Tränen. Mut. Und trotzdem weiter.

1. April 2025 – und nein, das hier ist kein Scherz.
Ich schreibe diesen Blogeintrag viel später als sonst – weil der Tag gestern einfach war, wie er war: echt, laut, leise, überfordernd und gleichzeitig ein Stück weiter.

Ich habe gestern für die Homepage meines zukünftigen Vereins und für die dazugehörige Crowdfunding-Seite Videos gedreht. Es hat gedauert, es hat Kraft gekostet, es war aufregend – aber es war wichtig. Wenn alles gut läuft, geht am Donnerstagmittag alles online. Dann ist es da. Sichtbar. Greifbar.

Aber irgendwann am Abend hat’s mich überrollt.
Ich musste die Jahresabrechnung für mein persönliches Budget abschließen – und das heißt auch: alles offenlegen. Jeden Cent, jeden Nachweis, alles, was ich habe – oder eben nicht habe.

Und da war er plötzlich, dieser Moment, den ich schon kannte, aber lange verdrängt hatte:
Traurigkeit. Wut. Ohnmacht.
Weil ich wieder daran erinnert wurde, wie unfassbar eng dieses System ist. Wie sehr diese Gesetze für behinderte Menschen mich kleinhalten, kontrollieren, einschränken.
Wie ich rechtlich arbeiten dürfte – aber praktisch nie auf eigenen Beinen stehen kann, ohne gleich Angst haben zu müssen, meine Grundsicherung zu verlieren.

Und das ist so bitter, weil ich weiß, was ich kann. Was ich gelernt habe. Was ich aufgebaut habe.
Ich habe so viel investiert – an Zeit, an Kraft, an Willen.
Und trotzdem sagt dieses System mir immer wieder: „Schön, dass du was kannst. Aber mach bitte nichts draus.“

Ich habe gestern geweint. Laut. Tief. Lange. Und ich habe es zugelassen.

Aber ich habe auch gespürt:
Genau deshalb mache ich weiter.
Deshalb baue ich die App.
Deshalb gründe ich den Verein.
Deshalb gehe ich meinen Weg – nicht obwohl, sondern weil es so schwer ist.

Ich will, dass sich was bewegt. Und wenn ich dafür den ersten Schritt mache, dann mach ich ihn.
Auch mit Tränen. Auch mit Wut. Auch spät nachts.

Denn mein Weg ist nicht nur meiner.
Und er ist noch lange nicht zu Ende.

Alles Liebe,
Ilka

.Wenn die Politik unsere Selbstbestimmung untergräbt – warum wir jetzt laut werden müssen

Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Ich schreibe diesen Text nicht aus Wut, sondern aus Enttäuschung. Und aus Verantwortung. Denn was gerade in Berlin geschieht, betrifft nicht nur mich – es betrifft eine ganze Gruppe von Menschen, die tagtäglich für ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben kämpfen.

Ich bin Ilka Hannig, lebe mit körperlicher Behinderung, bin voll erwerbsgemindert und organisiere mein Leben seit vielen Jahren mit persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich stelle meine Assistent:innen selbst ein, mache Dienstpläne, führe Gespräche, rechne Löhne ab. Ich bin Arbeitgeberin – mit Herz, mit Verantwortung, mit Engagement.

Aber statt Unterstützung erfahre ich Widerstand.
Statt fairer Bedingungen begegnet mir Misstrauen.
Statt Anerkennung gibt es Bürokratie, Stigmatisierung und systematische Benachteiligung.

Das Arbeitgebermodell wird in Berlin gerade aktiv geschwächt.
Menschen wie ich sollen Assistent:innen beschäftigen, aber nicht tariflich bezahlen dürfen. Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Feiertagsarbeit werden oft nicht refinanziert – obwohl Pflegedienste genau dafür Mittel bekommen. Dabei sind es genau wir, die flexibel, nah und individuell versorgen – und das zu geringeren Kosten als Dienste.

Was hier passiert, ist mehr als ein Streit um Tarife.
Es ist eine politische Entscheidung, Menschen mit Behinderung in die Abhängigkeit zurückzudrängen.

Und deshalb braucht es jetzt unsere Stimmen.
Am Mittwoch, den 10. April von 10 bis 13 Uhr findet vor der Senatsverwaltung in der Luckenwalder Straße 4–6 ein Protest statt. Für faire Bedingungen. Für Selbstbestimmung. Für Menschenrechte.

