nicht nur ein Projekt entwickle, sondern gleichzeitig so viel Neues lerne. Ich tauche in Themen ein, mit denen ich vorher nie in Berührung gekommen bin – rechtliche Strukturen, Finanzierungsmöglichkeiten, Vereinsgründung, politische Prozesse. Ich lese unglaublich viel, arbeite mich in Details ein, die ich vor ein paar Monaten noch gar nicht auf dem Schirm hatte.
Und je tiefer ich in diese Welt eintauche, desto bewusster wird mir: Es muss sich im Denken und Handeln etwas ändern. Inklusion ist nicht einfach nur ein schönes Wort, das man sich auf die Fahne schreibt – sie muss gelebt werden. Aber genau da liegt das Problem: Viel zu oft wird sie zerredet, zerlegt, bürokratisiert und ausgebremst.
Ich glaube, dass persönliche Assistenz im persönlichen Budget ein richtiger und wichtiger Schritt ist, um Inklusion lebendig zu machen. Aber sie wurde politisch nicht zu Ende gedacht. Es gibt Hürden, Unsicherheiten, zu wenig Unterstützung für diejenigen, die Assistenz benötigen – und genauso für die, die in diesem Bereich arbeiten.
Und genau hier setzt meine App-Idee an. Ich will dazu beitragen, diesen Gedanken zu Ende zu bringen. Eine digitale Lösung, die schnelle, flexible und bedarfsgerechte Unterstützung ermöglicht. Ein Tool, das nicht nur Menschen mit Assistenzbedarf hilft, sondern auch Assistenten bessere Strukturen und Möglichkeiten bietet.
Ich bin kein Superheld. Ich bin keine Politikerin, keine Entwicklerin, keine Wirtschaftsexpertin. Ich bin einfach jemand, der macht.
Ich habe diese Idee, weil ich selbst sehe, wo die Probleme liegen. Weil ich weiß, was es heißt, auf Assistenz angewiesen zu sein. Weil ich glaube, dass wir nicht darauf warten können, dass jemand anders Lösungen schafft – sondern dass wir sie selbst gestalten müssen.
Und wenn ich dafür Dinge lernen muss, die ich vorher nicht wusste – dann tue ich das. Weil es wichtig ist. Weil es sein muss. Und weil ich daran glaube, dass es sich lohnt.
Alles Liebe,
Ilka
Es nimmt Form an – und fühlt sich richtig an.
Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass sich etwas bewegt. Langsam, aber stetig fügen sich die Dinge zusammen, und die Idee meiner Notfall-Assistenz-App wird immer greifbarer.
Ein besonderer Moment heute war mein Gespräch mit Herrn Batscher. Er ist 65 Jahre alt, blind und hat unglaublich viel Erfahrung im Vereinswesen. Und genau da liegt gerade ein wichtiger Punkt: Die Gründung eines Vereins, um Fördermittel zu beantragen und das Projekt langfristig auf stabile Beine zu stellen. Wir haben heute noch einmal telefoniert, und seine Gedanken und Hinweise dazu waren wirklich wertvoll. Es tut gut, jemanden an der Seite zu haben, der sich mit diesen Strukturen auskennt und mir dabei helfen kann, den richtigen Weg zu finden.
Auch auf Social Media war wieder viel los. Ich habe neue Kontakte auf LinkedIn geknüpft, interessante Nachrichten bekommen und gemerkt, dass sich immer mehr Menschen für meine Idee interessieren. Das ist verrückt und gleichzeitig wunderschön – weil es mir zeigt, dass das, woran ich arbeite, wirklich einen Unterschied machen kann.
Natürlich bleibt die Finanzierung eine Herausforderung. Ich habe heute wieder einige E-Mails an potenzielle Förderer und Unterstützer geschickt und versuche weiterhin, den richtigen Weg zu finden. Es gibt viele Möglichkeiten – aber welche passt am besten? Es ist ein bisschen wie ein Puzzle, bei dem ich langsam die richtigen Teile zusammensetze.
Und genau das fühlt sich gerade so gut an: Es nimmt Form an. Es ist nicht mehr nur eine Idee. Es ist etwas, das wächst.
