Heute brauche ich etwas Abstand.

Tagesnotiz – 20.09.2026

Heute war ein eher nachdenklicher Tag. Ich war traurig, teilweise auch wütend und hatte wenig Bedürfnis nach vielen Menschen um mich herum.
Ich war heute wählen. Mir ist es wichtig, meine Stimme abzugeben und mich mit politischen Themen auseinanderzusetzen – besonders dann, wenn sie mein eigenes Leben unmittelbar betreffen.
In den vergangenen Wochen habe ich verschiedene Parteien angeschrieben und Fragen zum Persönlichen Budget, zum Arbeitgebermodell, zur persönlichen Assistenz und zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung gestellt. Umso mehr bedauere ich, dass ich darauf nur wenige Rückmeldungen erhalten habe.
Mir ging es dabei nicht darum, eine bestimmte Antwort zu bekommen. Ich wollte wissen, wie die Parteien mit den Fragen umgehen, die für Menschen wie mich im Alltag eine große Bedeutung haben.
Gerade die weitere Entwicklung meines Persönlichen Budgets beschäftigt mich sehr. Wenn über Finanzierung, Vergütung und mögliche Veränderungen gesprochen wird, geht es für mich nicht nur um Zahlen. Dahinter stehen Menschen, Arbeitsplätze und die Frage, unter welchen Bedingungen ein selbstbestimmtes Leben mit persönlicher Assistenz möglich ist.
Ich wünsche mir, dabei als Mensch gesehen zu werden und nicht in erster Linie als Kostenfaktor.
Vielleicht beschäftigt mich deshalb auch eine Frage aus meinem privaten Umfeld so sehr: Warum ich als Mensch mit Behinderung überhaupt arbeiten möchte.
Für mich ist die Antwort eigentlich einfach: Weil ich Fähigkeiten und Ideen habe und mich einbringen möchte. Ich schreibe, beschäftige mich intensiv mit Themen rund um das Persönliche Budget und arbeite am Aufbau von AssistenzGestalten e.V. in Gründung. Ich möchte gestalten und selbst entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen möchte.
Meine Behinderung gehört zu meinem Leben. Sie sollte aber nicht darüber bestimmen, welche Wünsche und Ziele ich haben darf.
Heute merke ich deshalb besonders, dass ich Abstand von Menschen brauche, die mir sagen möchten, wie ich leben oder sein sollte. Nicht jeder muss meine Entscheidungen verstehen oder meine Vorstellungen teilen. Aber ich wünsche mir einen respektvollen Umgang miteinander.
Vielleicht darf heute einfach ein Tag sein, an dem ich traurig und nachdenklich bin und mich etwas zurückziehe.
Das bedeutet aber nicht, dass ich aufgebe.
Ich werde weiter meinen Weg gehen, mich für meine Selbstbestimmung einsetzen, an meinen Projekten arbeiten und meine Stimme nutzen. Vielleicht manchmal etwas leiser und mit einer Pause dazwischen – aber Schritt für Schritt weiter.
Denn eines bleibt:
Ich möchte als Mensch gesehen werden – mit meinen Fähigkeiten, meinen Grenzen, meinen Wünschen und meinen eigenen Vorstellungen davon, wie ich leben möchte. 🌿
Und auch wenn heute nicht mein leichtester Tag war: Aufgeben gilt nicht.

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