Wir von AssistenzGestalten e.V. stehen an der Seite all jener, die im Arbeitgebermodell leben – oder leben möchten. Unser Verein will Räume schaffen: für Austausch, für politische Sichtbarkeit, für praktische Unterstützung. Wir glauben an das Recht, über das eigene Leben zu bestimmen – unabhängig von körperlichen Voraussetzungen.

Ich will keine Sonderregelungen. Ich will Gerechtigkeit.
Ich will arbeiten dürfen – und nicht nur verwaltet werden.
Ich will, dass persönliche Assistenz als das anerkannt wird, was sie ist:
Ein tragendes Element echter Inklusion.

Wenn du das auch willst, dann komm mit uns auf die Straße.
Oder teile diese Nachricht. Denn wer heute schweigt, trägt morgen die Konsequenzen.

Ilka Hannig
Gründungsmitglied | AssistenzGestalten e.V.
info@assistenzgestalten.de

#AssistenzGestalten #Protest #Arbeitgebermodell #Berlin #Tarifgerechtigkeit #SelbstbestimmtLeben #InklusionJetzt #Barrierefreiheit #Pflege #Behindertenpolitik #UNBRK #Menschenrechte

Bericht: Warum ich AssistenzGestalten e.V. gründe – und wie die App ein Teil des Ganzen ist.


von Ilka Hannig

In den letzten Wochen habe ich viel über meine App-Idee gesprochen – die Notfall-Assistenz-App. Sie war der erste Impuls, aus dem sich etwas viel Größeres entwickelt hat: die Idee, eine Plattform und einen Verein zu gründen, um persönliche Assistenz im sogenannten Arbeitgebermodell neu zu denken und besser zu gestalten.

Diese App ist ein wichtiger Teil meines Vorhabens – sie wird später ein zentrales Werkzeug innerhalb der Plattform sein. Doch sie ist nicht das ganze Projekt. Mein Ziel ist ein ganzheitlicher Ansatz, der digitale Unterstützung, gesellschaftliche Sichtbarkeit, politische Arbeit und konkrete Hilfestellung miteinander verbindet. Die App soll akute Notlagen abfedern – doch es braucht auch Räume für Austausch, Wissen, Strukturen und gemeinsame Interessenvertretung. Deshalb gründe ich AssistenzGestalten e.V.

Für alle, die meine App-Idee noch nicht kennen: Die Notfall-Assistenz-App soll Menschen mit Assistenzbedarf und persönliche Assistent:innen schnell, flexibel und situationsbezogen miteinander vernetzen. Im Mittelpunkt steht die kurzfristige Vermittlung bei Ausfällen – also dann, wenn eine Assistenzkraft plötzlich verhindert ist und schnell Ersatz benötigt wird. Darüber hinaus sind Funktionen wie Dienstplanung, interne Kommunikation, digitale Vertretungsregelungen und perspektivisch auch Abrechnungstools geplant – natürlich barrierefrei und datenschutzkonform.

Ich heiße Ilka Hannig, bin 46 Jahre alt, lebe mit einer körperlichen Behinderung, bin voll erwerbsgemindert und beziehe Grundsicherung. Seit vielen Jahren lebe ich mit persönlicher Assistenz – und zwar im Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich stelle meine Assistent:innen selbst ein, mache Dienstpläne, rechne Löhne ab, schreibe Verträge, kümmere mich um alles. Ich bin Arbeitgeberin – mit Verantwortung, aber ohne die Unterstützung, die andere Arbeitgeber:innen selbstverständlich in Anspruch nehmen können.

Persönliche Assistenz heißt für mich: Ich brauche Hilfe bei allem, was den Alltag betrifft – beim Aufstehen, bei der Körperpflege, beim Essen, beim Rausgehen, bei der Organisation meiner Arbeit, bei Behördengängen. Dieses Modell gibt mir Selbstbestimmung – aber es fordert auch sehr viel. Es gibt keine zentrale Anlaufstelle, die mich auffängt, wenn es kompliziert wird. Kein digitales System, das mir Organisation abnimmt. Keine politische Lobby, die für mich spricht.