Ich weiß nicht, wann der entscheidende Durchbruch kommt. Aber ich weiß, dass ich weitermache. Jeden Tag, Schritt für Schritt.
Alles Liebe,
Ilka
„Sei doch froh“ – Warum diese Begegnung mich nicht loslässt und welche Rechte hier mit Füßen getreten werden
von Ilka Hannig
Die Begegnung von gestern geht mir nicht aus dem Kopf. Jemand sagte zu mir: „Menschen mit Behinderung, die Grundsicherung und volle Erwerbsminderung haben, sollten doch froh sein, dass sie vom Staat abgesichert sind. Warum willst du überhaupt arbeiten? Damit gefährdest du doch das ganze System.“
Dieser Satz hat mich tief getroffen. Es ist genau diese Denkweise, die verhindert, dass Menschen mit Behinderung als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft gesehen werden. Die Vorstellung, dass wir nur existieren dürfen, solange wir in ein festes Schema passen – versorgt, aber ohne eigene Möglichkeiten – ist nicht nur entmutigend, sondern auch falsch.
Ja, ich bin auf Unterstützung angewiesen. Ja, ich bekomme Grundsicherung, weil das System mir keine andere Wahl lässt. Aber heißt das, dass ich mich damit abfinden muss? Dass ich keinen eigenen Beitrag leisten darf, nur weil das System nicht darauf ausgelegt ist, dass jemand wie ich arbeiten möchte?
Natürlich habe ich einen Assistenzbedarf und somit auch einen Pflegegrad, aber das sucht sich doch niemand freiwillig aus! Das bedeutet auch nicht automatisch, dass ich nicht arbeiten könnte oder keine Fähigkeiten hätte. Ein Pflegegrad sagt nur aus, dass jemand Unterstützung im Alltag braucht – nicht, dass er geistig nicht in der Lage ist zu arbeiten oder sich einzubringen.
Ich durfte noch nie arbeiten – Menschen wie mir gibt man selten eine Chance
Ich durfte noch nie richtig arbeiten. Man gibt Menschen wie mir selten eine Chance. Vielleicht liegt es daran, dass viele Arbeitgeber sich unsicher sind, wie sie mit einer Person umgehen sollen, die Assistenz benötigt. Vielleicht fürchtet man sich vor zusätzlichem Verwaltungsaufwand oder möglichen Haftungsfragen. Vielleicht hat man Angst vor Schadensersatzforderungen, falls ich meine Wege finde und später Ansprüche stelle, weil ich jahrelang als „nicht arbeitsfähig“ galt.
Doch genau das ist das Problem: Wenn man uns keine Chancen gibt, wie sollen wir dann beweisen, dass wir leistungsfähig sind? Es entsteht ein Teufelskreis – wer nie arbeiten durfte, bekommt später auch keine Möglichkeiten mehr.
Sind unsere Grundrechte für Menschen wie mich außer Kraft gesetzt?
Ich frage mich ernsthaft, ob für Menschen wie mich gewisse Gesetze einfach nicht mehr gelten. Das Grundgesetz Artikel 3 Absatz 3 sagt klar:
➡ „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Aber wenn ich arbeiten will und das System mich daran hindert – ist das nicht eine Benachteiligung?
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Deutschland ratifiziert hat, schreibt in Artikel 27 über das Recht auf Arbeit:
➡ „Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit.“
➡ „Sie sollen den Zugang zu einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt sicherstellen.“
➡ „Es muss sichergestellt werden, dass Menschen mit Behinderungen ihren Lebensunterhalt verdienen können, indem sie Arbeit frei wählen und akzeptieren können.“
Doch was passiert in Deutschland? Menschen mit Behinderung werden oft entweder in Behindertenwerkstätten gesteckt, wo sie weit unter dem Mindestlohn arbeiten, oder sie werden als „voll erwerbsgemindert“ eingestuft und von jeglicher Arbeitsmöglichkeit ausgeschlossen. Dazwischen gibt es nichts.
Was kostet es den Staat wirklich, wenn ich arbeiten möchte?
