Persönliche Assistenz international – Was wir lernen können und wie meine Idee darin ihren Platz findet.

Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Als jemand, der selbst auf persönliche Assistenz angewiesen ist und täglich mit den Herausforderungen des Systems lebt, frage ich mich oft: Wie wird persönliche Assistenz eigentlich in anderen Ländern umgesetzt?
Und: Was können wir daraus für Deutschland lernen?

Ein Blick nach Schweden zeigt, was möglich ist. Dort regelt das LSS-Gesetz seit 1994 das Recht auf persönliche Assistenz. Ergänzt wird es durch das LASS-Gesetz, das die Finanzierung übernimmt. Die Menschen dort erhalten ein Budget, mit dem sie ihre Assistenz selbst organisieren können – klar, transparent und staatlich abgesichert. Ein echtes Vorbild für Selbstbestimmung.

In Österreich ist das Bild uneinheitlicher. Es gibt keinen bundesweiten Rechtsanspruch auf Assistenz im Alltag. Die Zuständigkeit liegt bei den Bundesländern, was zu massiven Unterschieden führt. Gleichzeitig existieren spannende Modellprojekte – etwa in Tirol – die zeigen, wie ein persönliches Budget auch dort funktionieren kann. Im Berufsleben hingegen gibt es durch das Behinderteneinstellungsgesetz bundesweite Fördermöglichkeiten.

In Deutschland haben wir mit dem Persönlichen Budget (§ 29 SGB IX) und dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) eigentlich gute gesetzliche Grundlagen. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 bei uns geltendes Recht ist, verpflichtet uns in Artikel 19 zur unabhängigen Lebensführung und zur freien Wahl der Assistenz. Doch in der Realität gibt es große Unterschiede – sogar von Stadt zu Stadt.

Bürokratie, Intransparenz, fehlende Schulung, fehlende Notfallstrukturen.
Das ist der Alltag vieler Assistenznehmer:innen – auch meiner.

Und genau da setzt meine Idee an:
Ich habe die Vision einer Notfall-Assistenz-App, die Menschen mit Assistenzbedarf im Ernstfall schnell und unkompliziert mit Ersatzkräften verbindet. Unterstützt werden soll das Ganze durch einen gemeinnützigen Verein, der Austausch, Supervision und Fortbildung für Assistenznehmer:innen und Assistent:innen schafft.

Warum das wichtig ist?
Weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen nur die halbe Miete sind. Was fehlt, ist die Struktur im Alltag, die das, was auf dem Papier gut klingt, wirklich lebbar macht.

Was wir lernen können:

Von Schweden: klare Ansprüche, einfache Budgets, Vertrauen in die Betroffenen.

Von Österreich: kreative Modellprojekte und Flexibilität, aber auch der Wert einheitlicher Lösungen.

Und von uns selbst: dass wir mutig genug sein müssen, neue Wege zu gehen – wie meine App und mein Verein.

Am Ende ist es doch so:
Wenn persönliche Assistenz gut funktioniert, profitiert die ganze Gesellschaft. Sie wird menschlicher, inklusiver und gerechter.

Ich bin überzeugt: Wir können besser. Und wir dürfen nicht stehen bleiben.
Ich bin losgegangen – mit Hoffnung, mit Mut, mit einer Idee.
Und ich freue mich über jeden, der ein Stück des Weges mitgeht.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

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Leise Schritte, laute Wirkung.

Heute war ein stiller Tag. Kein Tag mit vielen Telefonaten oder neuen Schlagzeilen. Aber ein Tag, der in mir Kraft hinterlassen hat – und Stolz.

Ich habe heute den Bericht zum Arbeitgebermodell fertiggeschrieben und an die AAPA weitergeleitet. Ein Schritt, der auf den ersten Blick vielleicht „einfach gemacht“ wirkt – aber für mich war er mehr. Es war, als hätte ich mich ein Stück weiter sichtbar gemacht. Als würde ich sagen: „Hier bin ich. Ich habe etwas zu sagen.“ Nicht nur für mich. Sondern auch für so viele andere, die oft das Gefühl haben, dass ihre Realität zwischen Anträgen, Bürokratie und Überforderung verloren geht.

