„Zwischen Aufarbeitung und einem guten Essen.“

Tagesnotiz – Samstag, 06.09.2025

Kurze Info zu gestern: Ich habe den ganzen Tag vor dem Fernseher verbracht – nichts geschrieben, nichts geplant, einfach nur abgeschaltet. Und weißt du was? Das war auch mal gut so.

Heute war dagegen wieder ein ganz anderer Tag. Ich war im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen. Irgendwie war das auch ein Stück Aufarbeitung für mich, denn mein richtiger Vater saß dort längere Zeit ein. Wir hatten eine Führung mit einer Zeitzeugin – das war interessant, aber auch beklemmend. Vor allem durch meinen persönlichen Bezug. Geschichte bekommt ein anderes Gewicht, wenn sie das eigene Leben berührt.

Danach war ich lecker essen, ein kleiner Ausgleich nach diesem intensiven Vormittag.

Und jetzt liege ich hier in meinem Bett, schreibe noch ein bisschen – und lasse den Tag langsam hinter mir.

– Ilka

„Zwischen Strategie, Alltag und ein wenig Seelenruhe.“

Tagesnotiz – Donnerstag, 04.09.2025

Heute war ein produktiver Tag. Am Vormittag hing ich viel am Telefon und am Laptop – ein Gespräch mit meinem Business-Team zur Vereinsstruktur, zur App-Entwicklung und zu den nächsten Schritten in Sachen Projektförderung. Dazu kamen Mails, Dokumentationen und die Ablage wichtiger Unterlagen. Viel, was im Hintergrund laufen muss, damit der Verein AssistenzGestalten e. V. weiter wachsen kann.

Am Nachmittag habe ich neue Kontakte für den Verein geknüpft, war einkaufen und spazieren. Gerade solche kleinen Pausen tun mir gut, wenn der Kopf voll ist.

Jetzt liege ich im Bett, schreibe noch meine Seele frei – und dann werde ich schlafen. Denn auch das gehört dazu: die Gedanken loslassen, damit Platz ist für Neues. 🌙✨

– Ilka 💙

„Zwischen Alltag, Notfällen und dem Wunsch nach Wertschätzung.“

Tagesnotiz – Mittwoch, 03.09.2025

Gestern war wieder einer dieser Tage mit vielen Facetten. Am Vormittag habe ich einiges an Bürokratie erledigt. Gegen Mittag schickte ich meine Assistentin für eine längere Pause weg – das mache ich manchmal, wenn Doppeldienst ist. Denn ich brauche zwischendurch Privatsphäre, Abstand und einfach Zeit für mich.

Ich war dann mit einer Freundin länger auf dem Friedhof vor meinem Haus, wir haben geredet und sind anschließend noch etwas essen gegangen. Danach habe ich meinen nächsten Tag geplant, Netzwerkarbeit gemacht und meine Dokumentationspflichten für den Verein erledigt. Eigentlich wollte ich dann ins Bett.

Doch daraus wurde nichts. Kurz nach 21 Uhr meldete sich mein Frühdienst für heute krank. Alles, was ich für den nächsten Tag geplant hatte, war dahin. Bis 0:30 Uhr war ich damit beschäftigt, meinen heutigen Tag neu zu organisieren – irgendwie.

Das sind genau die Momente, die mir noch einmal klar machen, warum ich unseren Verein gründe und an der App für Notfallassistenz arbeite. Weil diese Realität viele Menschen mit Persönlichem Budget im Arbeitgebermodell betrifft. Und weil das, was im Hintergrund geleistet und organisiert werden muss, viel größer ist, als man von außen oft sieht.

Denn klar – man findet irgendwo und irgendwie immer wieder Lösungen. Man weiß, wenn niemand kommt, bleibt man im Bett liegen oder es passiert etwas, das man niemandem wünscht. Das ist eine Realität, die selten sichtbar ist.

