„Zwischen Grenze, Stille und Aufatmen.“

Tagesnotiz – Sonntag, 23. November 2025

Heute war kein einfacher Tag – aber ein wichtiger.

Es tut mir ein bisschen leid, dass ich in den letzten Tagen nicht regelmäßig schreiben konnte… aber manchmal fordert das Leben mich innerlich und äußerlich so sehr heraus, dass ich erst einmal still werden muss.

In den letzten Stunden musste ich sehr klare Grenzen setzen, obwohl ich innerlich unglaublich aufgewühlt war.
Ich war verletzt – und gleichzeitig musste ich ruhig bleiben.
Es war schwer… aber es war richtig.

Am Ende löste sich eine unangenehme Situation fast von selbst. Nicht, weil sie einfach war – sondern weil ich äußere Ruhe bewahrt habe, obwohl in mir alles laut war.

Später bin ich einfach losgefahren und habe verzweifelt versucht, eine geöffnete Poststelle zu finden – um einen Brief wegzubringen, der für mich das Thema abschließen sollte.

Natürlich war alles geschlossen.
Aber die Fahrt durch die Stadt… das Hin und Her, das Unterwegssein…
das hat meine Seele beruhigt.

Der Brief hat auf anderem Weg seinen Platz gefunden.
Und damit auch ein Stück Frieden in mir.

Manchmal weiß ich:
ich setze Grenzen viel zu spät, weil ich fair bleiben will
und weil ich Menschen nicht verletzen will…
auch wenn ich selbst verletzt wurde.

Doch heute habe ich es geschafft.

Ich war äußerlich Profi – ruhig, strukturiert, erwachsen.
Innerlich war ich am Limit – aber ich bin drangeblieben.

Und ich bin stolz, dass ich diese Situation nicht ignoriert habe, sondern ihr die Stirn geboten habe.

Jetzt bin ich einfach nur erschöpft.
Aber auch erleichtert.

Und heute…
bin ich ein Stück gewachsen.
Über mich hinaus.

Jetzt liege ich im Bett und lasse los.

„Wenn Worte schneiden – und warum Selbstschutz so wichtig ist.“

Tagesnotiz – 21. November 2025

Die letzten Stunden – eigentlich die letzten zwei Tage – musste ich mich zurückziehen.
Ich war sehr getroffen. Von einer Situation. Von Worten. Von einer Wucht, die ich so nicht erwartet habe.

Ich musste wieder einmal eine Lektion lernen, die ich eigentlich schon kannte, aber die das Leben mir nun erneut vor die Füße gelegt hat:
Dass viele Menschen in der heutigen Zeit kaum noch wirklich respektvoll miteinander sprechen.
Dass sie oft ungefiltert reagieren, unreflektiert, impulsiv, ohne die Wirkung ihrer Worte zu verstehen.
Und wenn diese Worte dann treffen, dann treffen sie wie Messer – mitten hinein, in den Menschen, der gerade zufällig da ist.

Diesmal war ich es.
Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht.
Es war fast egal, was gesagt wurde – es wäre sowieso explodiert.
Und das hat mich verletzt… nicht das Thema selbst, nicht der Inhalt.
Sondern die Art, wie es passierte.
Diese Wucht.
Dieses Überrollen.
Dieses Nicht-Sehen.
Dieses Nicht-Wahrnehmen.

Ich stand da, bekam alles ab – und keiner merkte, wie sehr es mich innerlich traf.
Dass mich das einmal mehr daran erinnert hat, wie krank unsere Gesellschaft manchmal wirkt.
Wie wenig Raum für respektvollen Umgang bleibt.
Wie schnell Menschen andere zerreißen, ohne es zu merken.

Ja, es hat mir Angst gemacht.
Und ja, ich musste es verarbeiten – direkt, ehrlich und ohne Schönreden.

Aber eines weiß ich nun klarer denn je:
Ich werde noch mehr darauf achten, auf mich zu achten.
Darauf, wie ich spreche.
Wie ich reagiere.
Und vor allem: Mit wem ich spreche – und wem ich wie viel Raum in meinem Leben gebe.