Es war emotional. Still, aber eindrücklich.

Und dann kam das Feedback. Nachrichten, Kommentare, stille Zeichen auf Social Media. Menschen, die sagen: „Ja, genau so ist es auch bei mir.“ Oder: „Danke, dass du das sagst.“ Und ich merke: Diese Themen treffen. Sie zeigen auf, wie viel Ungleichgewicht es noch gibt – aber eben auch, wie viel Mut, wie viel Haltung, wie viel leiser Widerstand.

Zwischendurch habe ich weiter an der Struktur des Vereins gearbeitet, Notizen gesammelt, Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit aufgeschrieben. Kleine Bausteine – aber ich weiß: Sie gehören alle dazu.

Heute war ein Tag, an dem nicht viel passiert ist – und gleichzeitig so viel.

Ich spüre, wie ich wachse, auch in den stillen Momenten. Vielleicht gerade dann. Und ich gehe weiter. Schritt für Schritt. Nicht perfekt, nicht laut. Aber echt.

Alles Liebe,
Ilka

Bericht: Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell – zwischen Selbstbestimmung und struktureller ÜberforderungBericht: Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell – zwischen Selbstbestimmung und struktureller Überforderung.

Ein Beitrag zur Inklusion, Versorgungssicherheit und Gleichstellung
Ilka Hannig | Stand: März 2025

Ich bin Ilka Hannig, 46 Jahre alt, lebe mit körperlicher Behinderung und nutze seit vielen Jahren persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wertvoll dieses Modell ist – und wie herausfordernd. Die Idee zu meiner Notfall-Assistenz-App sowie zur Gründung eines Vereins entstand aus einer konkreten Versorgungslücke, die mich – wie viele andere – in echte Not gebracht hat. Menschen wie ich sind Arbeitgeber:innen – mit allen Pflichten. Aber ohne die strukturelle Unterstützung, die in der freien Wirtschaft selbstverständlich wäre.

Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtet Deutschland dazu, Menschen mit Behinderung die freie Wahl zu lassen, wie, wo und mit wem sie leben – und welche Unterstützungsform sie nutzen. Das Persönliche Budget (§ 29 SGB IX) ist eines der wichtigsten Instrumente zur Umsetzung dieses Rechts. Dabei wird häufig das sogenannte Arbeitgebermodell gewählt, bei dem die betroffene Person Assistenzkräfte selbst anstellt und damit die volle Verantwortung trägt – rechtlich und organisatorisch.

Die Vorteile liegen auf der Hand: größtmögliche Selbstbestimmung, bedarfsgerechte Assistenz, niedrigere Kosten für die Leistungsträger (da keine Verwaltungspauschalen wie bei Diensten anfallen). Doch trotz dieser Vorteile wird das Modell zunehmend unattraktiv – weil zentrale strukturelle Rahmenbedingungen fehlen.

Viele Arbeitgeber:innen mit Behinderung finden kein Personal mehr, da sie ihre Assistent:innen nur zum Mindestlohn beschäftigen können. Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit werden oft nicht refinanziert, obwohl Assistenzdienste diese erhalten. Es gibt keine gesetzliche Regelung, die tarifnahe Löhne im Arbeitgebermodell absichert. Schulungen, Supervision und Vertretungsregelungen sind nicht vorgesehen – obwohl diese in jeder anderen Führungsposition selbstverständlich wären. Das Arbeitgebermodell wird schleichend verdrängt, obwohl es kostengünstiger und inklusionsorientierter ist.

