Der zweite Teil meines Tages war – ehrlich gesagt – anstrengend. Nicht wegen der Arbeit. Sondern wegen der Gespräche.
Wieder so eine Unterhaltung, in der ich erklären – fast schon rechtfertigen – musste, warum ich meine volle Erwerbsminderung nicht einfach „annehme“ und mich „ausruhe“. Warum ich eben nicht den ganzen Tag die Füße hochlege und nichts tue.
Gott, wie ich diese Frage hasse.
Aber ich stelle mich ihr. Immer wieder.
Weil sie wichtig ist. Weil Aufklärung wichtig ist.
Warum glauben Menschen, es sei schön, einfach nur zu Hause zu „hängen“ – ohne Aufgabe, ohne Förderung, ohne Sinn?
Das ist doch kompletter Blödsinn.
Das macht einsam. Das macht depressiv. Das nimmt einem das Gefühl, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Es macht ganz sicher nicht zufrieden.
Ich verstehe nicht, warum es so schwer ist zu akzeptieren, dass auch ich – trotz oder gerade wegen meiner körperlichen Einschränkungen – etwas beitragen will. Etwas zurückgeben möchte.
Ich will nicht raus aus dem System – ich will mitgestalten.
Ich will, im Rahmen meiner Möglichkeiten, selbstständig arbeiten, selbst Geld verdienen und Verantwortung für mein Leben übernehmen.
Nicht, um irgendwem etwas zu beweisen – sondern weil es mir wichtig ist. Weil es sich richtig anfühlt.
Und ja, das bedeutet auch, sich immer wieder erklären zu müssen.
Sich Schubladen zu verweigern. Sich dem System zu stellen, das lieber schweigende Akten als aktive Menschen sieht.
Aber ich bin da. Ich bin laut.
Und ich werde weiter kämpfen – für die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben. Für echte Teilhabe.
Für all die, die auch nicht in die Schubladen passen.
Denn davon hätten am Ende alle etwas.