Deshalb ist es mir so wichtig, AssistenzGestalten e.V. ins Leben zu rufen. Der Verein soll Menschen mit Assistenzbedarf, persönliche Assistent:innen, Angehörige und politische Akteur:innen zusammenbringen. Wir wollen Wissen teilen, Schulungen anbieten, Musterverträge, Checklisten und Tutorials bereitstellen. Wir wollen das Berufsbild der persönlichen Assistenz aufwerten – und deutlich machen, dass dieses Modell nicht nur funktioniert, sondern zukunftsfähig ist. Wir wollen eine Plattform aufbauen, auf der man sich vernetzen, informieren und stärken kann.

Dabei gehören App und Verein für mich zusammen – aber sie funktionieren unabhängig voneinander. Die App ist ein Werkzeug, das im Alltag hilft. Der Verein ist die Struktur, die darüber hinausgeht: als Netzwerk, als Stimme, als Gemeinschaft. Es ist mir wichtig, dass die App nicht allein stehen bleibt – sie braucht Kontext, Begleitung, politische Einbettung. Und der Verein braucht Werkzeuge, die im Alltag funktionieren.

Ich sehe mein Vorhaben als ganzheitliches Projekt: Es verbindet persönliche Erfahrung, technische Innovation, gesellschaftliche Verantwortung und politische Veränderung. Es geht nicht darum, noch ein Projekt zu machen – sondern darum, endlich Strukturen zu schaffen, die wirklich tragen. Für uns alle, die mit Assistenz leben, arbeiten oder sie ermöglichen.

Wenn du mehr erfahren möchtest, mitwirken willst oder einfach neugierig bist – schreib mir gern.

Ilka Hannig

Ein bisschen langsamer – und das war auch okay so.

Heute musste ich mal ein paar Gänge runterschalten. Nicht, weil ich nicht wollte – sondern weil ich einfach musste.
Die Nacht war lang, und ich habe bis spät an der Jahresabrechnung für mein persönliches Budget vom letzten Jahr gesessen. Das ist so eine Sache, die mich jedes Mal wieder bewegt.

Nicht nur, weil es viel Papierkram ist oder weil es schon längst hätte raus sein sollen – sondern weil so eine Abrechnung auch irgendwie immer ein Rückblick ist. Auf alles, was war. Auf das, was gut lief, und das, was herausfordernd war. Und ehrlich gesagt: Da hängen auch Emotionen dran.

Deshalb habe ich mir heute erlaubt, langsamer zu machen. Weniger Druck, weniger müssen – einfach mal atmen, Kaffee trinken, Gedanken sortieren.

Am frühen Abend war ich dann privat zum Essen eingeladen – das war schön, ruhig, warmherzig. Und genau das, was ich gebraucht habe.

Auf dem Heimweg wurde ich dann wieder in die Realität zurückgeholt – kalt, nass, typisch Berlin eben. Aber auch das gehört dazu.

Manchmal ist genau das wichtig:
Sich selbst zuzugestehen, dass nicht jeder Tag ein 100%-Tag sein muss. Und dass „langsamer“ nicht heißt, dass man stehen bleibt –
sondern dass man bei sich bleibt.

Alles Liebe,
Ilka

Ich will einfach nicht mehr nur zuschauen.

Ilka Hannig

Wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir der Gedanke an die kommende Regierung und ihre Haltung zur Behindertenpolitik ein bisschen Bauchweh. Ich merke, wie sich in mir eine gewisse Unruhe breitmacht – nicht aus Angst, sondern weil ich spüre: Da könnte einiges kippen.

Und klar, es gibt Gesetze. Das persönliche Budget, das Arbeitgebermodell, die UN-Behindertenrechtskonvention – das klingt alles erstmal gut.
Aber die Wahrheit ist: Ich lebe mittendrin. Und ich weiß, wie es wirklich ist.

Es ist oft kompliziert, unübersichtlich, voller Lücken. Und ich frage mich: Wird das wirklich besser? Oder wird es noch schwieriger für Menschen wie mich, die sowieso schon ständig kämpfen müssen – für Assistenz, für Teilhabe, für ein selbstbestimmtes Leben?

Ich will nicht meckern. Ich will gestalten.

Deshalb mache ich weiter. Deshalb baue ich meine Notfall-Assistenz-App.
Deshalb entsteht der Verein.
Nicht, weil ich alles weiß oder kann – sondern weil ich es einfach mache.

Weil ich nicht warten will, bis „die da oben“ uns sehen.
Weil ich glaube, dass wir uns auch selbst Räume schaffen können.
Und weil ich weiß, dass ich nicht allein bin mit dem Gefühl: Es muss sich was ändern.