Christine Braunert-Rümenapf, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung in Berlin, äußerte am 20.03.2025:
„Viele sehen sich gezwungen, zu den ohnehin überlasteten Assistenzdiensten zu wechseln […] Das ist ein großer Rückschritt für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen.“
„Ich appelliere an den Senat, eine klare Regelung für die behinderten Arbeitgeber:innen zu treffen, damit sie ihre Assistent:innen gleichwertig nach Tarif bezahlen können.“

Diese Worte sprechen vielen Betroffenen aus der Seele – und sie zeigen den politischen Handlungsbedarf klar auf.

Was jetzt gebraucht wird, sind konkrete politische Maßnahmen:

  1. Gesetzlich verankerte Refinanzierung tarifnaher Löhne im Arbeitgebermodell
    → gleiche Bedingungen wie bei Diensten – auch bei Zuschlägen
  2. Schaffung von Unterstützungsstrukturen für Arbeitgeber:innen mit Behinderung
    → Schulungen, Supervision, rechtliche Begleitung, Notfalllösungen
  3. Politische Klarheit & geregelte Zuständigkeit zwischen Ländern, Kommunen und Trägern
    → einheitliche Standards & transparente Verfahren
  4. Aufwertung des Berufsbildes „Persönliche Assistenz“
    → gesellschaftliche Anerkennung, Qualifizierung und bessere Rahmenbedingungen
  5. Unterstützung innovativer Projekte & Plattformen
    → z. B. digitale Lösungen wie meine Notfall-Assistenz-App und der geplante Verein für Beratung, Vermittlung und politische Aufklärung

Mein persönliches Statement:
„Ich will keine Sonderrolle – ich will faire Bedingungen. Ich übernehme Verantwortung als Arbeitgeberin, dann muss mir auch Verantwortung entgegengebracht werden.“
„Assistenz ist kein Luxus, sondern Teilhabesicherung. Wenn das System Menschen in die Überforderung drängt, dann ist nicht die Behinderung das Problem – sondern die Struktur.

Ein Versuch mit Herz – warum ich diesen Weg. gehe

Hallo.

Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Mir ist bewusst, dass meine Idee – eine Notfall-Assistenz-App zu entwickeln und parallel einen Verein zu gründen – ein Versuch ist. Und wie bei jedem Versuch kann es auch scheitern. Aber irgendetwas in meinem Herzen und in meiner Seele sagt mir: Es ist ein guter Weg. Und vielleicht gelingt er auch.

Ich schreibe das heute so offen, weil ich weiß, dass es auch Menschen gibt, die meine Idee kritisch sehen. Die sagen: „Das funktioniert doch eh nicht“, oder: „Warum fängst du sowas überhaupt an?“ Solche Stimmen gibt es immer – und sie dürfen auch sein. Kritik ist wichtig. Denn daraus kann man lernen, wachsen, sich weiterentwickeln.

Was ich diesen Menschen aber sagen möchte: Ja, es ist ein Versuch. Aber es ist auch eine Chance. Eine, die ich jetzt einfach nutze. Weil ich daran glaube, dass etwas Neues entstehen kann. Und ganz ehrlich: Ich persönlich habe nichts zu verlieren.

Ich bin materiell gesehen an einem Punkt, an dem viele aufgeben würden. Aber genau deshalb kann ich nur gewinnen, wenn meine Idee funktioniert. Denn dann habe nicht nur ich etwas gewonnen, sondern die Gesellschaft als Ganzes – ein neues Verständnis von Inklusion, ein praktisches Hilfsmittel für den Assistenzalltag, mehr Sichtbarkeit für ein Thema, das oft übersehen wird.

Und eines ist mir schon gelungen – Menschen reden wieder über persönliche Assistenz und Inklusion. Es wird diskutiert, gefragt, nachgedacht. Und allein das ist doch schon ein Erfolg, oder?