Manchmal ist Selbstschutz kein Rückzug, sondern eine Entscheidung:
Eine Entscheidung für mich.
Für meine Grenzen.
Für mein Herz.

Und genau diese Entscheidung treffe ich jetzt.

Alles Liebe
Ilka

„Heute brauchte ich einfach mal Stille.“

Persönlicher Blogeintrag – 19. November 2025

Heute war einer dieser Tage, an denen mein Kopf einfach gesagt hat: Stopp. Heute nicht.
Und so habe ich wirklich fast den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht – mit alten Disney-Filmen, die mich seit meiner Kindheit begleiten. Irgendwie geben sie mir Wärme, wenn die Welt draußen gerade zu laut ist.

Nebenbei habe ich still und leise meine Büroarbeit gemacht – ein paar Dokumente sortiert, Kleinigkeiten erledigt, die keinen Lärm machen und keine große Energie brauchen. Nur kleine Schritte, die sich gut anfühlten.

Eigentlich wollte ich heute einfach nur die Welt ausschalten.
Einmal all die Stimmen leise drehen, die ständig meinen, wissen zu müssen, was ich tun oder lassen soll. All die Erwartungen, all die Unruhe – heute habe ich sie bewusst nicht an mich herangelassen.

Ich wollte nur Stille.
Atmen.
Für einen Moment einfach nur ich sein.

Und weißt du was?
Es hat gut getan.

Kleines Update


Die letzten Tage waren intensiv – im Kopf, im Herzen und organisatorisch.

In den vergangenen 10 Tagen ist unglaublich viel passiert, und ich möchte euch ein kleines Update geben:

✨ Demo & politischer Einsatz
Ich war am Abgeordnetenhaus, um für die Refinanzierung der Assistenzlöhne im Persönlichen Budget im Arbeitgebermodell einzustehen.
Es war bewegend, laut, klar – und absolut notwendig.

✨ Vereinsarbeit & Info-Event
Ich hatte mein Info-Event für AssistenzGestalten e.V.
Auch wenn nur wenige da waren, war der Abend sehr intensiv und wertvoll.
Qualität ist manchmal wichtiger als Quantität.

✨ Kontakt zu Abgeordneten
Ich habe mehrere Politiker:innen angeschrieben und sehr persönliche Nachrichten formuliert, um die Bedeutung des Themas deutlich zu machen – auch für mein eigenes Leben.

✨ GIBB GmbH
Bei der Fortbildung zum Thema Diskriminierung in Werkstätten ist etwas sehr Schönes entstanden:
Mir wurde kostenlose Raumnutzung sowie eine künftige Zusammenarbeit angeboten.
Wir verabreden uns im Januar, um weiterzuplanen.
Das stärkt unsere gemeinsamen Forderungen enorm.

✨ Barrierefreiheit & Kultur
Bald gibt es ein Zoom-Meeting zum Thema Barrierefreiheit in Museen.
Außerdem wird bald ein von mir verfasstes Gedicht veröffentlicht, was mich persönlich sehr bewegt.

✨ Satzung & Vereinsformalitäten
Clara und ich haben in den letzten Tagen viel gearbeitet, Strukturen sortiert und wichtige Formalien auf den Weg gebracht.
Jetzt gönne ich mir erstmal eine kleine Pause – die letzten Tage waren wirklich voll.

Danke an alle, die mich begleiten, unterstützen und mit mir zusammen diese Themen tragen.
Es ist viel, aber es ist wichtig.

Liebe Grüße
Ilka 

„Ein Tag für Ordnung im Außen – und ein kleines bisschen im Innen.“

 Persönlicher Blogeintrag – Tagesnotiz vom 18. November 2025

Heute war so ein Tag, an dem ich bewusst langsamer gemacht habe.
Ein Tag, an dem ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt habe, um all die Dinge abzuarbeiten, die sich in den letzten Tagen still angesammelt hatten. Dokumentationspflichten, Post, Schreibkram – nichts Spektakuläres, aber alles wichtig, damit mein Alltag nicht ins Chaos kippt.