Oft wird argumentiert, dass Menschen mit Behinderung, die Grundsicherung und volle Erwerbsminderung erhalten, froh sein sollten, „vom Staat abgesichert“ zu sein. Aber was, wenn ich genau dieses System entlasten könnte, anstatt es zu „gefährden“?
Ich habe nachgerechnet:
Wenn ich nicht arbeite, bezieht der Staat für mich Leistungen wie Grundsicherung, Pflegegeld, Mietzuschuss, Assistenzkosten und Krankenkassenbeiträge. Das kostet den Staat 5.599 € pro Monat.
Wenn ich arbeite, verdiene ich selbst, zahle Steuern und Sozialabgaben. Zwar brauche ich weiterhin Assistenz und ein reduziertes Pflegegeld, aber insgesamt kostet der Staat mich dann nur noch 3.289 € pro Monat.
Die Ersparnis für den Staat liegt bei 2.310 € pro Monat – das sind 27.720 € pro Jahr.
Das zeigt ganz klar: Ich wäre für den Staat günstiger, wenn ich arbeite. Trotzdem hält mich das System davon ab, indem es mir die Rückkehr in den Arbeitsmarkt erschwert.
Eine weitere Nebenwirkung: Keine Rentenansprüche
Neben der finanziellen Abhängigkeit gibt es noch eine andere, viel langfristigere Konsequenz: Dadurch, dass ich nicht arbeiten darf, kann ich keine Rentenansprüche aufbauen.
➡ Wer nicht arbeitet, zahlt nicht in die Rentenkasse ein.
➡ Das bedeutet: Ich werde auch im Alter von der Grundsicherung abhängig bleiben.
➡ Selbst wenn sich meine Situation verbessert, werde ich nie eine eigene Rente haben.
Das System hält mich also nicht nur jetzt in der Grundsicherung fest – es sorgt auch dafür, dass ich nie eine Chance habe, aus dieser Abhängigkeit herauszukommen. Ich werde gezwungen, für den Rest meines Lebens in einem finanziellen Kreislauf gefangen zu bleiben, ohne Aussicht auf eine echte Altersvorsorge.
Warum darf ich nicht arbeiten?
Ich möchte arbeiten. Ich möchte etwas schaffen, das gebraucht wird. Ich möchte mit meiner Notfall-Assistenz-App nicht nur für mich eine Perspektive schaffen, sondern auch anderen Menschen mit Assistenzbedarf helfen, flexibel zu arbeiten und selbstbestimmt zu leben. Aber genau das ist nicht vorgesehen.
Warum wird es als Problem gesehen, wenn Menschen mit Behinderung sich ein eigenständiges Leben aufbauen wollen? Warum wird uns eingeredet, dass wir zufrieden sein sollen, obwohl das System uns nicht wirklich Teilhabe ermöglicht, sondern uns nur verwaltet?
Wenn das Grundgesetz und die UN-BRK uns ein Recht auf Arbeit, Selbstbestimmung und Inklusion garantieren – warum sieht die Realität dann anders aus? Sind diese Gesetze für Menschen wie mich außer Kraft gesetzt?
Ich werde nicht akzeptieren, dass ich mich einfach „damit abfinden“ soll. Ich will arbeiten. Ich will etwas beitragen. Und ich will, dass es für Menschen mit Behinderung echte Möglichkeiten gibt, an der Gesellschaft teilzuhaben – nicht nur als Empfänger von Leistungen, sondern als aktive Mitglieder.
Diese Begegnung hat mir gezeigt, wie tief verwurzelt diese Haltung in unserer Gesellschaft noch ist. Und genau deshalb werde ich weiter für Veränderung kämpfen. Denn Inklusion heißt nicht, dass wir nur mitlaufen dürfen – sie heißt, dass wir genauso teilhaben können wie alle anderen.
Es bewegt sich – und ich bleibe auf meinem Weg
Heute war wieder so ein Tag, an dem ich gemerkt habe, wie viel gerade passiert. Ich habe mich weiter intensiv mit der Finanzierung meiner Notfall-Assistenz-App beschäftigt, neue Wege durchdacht und versucht, die richtigen Menschen zu finden, die mich auf diesem Weg begleiten.