Dass ich mit meinen Ideen wieder einmal gegen den Strom schwimme, dass über mich gesprochen wird – das bin ich gewohnt. Ich war schon immer „anders“. Ich gehe eben meine eigenen Wege. Und ich gehe sie mit Sonne im Herzen und Hoffnung im Blick.

Denn aufgeben war nie eine Option. Und solange ich noch Kraft habe, setze ich sie ein für das, woran ich glaube.
Vielleicht klappt es. Vielleicht nicht.
Aber wichtig ist: Ich bin losgegangen.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

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Wenn sich Wege verbinden – und zwischendurch das Leben ruft.

Heute war ein Tag, der auf besondere Weise beides verbunden hat: Fortschritt im Projekt und Zeit für mich selbst.

Vormittags war ich voll drin – in Mails, Netzwerken, Austausch. Über LinkedIn habe ich wieder neue Kontakte geknüpft, darunter Menschen, die echtes Interesse an meiner App und meiner Geschichte zeigen. Besonders berührt hat mich die Nachricht von Stephan Jacobs, der meine Idee aktiv unterstützen möchte. Solche Begegnungen geben mir Kraft – weil sie zeigen, dass das, was ich tue, bei Menschen ankommt.

Auch eine weitere Rückmeldung aus der Berliner Senatsverwaltung, diesmal vom Büro der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen, hat mich erreicht. Zwar gibt es keine direkte Fördermöglichkeit – aber es war ein offenes, freundliches Schreiben mit wertvollen Hinweisen zu Stellen wie Social Impact oder Enterability. Ich habe sofort geantwortet und mich bedankt – weil allein dieser Dialog zählt. Es bedeutet mir viel, dass Kommunikation auf Augenhöhe möglich ist.

Und dann hatte ich ein richtig schönes Gespräch mit meinem Business-Team. Gemeinsam haben wir den Namen für den Verein festgelegt – das war ein Gänsehautmoment. Ein Name gibt dem Ganzen noch mehr Seele. Auch zur Website haben wir erste konkrete Ideen gesammelt. Ich merke, wie sich die einzelnen Teile anfangen zu verbinden. Es wird real.

Und nach all dem? Habe ich mir bewusst etwas gegönnt: Ich war am Alexanderplatz unterwegs, einfach mitten in Berlin, und danach endlich mal wieder im Kino – eine meiner Leidenschaften. Der Film „Conclave“ hat mich total mitgenommen. Ruhig, tief, klug erzählt. Und genau das war heute richtig: Raum für mich, für Geschichten, fürs Atmen.

Mein Fazit für heute?
Manchmal fügen sich Gedanken, Begegnungen und Augenblicke fast von selbst zusammen. Es war kein lauter Tag – aber einer, der mich bewegt hat. Und ich gehe weiter. Mit offenem Herzen, festen Schritten und dem Wissen, dass sich gerade vieles richtig anfühlt.

Alles Liebe,
Ilka

Ich glaube an das, was ich tue – und das macht den Unterschied.



Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Manchmal halte ich kurz inne und bin selbst überrascht, was ich gerade alles bewege. Nicht, weil es mir immer leichtfällt. Sondern weil ich es tue – weil ich an das glaube, was ich mache.

Ich war nie jemand, der still bleibt, wenn etwas nicht passt. Ich habe immer hinterfragt, bin oft aufgestanden, wo andere sitzen geblieben sind. Und ja, genau deshalb wurde ich in meinem Leben schon oft als Quirulantin bezeichnet.

Ich wurde in Schubladen gesteckt, weil ich mit meiner körperlichen Einschränkung angeblich „zu normal“ war. Ich hatte klare Vorstellungen, hatte Ansprüche – nicht höher als andere, aber eben nicht niedriger nur weil ich im Rollstuhl sitze.

Für viele war das unbequem. Ich war nicht die, die sich leise einfügt. Ich war oft „anders, als man es erwartet hätte“. Aber genau das war und ist meine Stärke.