Es tat gut, Punkt für Punkt abzuhaken.
Nicht laut, nicht sichtbar, aber wirksam.
Manchmal ist genau diese Art von stiller Produktivität die, die mir am meisten Leichtigkeit zurückgibt.

Zwischendurch habe ich ein wenig Netzwerkarbeit gemacht und Kontakte gepflegt, aber alles in einem ruhigen Tempo. Ich merkte heute sehr stark, dass ich ein bisschen Abstand zu Menschen brauche – nicht aus Ablehnung, sondern weil mein Kopf und mein Herz nach so vielen Gesprächen, Themen, Emotionen einfach mal Raum wollten.

Ich habe solche Tage manchmal:
Tage, an denen ich die Welt kurz ausschalte, mich zurückziehe, wenig rede, viel fühle und mich neu sortiere.
Vielleicht ist es ein Schutzmechanismus. Vielleicht ist es Selbstfürsorge. Wahrscheinlich beides.

Morgen mache ich genau so weiter – ein zweiter ruhiger Tag, bevor es wieder intensiver wird.
Ich glaube, es ist wichtig, das zuzulassen: Pausen, Rückzug, Stille.
Denn ohne diese Momente würde ich all das, was ich tue, gar nicht tragen können.

Jetzt liege ich hier, zufrieden und ein bisschen erleichtert.
Mein Kopf ist klarer, mein Herz ruhiger.
Und auch wenn es stille Tage waren – sie waren wichtig.

Alles Liebe,
Ilka 

„Zwischen Eindrücken, Müdigkeit & dem Bedürfnis nach Wärme“

Tagesnotiz – 17. November 2025

Gestern war ein Tag, der mich innerlich sehr bewegt hat – auf eine stille, nachdenkliche Weise.

Ich war auf einer Fortbildung bei der GIBB GmbH zum Thema Rassismus in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Ein wichtiges, schweres, aber absolut notwendiges Thema. Ich habe viel zugehört, viel gelernt – und noch mehr gefühlt. Solche Räume öffnen oft Türen zu Gedanken, die man vorher vielleicht nur geahnt hat… und ich bin dankbar, dass ich eingeladen wurde, weil es mir einmal mehr gezeigt hat, wie tief Diskriminierung in Strukturen verankert ist und wie wichtig Aufklärung und echte Veränderung sind.

Als ich am Abend nach Hause kam, war ich leer – aber nicht im negativen Sinne. Eher voll von Eindrücken, die noch sortiert werden wollen.
Ich habe nichts mehr gemacht. Keine Vereinsarbeit, kein Schreiben, kein Netzwerken.
Ich habe mich einfach nur in mein Bett zurückgezogen – müde, durchfroren, emotional.
Und das war okay. Manchmal braucht es genau das: Stille, Decke, Wärme.
Auch ich bin nur ein Mensch.

Heute geht es weiter – aber gestern musste ich einfach nur sein. 

Ein ruhiges Wochenende mit schwerem Kopf & einem wichtigen Termin“

Persönlicher Blogeintrag – 16. November 2025

Dieses Wochenende war ruhiger – nicht, weil es nichts zu tun gab, sondern weil ich so viel im Kopf hatte, dass ich bewusst versucht habe, einen Gang runterzuschalten.
Manchmal ist der größte Kraftakt nicht das Tun, sondern das Aushalten, Sortieren, Spüren.

Am Samstag war ich mit Freunden essen. Das tat gut – einfach mal kurz raus aus all dem Denken, rein ins Menschsein. Lachen. Reden. Atmen. Für ein paar Stunden war der Druck still.

Gestern habe ich mich weiter auf meine Teamsitzung vorbereitet. Es wird eine wichtige – vielleicht sogar wegweisende. Ich habe viel reflektiert, Strukturen sortiert, Worte durchdacht und versucht, mich innerlich zu sammeln. Denn ich weiß: Es geht um Klarheit. Und um mich.

Heute war ich dann auf einer Fortbildung zum Thema Rassismus in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen bei der Gibb GmbH. Eine Einladung, die mich berührt hat.
Ein schweres Thema – wichtig, notwendig, unbequem.
Es tat gut, zuzuhören, zu lernen, zu fühlen, wie tief strukturelle Probleme verwurzelt sind… und gleichzeitig zu spüren, dass es Menschen gibt, die bereit sind, nicht länger wegzuschauen.