Die Idee, einen Verein zu gründen, um Fördermittel beantragen zu können, wird immer konkreter. Es wäre nicht nur ein finanzieller Vorteil, sondern könnte auch eine stärkere Lobby für persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell schaffen. Ich habe bereits erste Rückmeldungen aus meinem Netzwerk bekommen – es scheint eine machbare Lösung zu sein, aber es braucht noch die passenden Strukturen und Partner.
Heute habe ich wieder viele Mails geschrieben – an Förderer, Politiker, Stiftungen und Banken. Besonders spannend war der Kontakt zur Berliner Sparkasse und zur KfW Bank, um mögliche Finanzierungswege zu klären. Parallel dazu habe ich meinen Förderantrag weiter vorbereitet – ein aufwendiger Prozess, aber einer, der mich dem Ziel näherbringt.
Auch auf Social Media passiert gerade unglaublich viel! Ich bekomme viele Kontaktanfragen auf all meinen Kanälen, was mich total überwältigt. So viele Menschen interessieren sich für mein Projekt, wollen sich austauschen oder einfach nur unterstützen – das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Aber dann gibt es auch die anderen Begegnungen. Heute hatte ich ein Gespräch, das mich emotional beschäftigt hat. Ein Kommentar, der sinngemäß lautete: „Behinderte können doch einfach zu Hause bleiben. Warum willst du denn arbeiten gehen? Du wärst doch dumm, wenn du deine soziale Absicherung freiwillig aufgibst.“
Und genau da liegt das Problem. Nein, ich bin nicht dumm. Vielleicht wäre es für manche einfacher, sich zurückzulehnen und in der Sicherheit zu bleiben. Aber genau das ist der Punkt: Ich habe das Recht zu arbeiten, das Recht, meine Ideen umzusetzen – und ich fordere dieses Recht ein!
Dieses Gespräch hat mich kurz ins Nachdenken gebracht, aber es hat mir vor allem eines gezeigt: Wie wichtig es ist, weiterzumachen. Es wird immer Menschen geben, die nicht verstehen, warum ich das tue. Aber es gibt auch so viele, die mich unterstützen, die den Sinn hinter meiner Idee sehen – und genau für diese Menschen mache ich weiter.
Ich werde meinen Weg finden – und ich werde ihn gehen.
Alles Liebe,
Ilka
Warum ich nie in eine Behindertenwerkstatt wollte – und warum das System dringend überdacht werden muss.
von Ilka Hannig
Ich erzähle das hier ganz offen, weil ich immer wieder gefragt werde, warum ich nicht einfach über eine Behindertenwerkstatt in den Arbeitsmarkt eingestiegen bin. Schließlich sei das doch „eine gute Möglichkeit“ für Menschen mit Behinderung, einen Job zu finden. Doch für mich war von Anfang an klar: Ich gehöre da nicht hin.
Das Problem mit dem System der Werkstätten – und die gesetzlichen Hintergründe
In Deutschland gibt es für Menschen mit Behinderung kaum Alternativen zur Behindertenwerkstatt, wenn sie arbeiten möchten. Die gesetzlichen Regelungen im Sozialgesetzbuch (SGB IX, § 219 ff.) sind darauf ausgerichtet, Menschen mit Behinderung entweder in eine Werkstatt zu bringen oder sie als „voll erwerbsgemindert“ einzustufen. Ein flexibles Modell für Menschen, die mit Assistenz arbeiten könnten, existiert kaum.
➡ Einmal in einer Werkstatt, kommt man kaum mehr heraus. Laut SGB IX sollen Werkstätten eigentlich die berufliche Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt fördern – die Realität sieht jedoch anders aus. Nur weniger als 1 % der Werkstattbeschäftigten schafft den Übergang in eine reguläre Anstellung.
➡ Werkstattlöhne liegen weit unter dem Mindestlohn. Nach § 221 SGB IX erhalten Beschäftigte in Werkstätten einen Grundbetrag von weniger als 2 Euro pro Stunde, oft ergänzt durch ein Leistungsentgelt – insgesamt aber weit unter dem Mindestlohn. Damit bleibt man finanziell abhängig von Sozialleistungen.
