Inklusion braucht Gerechtigkeit – und nicht das Gegenteil
von Ilka Hannig
Manchmal frage ich mich, ob die Menschen da draußen wirklich verstehen, wie viel Kraft es kostet, einfach nur sein Leben zu leben – wenn man auf Persönliche Assistenz angewiesen ist.
Ich lebe im sogenannten Arbeitgeber*innenmodell. Das bedeutet: Ich bestimme selbst, wer mich unterstützt, wann, wie und wobei. Ich bin Arbeitgeberin. Ich führe Bewerbungsgespräche, schreibe Arbeitsverträge, plane Schichten, rechne ab. Warum? Weil genau das mir ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Weil ich so arbeiten, reisen, lieben, leben kann – ganz normal, nur eben mit Assistenz.
Aber aktuell fühlt sich das alles so fragil an.
Seit Monaten kämpfen wir dafür, dass der Berliner Senat den Tarifvertrag anerkennt, der zwischen ver.di und dem Arbeitgeberinnenverband AAPA ausgehandelt wurde. Seit Februar 2025 verdienen Persönliche Assistenzen im Arbeitgeberinnenmodell 340 Euro weniger im Monat als Kolleg*innen in Assistenzdiensten – für exakt dieselbe Arbeit. Und ab 2026 droht diese Lücke noch größer zu werden. Das hat Konsequenzen: Frust, Abwanderung, Personalnot. Und am Ende: der Verlust unserer Selbstbestimmung.
Denn ohne faire Bezahlung wandern Assistent*innen ab. Und ohne Assistenz? Steht alles still.
Ich will nicht zurück in ein System, das über mich entscheidet. Ich will kein Mensch sein, der „verwaltet“ wird. Ich will mein Leben leben – selbstbestimmt, frei und mit einem starken Team an meiner Seite, das für seine Arbeit auch gerecht entlohnt wird.
Was mich besonders verletzt: Dass Politik oft Verständnis signalisiert – aber nicht handelt. Dass Worte wie Teilhabe und Inklusion gerne in Reden vorkommen – aber nicht im Haushalt. Dass es offensichtlich einfacher ist, Menschen mit Behinderung in abhängige Strukturen zurückzuschieben, als echte Gleichstellung zu finanzieren.
Ich bin Ilka Hannig. Ich kämpfe nicht um Privilegien – ich kämpfe um das Recht, ein ganz normales Leben führen zu können. Und dafür brauche ich Unterstützung. Von euch. Von der Gesellschaft. Von der Politik.
Gleiches Geld für gleiche Arbeit – das darf keine Frage des Budgets sein. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Mehr Infos: http://www.assistenzgestalten.de
Meine persönliche Crowdfunding-Kampagne: http://www.startnext.com/ich-bin-ilka-und-ich-gebe-nich
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