Jetzt sitze ich hier und merke: Auch wenn ich scheinbar wenig „gemacht“ habe, war dieses Wochenende voller Prozess.
Voller Gedanken, Entscheidungen, innerer Sortierung.
Manchmal sieht man so etwas nicht von außen – aber innen bewegt es Berge.

Und das darf auch mal reichen. 

— Ilka

Warum ich mich einbringe – und warum sich im System der persönlichen Assistenz endlich etwas ändern muss.




von Ilka Hannig

Ich werde oft gefragt, warum ich mich so engagiere, warum ich so offen über mein Leben spreche und warum ich mich in Diskussionen begebe, die anstrengend, verletzend oder voller Missverständnisse sind. Die Antwort ist einfach: Weil zu viele Menschen über mein Leben in Schubladen denken und glauben, sie wüssten besser, was für mich gut ist – nur weil ich eine körperliche Einschränkung habe und auf persönliche Assistenz angewiesen bin. Und genau deshalb erhebe ich meine Stimme: Weil ich weiß, wie schnell Selbstbestimmung verloren gehen kann, wenn andere anfangen, über einen zu bestimmen.

Auf dem Papier ist vieles klar geregelt: In § 29 SGB IX steht, dass Menschen mit Behinderung Leistungen zur Teilhabe als „Persönliches Budget“ erhalten können, um ihr Leben selbstbestimmt zu organisieren. § 78 SGB IX beschreibt Assistenzleistungen als Unterstützung für ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Die UN-BRK Artikel 19 garantiert das Recht auf unabhängiges Leben, Assistenz und freie Wahl. Und das Bundesteilhabegesetz verspricht, Teilhabe zu stärken. Doch die Realität sieht anders aus. Ich lebe mit Persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell und damit trage ich jeden Tag enorme Verantwortung, aber ohne echte Arbeitgeberrechte. Ich muss Arbeitsverträge schreiben, Dienstpläne koordinieren, Abrechnungen machen, Personal finden, Konflikte lösen – und dennoch hängt jede meiner Entscheidungen am Ende vom Kostenträger ab. Welche Löhne gezahlt werden dürfen, welche Stunden bewilligt werden, welche Tätigkeiten erlaubt sind – all das legt nicht der Arbeitgeber fest, sondern die Behörde. Und diese Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, manchmal sogar von Bezirk zu Bezirk. Das verstehen viele nicht.

Das führt dazu, dass in Gesprächen und vor allem in sozialen Netzwerken extreme Spannungen auftreten. Heute erst habe ich wieder lange mit meiner Assistentin über einen Chat diskutiert, in dem Menschen mit heftigen Worten kommentierten: von „Sklavenarbeit“ bis „moderne Ausbeutung“. Dort wurde deutlich, wie wenig Verständnis viele für das Konzept der persönlichen Assistenz haben. Manche denken, Assistenz sei Betreuung – das ist sie nicht. Manche glauben, Assistentinnen würden Entscheidungen über das Leben der Assistenznehmer treffen – das tun sie nicht. Und andere denken, Assistenznehmerinnen hätten Macht über das gesamte Leben der Assistenten – auch das stimmt nicht. Assistenz heißt: Die Assistenzkraft ersetzt die körperlichen Tätigkeiten, die der behinderte Mensch selbst nicht ausführen kann. Punkt. Sie trifft keine Entscheidungen über das Leben des Assistenznehmers. Und der Assistenznehmer trifft keine Entscheidungen über das Privatleben der Assistenzkraft. Aber – und das ist wichtig – wer als Assistenzkraft arbeitet, muss verstehen, dass man am Arbeitsplatz ein Stück persönlichen Ausdrucks zurücknimmt. Nicht, weil man weniger wert ist, sondern weil der Beruf genau darauf basiert: auf Nähe, auf Vertrauen, auf Rollenverständnis, auf Professionalität. Wer diesen Job aus freien Stücken wählt, entscheidet sich bewusst dafür, im Dienst dem anderen Menschen den Rahmen zu geben, den er braucht, um selbstbestimmt leben zu können.