Ich denke schon immer so:
Ich habe vier Räder unter dem Hintern – ja und?
Das ist kein Hindernis. Es ist eine Herausforderung. Und Herausforderungen sind da, um sie anzunehmen.

Hinter jeder Einschränkung steckt auch eine besondere Gabe.
Man muss nur den Mut haben, hinzuschauen – bei sich selbst und bei anderen.

Ich bewege mich weiter, mit Haltung, mit Ideen, mit dem Willen zur Veränderung. Nicht, weil ich beweisen muss, dass ich es kann.
Sondern weil ich weiß, dass es Sinn macht.

Und weil ich daran glaube, dass Barrieren nicht nur aus Beton sind – sondern oft in Köpfen beginnen. Und genau dort will ich sie abbauen.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

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Ein Tag, der nachklingt.

Hallo,
Heute war kein lauter Tag – aber einer, der in mir nachklingt. Einer, der zeigt, dass manchmal gerade die leisen Schritte besonders viel bedeuten.

Ich habe heute die offizielle Einladung der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung und Antidiskriminierung bekommen – für ein Gespräch über mein Projekt, die Notfall-Assistenz-App. Der Termin wurde auf Mai verschoben, und der Grund hat mich wirklich berührt: Mehr Menschen möchten dabei sein.

Das zeigt mir, dass mein Thema nicht untergeht – sondern dass es gesehen, gehört und ernst genommen wird. Und ehrlich? Das macht was mit mir. Es gibt mir das Gefühl, dass sich mein Weg lohnt.

Nebenbei habe ich auch wieder einige E-Mails verschickt – Kontakte gepflegt, neue gesucht, mein Projekt sichtbar gemacht. Und ja, nicht jede Nachricht bringt sofort eine Antwort. Aber jede einzelne ist ein Schritt. Ein Zeichen dafür, dass ich dranbleibe. Dass ich nicht aufgebe.

Ein besonders schöner Moment heute: Ich wurde eingeladen, ein Buch zu lesen, das noch gar nicht veröffentlicht ist. Es beschäftigt sich mit genau den Themen, die auch mich so sehr berühren – Teilhabe, Inklusion, Mut. Ich darf Testleserin sein. Und das fühlt sich an wie ein stilles Geschenk. Jemand lässt mich in seine Gedankenwelt – und das ist für mich etwas ganz Besonderes.

Heute war ein stiller, bedeutungsvoller Tag. Einer, der mir nochmal gezeigt hat, wie sich aus vielen kleinen Dingen etwas Großes formen kann. Und dass es sich lohnt, mit offenem Herzen und klarem Ziel weiterzugehen – Schritt für Schritt.

Alles Liebe,
Ilka

Die unsichtbaren Herausforderungen im Arbeitgebermodell – Ein persönlicher Einblick.

von Ilka Hannig

Arbeitgeber:in zu sein klingt im ersten Moment nach Verantwortung, Organisation, Führung. Was viele dabei nicht sehen – vor allem nicht im Kontext persönlicher Assistenz – ist die Komplexität, die diese Rolle mit sich bringt, wenn man selbst Assistenz benötigt.

Denn in dieser Rolle trifft man auf einen echten Drahtseilakt: Ich bin die Person, die auf Unterstützung angewiesen ist – und gleichzeitig diejenige, die sagen muss, was, wie und warum zu geschehen hat. Das ist nicht immer leicht. Es erfordert mentale Stabilität, Klarheit, eine gefestigte innere Haltung – und das Tag für Tag.

Noch komplexer wird es, weil persönliche Assistenz eine sehr individuelle und intime Form der Zusammenarbeit ist. Die Assistent:innen arbeiten in meinem privaten Umfeld, in meinem Rückzugsort – meiner Wohnung. Sie bringen ihre eigene Geschichte mit, ihre eigenen Werte, Prägungen, Vorstellungen. Und das sieht man im ersten Bewerbungsgespräch nicht. Niemand kann das. Man entscheidet oft nach Bauchgefühl, nach einem kurzen Eindruck – weil man eben kein Personalprofi oder Psychologe ist.