Ich bin kein Gesetzestext, kein Paragraf. Ich bin Ilka.
Ich hab eine Vision. Und ich geh los.

Alles Liebe,
Ilka Hannig

Zwischen Ruhe und Richtung – ein Tag zum Nachspüren.

Heute war kein lauter Tag. Kein Tag voller Termine oder großer Entscheidungen. Aber ein Tag, der mich innerlich beschäftigt hat – und das auf eine sehr intensive Weise.

Ich habe viel gelesen, recherchiert und nachgedacht. Nicht nur über Zahlen, Strukturen oder nächste To-dos, sondern über etwas Tieferes: Haltung.
Wie will ich meine Idee in die Welt tragen? Wie möchte ich sprechen, sichtbar sein – nicht nur als Gründerin eines Projekts, sondern als Mensch mit Haltung, Erfahrung und einem echten Anliegen?

Ich habe ein paar Mails geschrieben, mein Netzwerk sortiert, Kontakte gepflegt und neue Gespräche angestoßen.
Und plötzlich hatte ich das Gefühl: Das Ganze beginnt, sich zusammenzufügen.
Wie ein Puzzle, das lange aus verstreuten Teilen bestand – und bei dem jetzt die ersten Linien sichtbar werden.

Es war ein stiller Tag. Aber einer, der in mir viel bewegt hat.

Denn manchmal braucht es nicht das große Außen. Manchmal reicht es, sich selbst wieder ein kleines Stück näher zu kommen – und zu merken: Ich weiß, wofür ich das tue.

Alles Liebe,
Ilka

Wenn das System dich arm hält – Leben mit Behinderung an der Grenze zur Armut.

Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Viele Menschen gehen davon aus, dass man als Mensch mit Behinderung in Deutschland gut abgesichert ist. Doch aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Das stimmt nur auf den ersten Blick. Wer – wie ich – mit voller Erwerbsminderung lebt, auf persönliche Assistenz angewiesen ist und Grundsicherung nach dem SGB XII bezieht, lebt dauerhaft an der Armutsgrenze. Und das ist kein persönliches Versagen, sondern die direkte Folge gesetzlicher Strukturen.

Die Grundsicherung nach dem SGB XII ist dafür gedacht, den „notwendigen Lebensunterhalt“ zu sichern – nicht mehr. Der monatliche Regelsatz liegt bei etwas über 500 Euro plus Miete. Damit soll man Lebensmittel, Kleidung, Mobilität, Kommunikation und persönliche Bedürfnisse decken. Wenn man etwas dazuverdient, darf man davon nur rund 30 % behalten – der Rest wird angerechnet. Das bedeutet: Wer arbeiten kann und möchte, wird kaum belohnt, sondern ausgebremst. Ich kenne das Gefühl sehr gut: Etwas leisten zu wollen, aber nicht zu dürfen, weil das System keine Spielräume lässt.

Wer – wie ich – das Persönliche Budget nutzt, um Assistenz selbst zu organisieren, übernimmt viel Verantwortung. Man ist Arbeitgeber:in, organisiert Dienstpläne, verwaltet Gelder, führt Gespräche, löst Konflikte. Und trotzdem gilt man offiziell als „nicht erwerbsfähig“. Es ist ein Paradox: Ich darf Menschen beschäftigen, aber keine eigene Rente aufbauen. Ich darf entscheiden, wie mein Assistenzteam arbeitet, aber ich zähle nicht als arbeitende Person. Und weil ich nie „regulär“ gearbeitet habe – weil es nie erlaubt oder gefördert wurde – habe ich auch keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Ich bekomme nur Grundsicherung.

Wer dann noch einen höheren Pflegegrad hat, wird zusätzlich in Schubladen gesteckt. Viele glauben, dass Menschen mit Pflegebedarf nicht arbeitsfähig sind. Dabei hat Pflege nichts mit geistiger Leistungsfähigkeit zu tun. Man kann körperlich eingeschränkt sein – und trotzdem kreativ, strukturiert, lösungsorientiert denken. Ich bin der lebende Beweis dafür.

Ich schreibe das nicht, weil ich Mitleid will. Ich schreibe das, weil ich zeigen will, wie ein System Menschen kleinhält, die etwas beitragen könnten. Armut ist für viele mit Behinderung kein Zufall, sondern gesetzlich produziert. Und das ist nicht nur ungerecht – es widerspricht dem Anspruch von Inklusion, Menschenrechten und Gleichberechtigung.