➡ Die gesetzliche Einstufung als „voll erwerbsgemindert“ (SGB VI, § 43) führt dazu, dass Menschen mit Behinderung, die einmal in einer Werkstatt arbeiten, häufig für den ersten Arbeitsmarkt „abgeschrieben“ werden. Es gibt kaum flexible Übergänge in den regulären Arbeitsmarkt.
Für manche Menschen sind Werkstätten wichtig – aber nicht für mich
Ich möchte ganz klar sagen: Für manche Menschen sind Werkstätten eine gute Lösung, und das soll auch so bleiben. Es gibt Menschen mit schweren kognitiven oder mehrfachen Behinderungen, für die das geschützte Umfeld einer Werkstatt eine sinnvolle Möglichkeit ist.
Aber für mich war das nie eine Option. Ich bin körperlich eingeschränkt und auf Assistenz angewiesen, aber das heißt nicht, dass ich weniger leisten kann. Ich wollte immer eine echte berufliche Perspektive – mit fairer Bezahlung, echten Entwicklungsmöglichkeiten und der Chance, mein Potenzial zu entfalten.
Das Problem: Pflegegrad und Arbeitsfähigkeit werden in Deutschland oft gleichgesetzt
Ein weiteres großes Problem ist, dass in Deutschland die Arbeitsfähigkeit oft automatisch infrage gestellt wird, wenn du einen Pflegegrad hast.
➡ Wer einen hohen Pflegegrad hat, wird oft als „nicht mehr belastbar“ eingestuft – egal, ob er mit Assistenz arbeiten könnte.
➡ SGB XI (Pflegeversicherung) und SGB VI (Erwerbsminderungsrente) sind nicht aufeinander abgestimmt. Wer Pflege braucht, wird oft als „arbeitsunfähig“ eingestuft – selbst wenn die Einschränkung nur den Alltag betrifft, nicht die Arbeitsfähigkeit.
➡ Menschen mit Assistenzbedarf haben kaum die Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, weil es gesetzlich keine klaren Regelungen gibt, die den Übergang aus der Grundsicherung oder der vollen Erwerbsminderung in eine flexible Arbeitsform ermöglichen.
Das Leben an der Armutsgrenze – ein weiteres großes Problem
Ein weiterer blöder Nebeneffekt dieses Systems ist, dass man als Mensch mit Behinderung oft dauerhaft an der Armutsgrenze lebt.
➡ Sparen ist kaum möglich, weil das Einkommen in der Grundsicherung gedeckelt ist.
➡ Wenn man etwas dazuverdient, wird es fast komplett angerechnet – bis auf 30 %. Das heißt, von jedem Euro bleiben einem am Ende nur ein paar Cent.
➡ Viele müssen Kredite aufnehmen, nur um sich ein besseres Leben leisten zu können. Ehrlich gesagt, bei mir persönlich ist es genauso – auch ich zahle immer irgendwo einen Kredit ab, weil es finanziell einfach oft nicht reicht.
Deshalb schaffe ich mir meinen eigenen Job – für mehr Selbstbestimmung
Da mir das System keine echte Möglichkeit gibt, habe ich beschlossen, mir meine eigene Perspektive zu schaffen – mit meiner Notfall-Assistenz-App. Sie soll Menschen mit Assistenzbedarf helfen, kurzfristig Assistenz zu finden, um flexibel arbeiten zu können. Denn genau das fehlt vielen Menschen mit Behinderung: Die Möglichkeit, selbstbestimmt am Arbeitsmarkt teilzunehmen, ohne auf starre Systeme angewiesen zu sein.
Denn so, wie die Behindertenpolitik aktuell ist, passt sie für mich nicht zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). In Artikel 27 der UN-BRK wird das Recht auf Arbeit und gleichberechtigte Beschäftigung für Menschen mit Behinderung gefordert. Doch in Deutschland werden viele von uns entweder als „nicht arbeitsfähig“ eingestuft oder in ein Werkstattsystem gedrängt, aus dem man kaum wieder herauskommt. Das ist nicht fair – und es ist auch nicht inklusiv.
