von Ilka Hannig
Die persönliche Assistenz ist ein wesentlicher Bestandteil eines selbstbestimmten Lebens für Menschen mit Behinderungen. Während in Deutschland das persönliche Budget und die persönliche Assistenz bereits große Fortschritte ermöglicht haben, lohnt sich ein Blick ins Ausland, um neue Impulse zu gewinnen. Länder wie Schweden, Norwegen und die USA sind Vorreiter in der Umsetzung flexibler und individueller Assistenzmodelle.
In Schweden beispielsweise gibt es seit den 1990er Jahren das sogenannte „Persönliche Assistenzgesetz“ (LSS), das Menschen mit Behinderungen umfassende Unterstützung im Alltag ermöglicht. Die Assistenz ist dabei komplett bedarfsorientiert, und die Betroffenen haben ein hohes Maß an Eigenkontrolle über die Organisation und Durchführung der Assistenzleistungen. In Norwegen ist das Modell ähnlich: Die persönliche Assistenz wird hier als „Brukerstyrt personlig assistanse“ (BPA) bezeichnet und ist fest im Sozialsystem verankert. Beide Länder setzen stark auf Selbstbestimmung und flexible Einsatzmöglichkeiten der Assistenzkräfte.
In den USA gibt es das „Consumer-Directed Personal Assistance Program“ (CDPAP), das es den Assistenznehmern ermöglicht, ihre Assistenten selbst auszuwählen, anzustellen und zu schulen. Dies schafft nicht nur ein hohes Maß an Freiheit, sondern fördert auch das Vertrauen und die Kontinuität in der Betreuung.
Ein entscheidender Unterschied zu Deutschland ist die oft bessere finanzielle und rechtliche Absicherung der Assistenten, die in diesen Ländern oftmals durch Tarifverträge und klare gesetzliche Regelungen geschützt sind. Auch die Flexibilität bei der Abrechnung und Organisation der Assistenz ist höher, was gerade in Notfallsituationen entscheidend sein kann.
Hier setzt meine Idee der Notfall-Assistenz-App an. Ziel meiner App ist es, genau diese Lücken zu schließen und die persönliche Assistenz in Deutschland flexibler, schneller und effizienter zu gestalten. Besonders bei unvorhergesehenen Ausfällen von Assistenzkräften kann die App helfen, kurzfristig Ersatz zu finden und somit die Selbstbestimmung der Assistenznehmer zu gewährleisten. Zudem könnte die App langfristig dazu beitragen, den Beruf des persönlichen Assistenten attraktiver zu machen, indem sie bessere Vernetzungsmöglichkeiten und flexiblere Einsatzmöglichkeiten bietet.
Während die internationalen Modelle zeigen, wie Inklusion und Selbstbestimmung gelingen können, ist es wichtig, auch in Deutschland innovative Wege zu gehen. Meine App könnte dabei ein wichtiger Baustein sein, um die persönliche Assistenz hierzulande auf ein neues Niveau zu heben – mit einem klaren Fokus auf Inklusion, Teilhabe und gesellschaftliche Anerkennung.