Deshalb will ich etwas verändern. Ich habe einen Verein gegründet und arbeite an der Umsetzung meiner Notfall-Assistenz-App – nicht nur für mich, sondern für viele andere, die wie ich leben wollen, statt nur zu überleben.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

#SGBXII #Grundsicherung #Erwerbsminderung #Assistenz #Pflegegrad #Inklusion #Teilhabe #UNBRK #Barrierefreiheit #Armut #SozialeGerechtigkeit #SelbstbestimmtLeben

Zwischen Paragraphen und Vision – warum ich trotzdem weitergehe.

Heute war so ein typischer Ilka-Tag: ein bisschen Kopfzerbrechen, ein bisschen Herzklopfen – und ganz viel inneres „Jetzt erst recht“.

Ich habe heute wieder viele Fragen an mein Lohnbüro im Rahmen meines persönlichen Budgets gestellt. Und ich bin ehrlich: Ich bin jemand, der nicht einfach nur blind etwas umsetzt. Ich will verstehen. Ich will wissen, was warum wie funktioniert. Aber genau da liegt der Knackpunkt – denn verstanden habe ich heute vieles trotzdem nicht.

Es ist einfach verrückt, wie kompliziert die Gesetze im Arbeitgebermodell sind. Man übernimmt Verantwortung, führt Menschen, schreibt Dienstpläne – und trotzdem fühlt es sich oft nicht wie eine richtige Firma an. Weil es keine ist.
Weil ständig neue Sonderregeln auftauchen. Weil Minijob-Grenzen, Zuschüsse, Urlaubsvertretungen und Krankheitsfälle plötzlich zu juristischen Stolperfallen werden.

Und doch – oder gerade deshalb – geht mein Projekt weiter.

Der Verein wird weiter vorbereitet. Gemeinsam mit meinem Team planen wir die nächsten Schritte, strukturieren die Satzung, feilen an der Formulierung unserer Ziele und überlegen, wie wir sichtbar und wirksam werden können.

Parallel entsteht die Website und die Crowdfunding-Seite – langsam, aber mit ganz viel Herz. Denn es geht nicht nur um Technik. Es geht um Vertrauen. Um Verständnis. Um den Wunsch, dass Menschen mit Assistenzbedarf nicht länger allein durch dieses komplexe System navigieren müssen.

Die Notfall-Assistenz-App, die ich entwickle, ist deshalb viel mehr als ein digitales Produkt. Sie ist für mich eine Antwort auf genau diese Tage wie heute – an denen ich merke, wie viel Struktur fehlt, wie viel Unsicherheit mitschwingt, und wie viel Mut es braucht, sich Hilfe zu organisieren.

Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Aber ich habe eine Richtung. Und ich gehe sie weiter.

Alles Liebe,
Ilka

Was wird die zukünftige Bundesregierung für persönliche Assistenz und Inklusion tun?



Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Wenn man – wie ich – mit persönlicher Assistenz lebt, verfolgt man jede politische Entwicklung mit gespannter Hoffnung. Denn ob unser Alltag funktioniert oder zur täglichen Kraftprobe wird, hängt oft von Entscheidungen ab, die auf Bundesebene getroffen werden.

Die neue Bundesregierung – eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP – hat sich viel vorgenommen: Ein inklusiver Arbeitsmarkt, ein barrierefreies Gesundheitswesen, mehr Teilhabe. Klingt gut – doch viele dieser Versprechen aus dem Koalitionsvertrag warten noch auf konkrete Umsetzung. Der angekündigte Aktionsplan für ein inklusives Gesundheitssystem ist zum Beispiel bis heute nicht umgesetzt.

Und genau hier wird es ernst. Denn persönliche Assistenz ist kein Zukunftsthema – sie ist tägliche Realität.

Die gesetzliche Grundlage dafür ist im Sozialgesetzbuch IX (§ 78 SGB IX) festgeschrieben. Hier wird klar geregelt: Menschen mit Behinderungen haben Anspruch auf Assistenzleistungen, wenn sie regelmäßig auf Unterstützung angewiesen sind – z. B. bei der Alltagsbewältigung, in der Pflege, in der Kommunikation oder bei Mobilität.

Durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde das Angebot erweitert:
Es gibt nun auch Elternassistenz, Assistenz im Krankenhaus, sowie neue Regelungen für Personen, die ihre Assistenz selbst organisieren wollen – etwa im Arbeitgebermodell. Anspruch besteht bei einem regelmäßigen Unterstützungsbedarf von mindestens fünf Stunden täglich.