Ich kämpfe für eine echte Alternative!
Die Behindertenpolitik in Deutschland braucht dringend ein Umdenken. Werkstätten dürfen nicht die einzige Option sein. Menschen mit Behinderung müssen die Möglichkeit haben, auf dem regulären Arbeitsmarkt tätig zu sein – mit Unterstützung, aber auch mit fairer Bezahlung und echten Chancen.
Ich werde weiter für eine inklusive Arbeitswelt kämpfen. Denn ich möchte nicht in ein System gedrängt werden, das mich klein hält – und das sollte niemand müssen.
Neue Wege für die Finanzierung – und die Idee eines Vereins nimmt Form an.
Heute war einer dieser Tage, an denen ich spüre, dass es vorangeht – langsam, aber beständig. Die Finanzierung meiner Notfall-Assistenz-App bleibt das zentrale Thema, und ich habe mich intensiv damit beschäftigt, welche Wege es gibt, um sie auf stabile Beine zu stellen.
Ein Gedanke, der immer mehr Form annimmt, ist die Gründung eines Vereins, um auf diese Weise Fördermittel beantragen zu können. Erste Rückmeldungen aus meinem Netzwerk zeigen, dass diese Idee viel Potenzial hat. Ein Verein könnte nicht nur die finanzielle Grundlage für das Projekt schaffen, sondern auch eine stärkere Lobby für persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell bilden. In der Telegram-Gruppe gab es dazu heute eine richtig spannende Diskussion, und ich merke, dass das Interesse an diesem Thema groß ist.
Neben der Konzeptarbeit habe ich heute auch ganz konkret an der Finanzierung gearbeitet: Ich habe wichtige Mails an potenzielle Förderer, Politiker, Stiftungen und Banken verschickt. Besonders spannend war die Kontaktaufnahme mit der Berliner Sparkasse und der KfW Bank, um herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt, meine App auf den Weg zu bringen. Parallel dazu habe ich einen Förderantrag weiter vorbereitet, um gezielt Unterstützung zu beantragen.
Auch auf Social Media habe ich heute einen Aufruf gestartet, um Menschen zu finden, die das Projekt entweder finanziell unterstützen oder durch ihr Netzwerk weiterbringen können. Da Telefonate für mich nicht immer möglich sind, habe ich um den Erstkontakt per E-Mail gebeten – mal sehen, was sich daraus ergibt.
Es war ein Tag voller Netzwerkarbeit, strategischer Planung und Organisation. Ich merke, dass sich Türen öffnen, aber es braucht weiterhin Ausdauer und die richtigen Menschen, um das Projekt weiter voranzutreiben. Jetzt heißt es, die nächsten Schritte zu durchdenken und weiter dranzubleiben.
Ich bin gespannt, was die kommenden Tage bringen – aber eines ist klar: Ich mache weiter.
Viele Grüße,
Ilka
Eine Idee nimmt Fahrt auf – Der nächste große Schritt!
Eine Idee nimmt Fahrt auf – Der nächste große Schritt!
Ilka Hannig
Letzte Nacht habe ich lange überlegt, wie wir die Notfall-Assistenz-App nicht nur realisieren, sondern nachhaltig absichern können. Immer wieder kam ich zu dem gleichen Schluss: Ein Verein wäre der nächste logische Schritt!
Warum? Weil ein Verein uns die Möglichkeit gibt, Fördergelder zu beantragen, die mir als Einzelperson nicht zur Verfügung stehen. Aber noch viel wichtiger: Ein Verein könnte endlich eine Lobby für persönliche Assistenz schaffen – für Assistenznehmerinnen wie auch für Assistentinnen.
Diese App ist nicht nur eine digitale Lösung für akute Notfälle, sie könnte auch eine Grundlage für ein offizielles Berufsbild für persönliche Assistent*innen im persönlichen Budget sein. Bisher gibt es keine einheitliche Anerkennung, keine Standards – und genau hier könnten wir ansetzen!