Was dann passiert, ist ein gemeinsames Hineinwachsen. Ich werde zur Profi-Arbeitgeberin, sie zur Profi-Assistent:in. Aber das heißt nicht, dass wir beide gleich viel wissen oder fühlen. Es braucht Respekt, Augenhöhe, Geduld – und ein gemeinsames Verständnis von Rollen.

Leider ist das nicht selbstverständlich. Viele Assistent:innen wissen zu Beginn gar nicht, was persönliche Assistenz wirklich bedeutet. Dass sie nicht dazu da sind, Entscheidungen zu treffen oder Abläufe zu verändern, „weil es bei ihnen zu Hause besser läuft“. Dass sie nicht dafür da sind, die Kontrolle zu übernehmen, sondern vielmehr, die Handlungen eines anderen Menschen auszuführen – so wie dieser es möchte.

Und wenn das nicht klappt, beginnt oft ein sehr belastender Kreislauf: Als Assistenznehmer:in überlegt man sich gut, ob man eine Person kündigt – weil der Arbeitsmarkt eng ist. Abmahnungen? Schwierig. Viele reagieren mit Krankmeldungen oder Rückzug. Und leider nutzen einige die Situation aus. Denn sie wissen: Die Person, die auf Assistenz angewiesen ist, ist oft auch abhängig – emotional, organisatorisch, existenziell.

Diese Abhängigkeitsverhältnisse sind sensibel. Und sie sind kaum geschützt. Oft findet die Manipulation nicht laut statt – sondern leise. Hintergründig. Und doch spürbar.

Und dann ist da noch der Punkt, der oft vergessen wird: Assistenz heißt nicht, dass man mitdenkt. Es heißt nicht, dass man entscheidet, bewertet, verändert. Es heißt: begleiten, umsetzen, unterstützen – auf Wunsch, nach Anweisung, mit Zurückhaltung.

Assistent:innen sind nicht der Kopf – sie sind die Arme und Beine.
Diese einfache Wahrheit wird leider viel zu oft missverstanden – oder nie erklärt.

In all dem steckt enormes Potenzial für Konflikte, Missverständnisse und Verletzungen. Und genau deshalb bräuchte es dringend:

mehrmonatige Schulungen für alle, die ins Arbeitgebermodell einsteigen

Begleitung und Supervision

Plattformen für Austausch, Weiterbildung und Krisenintervention

Denn persönliche Assistenz ist nicht einfach nur ein Job. Sie ist ein Vertrauensverhältnis. Eine Schnittstelle zwischen Nähe und Verantwortung. Zwischen Professionalität und Menschlichkeit.

Und ich wünsche mir, dass genau das mehr gesehen, gehört und unterstützt wird. Denn wer in dieser Rolle lebt – so wie ich – trägt mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

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Wenn Austausch Mut macht.



Heute war ein besonderer Tag. Kein Tag voller Planung oder Strategie – sondern einer, der mich emotional berührt hat. Auf Facebook fand ein offener, ehrlicher Austausch statt, wie ich ihn mir öfter wünschen würde. Es ging um das persönliche Budget, das Arbeitgebermodell und all die Widersprüche, mit denen viele von uns tagtäglich kämpfen.

Was mich tief bewegt hat, war die Offenheit. Menschen haben ihre Erfahrungen geteilt – ehrlich, roh, ungefiltert. Über den Umgang mit Kostenträgern, über fehlende Unterstützung, über das Gefühl, mit all der Verantwortung, die das Arbeitgebermodell mit sich bringt, oft allein zu sein.

Ich habe heute wieder gespürt, wie groß der Bedarf ist. Nicht nur nach Strukturen oder technischen Lösungen – sondern nach Zuhören, nach Gesehenwerden, nach Austausch auf Augenhöhe.