Was ich im heutigen Chat jedoch sah, war keine sachliche Diskussion. Es war Wut, Frust, Missverständnis, Respektlosigkeit. Und ich verstehe, warum das passiert: Das System ist nicht klar. Es gibt keine einheitlichen Berufsstandards, keine bundeseinheitlichen Löhne, keine Ausbildung, keine klare Struktur. Alles ist individuell geregelt, alles wird im Einzelfall entschieden. Assistenznehmerinnen müssen mit jeder Behörde neu kämpfen. Assistentinnen müssen Aufgaben erfüllen, die sie oft nicht verstehen, weil es ihnen niemand erklärt hat. Es fehlt ein gemeinsamer Rahmen. Und genau deshalb prallen Emotionen, Erfahrungen, Verletzungen und Erwartungen aufeinander – und nicht selten entladen sie sich ungerecht an Menschen, die selbst Opfer eines unübersichtlichen Systems sind.

Ich selbst wollte arbeiten, auch wenn ich eine Einschränkung habe. Ich wollte in den Teilerwerb, ich wollte mich selbstständig machen und eine Beratung für Menschen mit Behinderung aufbauen. Acht Jahre stand ich deswegen mit der Deutschen Rentenversicherung vor dem Sozialgericht. Acht Jahre kämpfen. Am Ende durfte ich nicht arbeiten. Und weil ich nicht arbeiten durfte, bekomme ich heute keine Rente. Ich lebe am Existenzminimum, mit Schulden, weil mir das System keinen Raum lässt, mein eigenes Geld zu verdienen. Ehrenamtlich darf ich so viel arbeiten, wie ich will – aber bezahlt nicht. Und trotz alldem lebe ich mit persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell und trage dadurch Verantwortung wie eine Arbeitgeberin – nur mit weniger Rechten, weniger Mitteln und mehr Einschränkungen. Genau deshalb kämpfe ich für das, was mir an Selbstbestimmung geblieben ist.

Die Situationen, wie ich sie heute in Chats sehe, erklären für mich klar, warum es so schwer ist, gute Assistentinnen und Assistenten zu finden: Es fehlt ein Berufsbild. Es fehlt Standardisierung. Es fehlt einheitliche Bezahlung. Es fehlt eine klare politische Linie. Vor allem aber fehlt Aufklärung – für beide Seiten. Wir brauchen dringend ein System, das Menschen nicht gegeneinander ausspielt. Ein System, das würdigen Respekt ermöglicht. Ein System, das erklärt, statt zu verwirren. Ein System, das stärkt, statt zu spalten.

Es ist keine Schuldfrage. Es ist eine Systemfrage. Und deshalb schreibe ich. Deshalb engagiere ich mich. Deshalb erhebe ich meine Stimme – für die, die leise sind, und für die, die nie erklären konnten, was dieses Leben wirklich bedeutet. Ich mache weiter. Nicht weil es leicht ist. Sondern weil es richtig ist.

Zwischen Klarheit, Verantwortung und einem leisen Kampf in mir.

Tagesnotiz – 13. November 2025

Heute war einer dieser Tage, an denen ich still gearbeitet habe – still im Außen, laut im Innen.
Ich habe meinen Kalender geöffnet und Punkt für Punkt abgearbeitet. Keine Ablenkung, kein Wegschieben, keine Ausreden. Einfach machen.
Und tatsächlich: Ich habe alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte.

Ein wichtiger Teil davon war natürlich auch der Verein.
Ich habe gemeinsam mit meinem Business-Team die überarbeitete Satzung final durchgesehen. Wir haben jeden Absatz geprüft, jede Formulierung abgewogen. Danach habe ich alles an das Notariat geschickt – zur rechtlichen Prüfung.
Ein großer Schritt.
Ein Zeichen: Es geht voran.
Es wird real.