Das Problem ist nur: Was auf dem Papier gut geregelt scheint, ist in der Praxis oft schwer erreichbar.
Die Anträge sind bürokratisch, die Umsetzung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, und wer keine professionelle Unterstützung hat, gerät schnell an seine Grenzen.

Dazu kommen offene Fragen:
Wer hilft mir im Notfall?
Was ist, wenn meine Assistenzkraft plötzlich ausfällt?
Wie finde ich gute Leute, wenn der Markt leergefegt ist?

Und genau da setzt meine Idee an – mit einer Notfall-Assistenz-App, die in solchen Momenten helfen soll. Und mit einem Verein, der Beratung, Supervision und Unterstützung organisiert – für Assistenznehmer:innen und Assistent:innen.

Was ich mir von der neuen Regierung wünsche?

Klare und einheitliche Regelungen, bundesweit – unabhängig vom Wohnort

Weniger Bürokratie, mehr praktische Unterstützung

Faire Bezahlung und Qualifizierung für Assistent:innen

Mitsprache auf Augenhöhe, nicht über unsere Köpfe hinweg

Und vor allem: eine politische Kultur, die uns nicht als Kostenfaktor, sondern als Menschen sieht


Ich bin bereit, mit meiner Erfahrung, meinen Ideen und meiner Stimme mitzugestalten – und ich hoffe, die neue Regierung ist es auch.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

#Behindertenpolitik #PersönlicheAssistenz #SGBIX #BTHG #SelbstbestimmtLeben #Teilhabe #Inklusion #Menschenrechte #UNBRK #Vereinsgründung #AppIdee #Pflege #Barrierefreiheit

Kleine Schritte, große Vision – und Herausforderungen, die dazugehören.

Heute war wieder einer dieser Tage, an dem ich zwischen ganz viel Tun auch spüren konnte, wie viel hinter den Kulissen mitschwingt – und was mich antreibt, weiterzumachen.

Ich habe mich um viele kleine, aber wichtige Dinge gekümmert: Social Media gepflegt, E-Mails beantwortet, eine offizielle Kontaktadresse für den Verein eingerichtet. Ich habe mir Plattformen und andere Projekte angeschaut, um zu verstehen: Wo ist unsere Lücke? Und immer wieder merke ich: Die gibt es.

Denn die Nachfrage nach persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell wächst – in Deutschland genauso wie in Österreich. Menschen mit Behinderung wollen selbstbestimmt leben – und übernehmen dafür große Verantwortung.

Aber genau da beginnt es oft zu wackeln. Denn was passiert, wenn eine Assistenzkraft kurzfristig ausfällt? Wenn man Personalmangel hat, Minijobber nicht dauerhaft planen kann, und der Alltag trotzdem laufen muss? Ich hatte heute wieder ein paar schwere Gespräche dazu – im Rahmen meines eigenen persönlichen Budgets. Und ich spüre dabei immer wieder: Das System ist nicht für diese Realität gemacht.

Viele Plattformen, die es gibt – betreut.de, pflegekraft.de und andere – helfen in diesen Fällen nicht wirklich weiter. Sie sind nicht auf die Bedürfnisse von Assistenznehmer:innen im Arbeitgebermodell zugeschnitten. Es fehlt an Barrierefreiheit, Echtzeitlösungen, Notfallfunktionen – und an Menschlichkeit.

Deshalb entwickle ich die Notfall-Assistenz-App.

Eine App, die genau in diesen Momenten greift.
Eine App, die Assistenzkräfte in der Nähe sichtbar macht – schnell, datensicher, unkompliziert.
Eine App, die langfristig auch Kalender, Matching, Chatfunktionen und faire Bedingungen für Assistent:innen bietet.

Getragen wird das Ganze von einem gemeinnützigen Verein, der aufklärt, politisch begleitet, weiterbildet und vernetzt.

Es geht nicht nur um Technik. Es geht um Struktur, um Sicherheit – und um echte Teilhabe.

Und ja, es gibt Tage, an denen mich das alles erschöpft. Aber es gibt noch mehr Tage wie heute, an denen ich spüre: Ich bin auf dem richtigen Weg. Schritt für Schritt. Nicht perfekt. Aber echt.

Alles Liebe,
Ilka