Genau dafür soll auch mein Projekt stehen. Nicht nur für eine App. Sondern für einen Ort, an dem echte Gespräche stattfinden, an dem Menschen mitreden dürfen – und sich nicht länger erklären oder rechtfertigen müssen.

Dieser Tag hat mir Mut gemacht. Er hat mich daran erinnert, warum ich all das tue. Warum ich jeden Tag weitergehe, auch wenn es manchmal schwer ist.

Denn manchmal reicht ein Gespräch, ein ehrlicher Moment, um etwas in Bewegung zu bringen. Und vielleicht war heute so ein Moment.

Alles Liebe,
Ilka

Persönliche Assistenz – gehört sie in die Wirtschaft?


Ein Gedanke von Ilka Hannig

Ich bin kein Profi in Wirtschaft oder Politik – ich bin einfach jemand, der mit persönlicher Assistenz lebt. Und trotzdem frage ich mich seit einiger Zeit: Wäre es nicht sinnvoll, die persönliche Assistenz stärker an die Wirtschaft anzugliedern?

Vielleicht würde sie dann besser finanziert werden. Vielleicht gäbe es dann klarere Strukturen, mehr Flexibilität und gezieltere Förderung. Ich meine, ich bin nur ein Laie – aber würde das nicht das ganze System durchlässiger und vielleicht auch zukunftsfähiger machen?

Derzeit ist persönliche Assistenz rechtlich im Sozialrecht verankert – besonders im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX), das die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen regelt. Dort ist auch das Persönliche Budget (§ 29 SGB IX) verankert, mit dem Menschen mit Behinderungen ihre Assistenzleistungen selbstbestimmt organisieren können.

Seit 2008 gibt es einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget, was eine große Errungenschaft war. Auch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) verfolgt den Ansatz, die Eingliederungshilfe neu auszurichten – personenzentriert, sozialraumorientiert, im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. Das klingt auf dem Papier sehr gut – und ist es im Kern auch.

Aber in der Praxis fehlt oft der nächste Schritt: die echte strukturelle und wirtschaftliche Absicherung. Fortbildungen? Supervision? Digitale Innovationen? Häufig nicht im Budget vorgesehen – oder nicht förderfähig.

Doch wenn persönliche Assistenz als gesellschaftlich relevante Dienstleistung mit wirtschaftlichem Denken mitgedacht würde – nicht gewinnorientiert, sondern professionell und förderfähig –, könnte man genau diese Lücken schließen.

Ich glaube, das würde vieles verändern:
Assistenzkräfte könnten bessere Einstiegsmöglichkeiten bekommen, Schulungen, Standards, mehr Anerkennung.
Assistenznehmer:innen hätten vielleicht endlich Ansprechpartner, Unterstützung bei Führungsfragen, rechtliche Hilfestellung.
Und das System könnte sich weiterentwickeln – mit digitalen Tools, flexiblen Modellen, innovativen Ansätzen.

Vor allem aber würde sich die Sichtweise auf uns, die mit Assistenz leben, verändern. Weg vom Bild der „Leistungsempfängerin“ – hin zur Arbeitgeberin, Gestalterin, Teil der Gesellschaft.

Vielleicht ist es an der Zeit, all das nicht nur sozialrechtlich, sondern auch wirtschaftlich neu zu denken – im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des Grundgesetzes. Denn Artikel 3 des Grundgesetzes sagt ganz klar: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Und doch wird vielen von uns durch strukturelle Barrieren die echte Teilhabe verwehrt.

Ich weiß nicht, ob das alles so umsetzbar wäre. Aber ich finde, der Gedanke ist es wert, laut gedacht zu werden.
Ich will nicht nur verwaltet werden – ich will mitgestalten.

Wenn du Gedanken, Ideen oder Erfahrungen dazu hast – ich freue mich über Austausch:
Ilka_Hannig@web.de

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