Tagesnotiz – Donnerstag, 09.10.2025
Heute Vormittag war einer dieser typischen Bürokratie-Vormittage.
Ich habe Abrechnungssachen für mein persönliches Budget erledigt, einige Telefonate geführt und auch wieder Dinge für meinen Verein organisiert.
Alles, was man eben so tut, damit das große Ganze weiterläuft.
Gegen frühen Nachmittag stand dann meine Teamsitzung mit meinen Assistenten an – und ehrlich gesagt, hatte ich vorher ein etwas flaues Gefühl im Bauch.
Nicht aus Angst, sondern weil mir dieses Gespräch wichtig war.
Ich habe die Gelegenheit genutzt, um Transparenz zu schaffen – über meine aktuelle Situation im persönlichen Budget, über das, was sich gerade politisch verändert, und was das für uns alle bedeutet.
Ich wollte, dass mein Team versteht, dass Assistenzarbeit mehr ist als ein Job.
Es ist Verantwortung, Vertrauen, Nähe – und manchmal eben auch Krisenmanagement.
Wir haben auch über die Notwendigkeit einer verlässlichen Notfallabdeckung gesprochen.
Denn wenn jemand ausfällt, bedeutet das für mich immer ein Stück Unsicherheit im Alltag.
Ich habe erklärt, dass ich deshalb zwei neue Menschen einarbeiten werde –
eine Person auf Minijob-Basis und eine in Teilzeit.
Gerade, weil ich weiß, dass mich Ende Oktober wieder jemand verlassen wird –
aus privaten Gründen und wegen des Studiums.
Was mich heute besonders bewegt hat:
Ich habe gespürt, dass manchen meiner Assistenten gar nicht wirklich bewusst ist,
wie angespannt die Lage im Arbeitgebermodell des Persönlichen Budgets gerade ist.
Und ich fand es menschlich erschreckend zu sehen,
dass einige die Notfallabdeckung nicht als Priorität sahen –
wohl aber das Gehalt.
Das tat weh.
Nicht, weil ich es ihnen vorwerfe,
sondern weil es zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven sind –
zwischen denen, die auf Unterstützung angewiesen sind,
und denen, die sie leisten.
Trotzdem war diese Teamsitzung wichtig.
Denn Ehrlichkeit schafft Klarheit.
Und Klarheit gibt jedem die Wahl:
Kann ich das? Will ich das?
Oder ist es zu viel für mich?
Ich habe heute versucht, so offen und ruhig wie möglich zu kommunizieren –
auf Augenhöhe, mit Respekt und mit Herz.
Denn nur so kann man wirklich gemeinsam in einem Boot sitzen.
Natürlich war es keine einfache Teamsitzung für mich,
aber sie war wichtig.
Ehrlich gesagt, habe ich danach erstmal Abendbrot gegessen, bin ins Bett gegangen und habe zwei Stunden geschlafen.
Jetzt bin ich wieder wach,
liege hier und schreibe meine Gedanken auf –
weil das Schreiben für mich immer noch der ehrlichste Ort ist.
Für mich wurde heute wieder einmal deutlich sichtbar und spürbar:
Realität und Politik passen hier nicht zusammen.
Und genau deshalb kämpfe ich weiter –
für Verständnis, für Lösungen und für echte Teilhabe.
– Ilka