Mit dem Verein hätten wir zudem eine stärkere Stimme in der Politik, um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sichtbarkeit für das Thema persönliche Assistenz zu schaffen.
Doch für die Gründung eines Vereins brauche ich sieben Menschen, die Lust haben, diesen Weg mit mir zu gehen. Menschen, die an die Idee glauben und gemeinsam mit mir daran arbeiten möchten.
Wer Interesse hat, meldet sich gerne bei mir! Lasst uns etwas bewegen – für mehr Inklusion, bessere Assistenzstrukturen und eine starke Gemeinschaft! ✨
#Assistenz #Verein #Inklusion #NotfallAssistenzApp #GemeinsamStark
Es wächst – langsam, aber sicher
Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass alles Form annimmt, aber eben auch, dass es Zeit braucht. Ich habe so viel getan – Mails geschrieben, potenzielle Förderer kontaktiert, Gespräche geführt – und trotzdem fühlt es sich manchmal so an, als wäre der entscheidende Durchbruch noch nicht ganz da.
Die Finanzierung bleibt das große Thema. Es gibt so viele Ideen, so viele Ansätze – aber was jetzt zählt, ist, die richtigen Menschen zu finden, die bereit sind, diesen Weg mit mir zu gehen. Ich habe heute wieder versucht, mehr Aufmerksamkeit für die Notfall-Assistenz-App zu bekommen, weil ich weiß: Der Bedarf ist riesig. Das merke ich in jedem Gespräch, in jeder Nachricht, in jeder Erfahrung, die mir andere berichten.
Mit meinen App-Entwicklern habe ich über den aktuellen Stand gesprochen. Wir sind bereit, die nächsten Schritte zu gehen. Es fehlt nicht viel. Die Idee einer Crowdfunding-Kampagne wird konkreter, und ich denke darüber nach, wie ich die App noch greifbarer machen kann. Vielleicht eine Webseite, vielleicht ein besseres Konzept für die Präsentation – es gibt so viele Möglichkeiten, und es ist schön zu sehen, dass das Projekt langsam Gestalt annimmt.
Neben all dem habe ich heute viel organisiert und dokumentiert. Ich arbeite weiter an meinem Existenzgründertagebuch, halte fest, was passiert, welche Entwicklungen es gibt – einfach, um mir selbst auch bewusst zu machen, was ich schon geschafft habe. Ich habe Tabellen erstellt, mein Konzept weiter strukturiert und über die richtige Gründungsform nachgedacht. Das ist ein riesiger Punkt, weil es darüber entscheidet, wie sich das Projekt in Zukunft finanzieren lässt.
Zwischendurch habe ich mir aber auch mal eine kleine Auszeit genommen und war spazieren – einfach, um den Kopf freizubekommen. Danach hatte ich noch ein Telefonat mit meinem Bearbeiter bei der zuständigen Behörde, weil ich noch ein paar Dinge in Bezug auf mein persönliches Budget klären musste. Manchmal sind es genau diese organisatorischen Kleinigkeiten, die sich ziehen, aber sie gehören eben auch dazu.
Und fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: Am Mittwoch habe ich eine neue Assistentin eingestellt! Sie fängt zum 01.04.25 an, und das fühlt sich richtig gut an. Ein weiterer Schritt, um wieder mehr Stabilität in meinen Assistenz-Alltag zu bringen.
Was mich heute aber wieder besonders motiviert hat, war der Austausch in meiner Telegram-Gruppe. Ich habe so viel wertvolles Feedback bekommen, neue Impulse und Ideen gesammelt. Es tut gut, zu sehen, dass andere sich für diese Idee begeistern, dass sie verstehen, warum sie so wichtig ist – und dass sie mich in meinem Weg bestärken.
Manchmal denke ich: Es geht nicht schnell genug. Aber dann erinnere ich mich daran, dass die besten Dinge Zeit brauchen. Und solange ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin, mache ich einfach weiter. Schritt für Schritt. Es bewegt sich. Es wächst. Und irgendwann wird es genau da sein, wo es sein soll.
Alles Liebe,
Ilka