Dann habe ich auch noch am Social-Media-Post für unser nächstes Info-Event am 8. Dezember gearbeitet. Schritt für Schritt werden wir sichtbarer, greifbarer, verbindender.
Das fühlt sich gut an.
Richtig gut.

Und doch war mein Inneres heute wie ein kleines Schlachtfeld.
Herz und Seele haben miteinander gerungen.
Ich stehe an einem Punkt, an dem ich eine klare Grenze setzen muss – für mich, für meine Sicherheit, für meine Versorgung.
Als Arbeitgeberin darf manches nicht mehr wackeln.
Da geht es um Verantwortung, Stabilität, Verlässlichkeit.

Aber als Mensch fühle ich.
Und das tat heute weh.

Diese Doppelrolle… sie fordert mich gerade sehr.
Ich musste bewusst meine privaten Emotionen hinten anstellen, um eine Entscheidung zu treffen, die notwendig ist – nicht leicht, aber notwendig.

Also habe ich tief durchgeatmet.
Bin in mich gegangen.
Und die Teamsitzung weiter vorbereitet, auch wenn ich weiß, dass sie herausfordernd wird.
Aber ich nehme diese Herausforderung an.
Wie immer.

Denn eines weiß ich:
Ich finde Lösungen.
Ich finde Wege.
Ich schaffe das.

Jetzt liege ich hier… ein bisschen erschöpft, aber auch stolz.
Weil ich heute still, aber stark war.

„Ein Tag, der mich bewegt hat – außen wie innen.“

Tagesnotiz – 12. November 2025

Heute war so viel los – nicht nur draußen in Berlin, sondern auch in mir. Ich bin schon heute Morgen mit dem Gefühl aufgestanden, dass ich Entscheidungen treffen muss, was mein Assistenzteam betrifft. Manche Dinge gehen einfach nicht, so wie sie gerade laufen. Wenn ich spüre, dass etwas meine Grenzen verletzt oder meine Lebensqualität beeinträchtigt, dann muss ich handeln. Es geht um mich, mein Leben, meine Selbstbestimmung. Und ich weiß: Ich werde in den nächsten Tagen einiges klarer regeln müssen.

Der Vormittag begann dann gleich mit etwas, das mich tief berührt hat.
Ich war bei der Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus – zusammen mit vielen anderen Menschen mit Behinderung, Assistent:innen, Unterstützer:innen und Verbündeten. Es war wichtig, dort zu sein. Wichtig, sichtbar zu sein. Wichtig, zu sagen:

„Wir sind hier. Selbstbestimmung ist kein Luxus. Assistenz ist kein Extra. Assistenz ist Leben.“

Die Energie dort war stark – kraftvoll, solidarisch, emotional. Und gleichzeitig wusste ich, wie viele Menschen gerne dabei gewesen wären, aber nicht konnten: weil die Assistenz ausgefallen ist, weil der Körper streikt, weil das System sie im Stich lässt. Für sie war ich heute mit dort. Für uns alle.

Am Abend ging es weiter mit meiner Info-Veranstaltung für den Verein.
Es waren nicht viele Menschen da – aber weißt du was? Das war völlig okay. Manchmal entsteht gerade in kleinen Gruppen der ehrlichste, klarste und tiefste Austausch. Genau so wie heute: Respekt, Offenheit, echte Gespräche, keine Rollen, keine Masken. Einfach Menschen, die dasselbe Thema bewegt.

Ich habe über die App gesprochen, über die Vision für AssistenzGestalten e.V., über unsere Petition, über Struktur, Rechte, Zukunft. Und gleichzeitig war Raum für Sorgen, für Fragen, für persönliche Geschichten.
Es hat mich berührt – wirklich berührt.

Und jetzt?
Jetzt liege ich hier in meinem Bett. Körper müde, Herz voll.
Vieles bewegt mich.
Vieles tut auch weh.
Aber vieles macht mich auch unglaublich dankbar.

Ich weiß wieder ein Stück mehr, warum ich das alles mache.
Warum ich schreibe.
Warum ich kämpfe.
Warum ich dranbleibe.

Weil es uns alle betrifft. Weil es mein Leben betrifft.
Und weil Veränderung nicht wartet, sondern gemacht wird.