Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig
Als jemand, der selbst auf persönliche Assistenz angewiesen ist und täglich mit den Herausforderungen des Systems lebt, frage ich mich oft: Wie wird persönliche Assistenz eigentlich in anderen Ländern umgesetzt?
Und: Was können wir daraus für Deutschland lernen?
Ein Blick nach Schweden zeigt, was möglich ist. Dort regelt das LSS-Gesetz seit 1994 das Recht auf persönliche Assistenz. Ergänzt wird es durch das LASS-Gesetz, das die Finanzierung übernimmt. Die Menschen dort erhalten ein Budget, mit dem sie ihre Assistenz selbst organisieren können – klar, transparent und staatlich abgesichert. Ein echtes Vorbild für Selbstbestimmung.
In Österreich ist das Bild uneinheitlicher. Es gibt keinen bundesweiten Rechtsanspruch auf Assistenz im Alltag. Die Zuständigkeit liegt bei den Bundesländern, was zu massiven Unterschieden führt. Gleichzeitig existieren spannende Modellprojekte – etwa in Tirol – die zeigen, wie ein persönliches Budget auch dort funktionieren kann. Im Berufsleben hingegen gibt es durch das Behinderteneinstellungsgesetz bundesweite Fördermöglichkeiten.
In Deutschland haben wir mit dem Persönlichen Budget (§ 29 SGB IX) und dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) eigentlich gute gesetzliche Grundlagen. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 bei uns geltendes Recht ist, verpflichtet uns in Artikel 19 zur unabhängigen Lebensführung und zur freien Wahl der Assistenz. Doch in der Realität gibt es große Unterschiede – sogar von Stadt zu Stadt.
Bürokratie, Intransparenz, fehlende Schulung, fehlende Notfallstrukturen.
Das ist der Alltag vieler Assistenznehmer:innen – auch meiner.
Und genau da setzt meine Idee an:
Ich habe die Vision einer Notfall-Assistenz-App, die Menschen mit Assistenzbedarf im Ernstfall schnell und unkompliziert mit Ersatzkräften verbindet. Unterstützt werden soll das Ganze durch einen gemeinnützigen Verein, der Austausch, Supervision und Fortbildung für Assistenznehmer:innen und Assistent:innen schafft.
Warum das wichtig ist?
Weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen nur die halbe Miete sind. Was fehlt, ist die Struktur im Alltag, die das, was auf dem Papier gut klingt, wirklich lebbar macht.
Was wir lernen können:
Von Schweden: klare Ansprüche, einfache Budgets, Vertrauen in die Betroffenen.
Von Österreich: kreative Modellprojekte und Flexibilität, aber auch der Wert einheitlicher Lösungen.
Und von uns selbst: dass wir mutig genug sein müssen, neue Wege zu gehen – wie meine App und mein Verein.
Am Ende ist es doch so:
Wenn persönliche Assistenz gut funktioniert, profitiert die ganze Gesellschaft. Sie wird menschlicher, inklusiver und gerechter.
Ich bin überzeugt: Wir können besser. Und wir dürfen nicht stehen bleiben.
Ich bin losgegangen – mit Hoffnung, mit Mut, mit einer Idee.
Und ich freue mich über jeden, der ein Stück des Weges mitgeht.
Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de
#Inklusion #PersönlicheAssistenz #SelbstbestimmtLeben #AssistenzApp #Vereinsgründung #Teilhabe #UNBRK #BTHG #SGBIX #Barrierefreiheit #InternationalerVergleich #Pflege #Innovation