Ich möchte hier nicht jammern – ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden. Aber ich möchte ein Bewusstsein schaffen: Menschen, die im Arbeitgebermodell mit Assistenz leben, tragen eine enorme Verantwortung und leisten täglich Großes. Und sie verdienen dafür gesellschaftlich deutlich mehr Wertschätzung. 🌿

– Ilka 💙

„Stopp sagen. Neu starten.“

Tagesnotiz – Dienstag, 02.09.2025

Gestern konnte ich nicht schreiben. Privat gab es eine Situation, die mich sehr gefordert hat – emotional. Was soll ich sagen: Ich bin halt auch nur ein Mensch. Immer kämpfen kostet Kraft, macht verletzlich, und wenn mir dann jemand zu nah kommt – persönlich zu nah – dann muss ich Stopp machen. Gestern war so ein Tag. Ich musste mich zurückziehen, um stark zu bleiben. Mehr möchte ich dazu gerade nicht sagen.

Heute bin ich wieder neu durchgestartet. Eigentlich wollte ich zur Diakonie, aber organisatorische Dinge kamen dazwischen. Also habe ich Netzwerkarbeit erledigt und Mails beantwortet. Zwischendurch habe ich etwas nur für mich gemacht – mir die Haare gefärbt. Ein kleines Stück Selbstfürsorge.

Gegen Mittag bis zum frühen Abend habe ich mich mit dem 2. Vorsitzenden meines Vereins in Gründung getroffen. Gemeinsam haben wir für den wichtigen Termin am 10.09.2025 vorbereitet – bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Abteilung Soziales, III B 2.5. Dort darf ich meinen Verein und meine App-Idee vorstellen. Für mich ist das wirklich ein kleiner Meilenstein.

Danach war ich noch einkaufen, habe zu Abend gegessen, war spazieren – und jetzt sitze ich hier, schreibe noch ein wenig und bin ehrlich gesagt froh, gerade alleine zu sein.

Manchmal ist es genau das, was man braucht: Rückzug, um wieder Kraft zu sammeln. 

– Ilka 

„Zwischen Alltag, Ärger und kleinen Fluchten.“

Tagesnotiz – Sonntag, 31.08.2025

Mein Vormittag war heute von Büroarbeit geprägt – ich habe auf mehreren Plattformen Stellenangebote für meine freien Assistenzstellen gesetzt. Derzeit habe ich zwei freie Stellen im persönlichen Budget, die ich dringend besetzen muss. Das braucht Zeit und Energie, denn ohne passende Assistenz wird der Alltag schnell viel schwerer.

Dann kam Ärger auf: Ich habe bemerkt, dass mein Rucksack kaputt ist – aber niemand meiner Assistent:innen hatte es mir bisher gesagt. Für mich ist Kommunikation in solchen Dingen enorm wichtig, da ich nicht alles selbst sehen kann. Es mag von außen betrachtet nur ein Rucksack sein – aber er ist für mich praktisch wichtig, hat einen ideellen Wert und muss eben auch finanziert werden. Heute hat mich das einfach getroffen.

Und eigentlich geht es gar nicht nur um den Rucksack, sondern um etwas Tieferes: Kommunikation ist in der Assistenz das Fundament für Vertrauen. Ich lasse immer wieder fremde Menschen sehr nah an mich heran – näher, als es in vielen anderen Lebensbereichen je nötig wäre. Dafür brauche ich Vertrauen. Aber Vertrauen kann ich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Es muss wachsen, immer wieder. Heute war einer dieser sensiblen Tage, an denen mir das besonders bewusst wurde.

Denn ja – ich bin halt auch nur ein Mensch. Ein Mensch, der manchmal sehr viele fremde Menschen um sich herum hat, einfach weil es nicht anders geht. Und auch wenn das dazugehört zu meinem Leben, habe ich eben nicht immer ein dickes Fell.

Also habe ich meinen inneren Groll genommen und bin zum Orankesee spazieren gegangen. Ich wohne ganz in der Nähe, und das Draußensein am Wasser hilft mir fast immer. Danach ging es heim zu meinen Samtpfoten, ich habe gegessen und mich mit Filmen ins Bett verkrochen.

Es war ein Tag zwischen Pflicht, Ärger, Nachdenken und kleinen Fluchten. Und vielleicht genau deshalb einer, der mir gezeigt hat: Sensibilität ist keine Schwäche – sie gehört zu mir, und sie macht mich menschlich. 

– Ilka 

„Einfach ein schöner Tag.“

Tagesnotiz – Samstag, 30.08.2025

Heute war einer dieser Tage, die leicht und rund waren. Ich war im Schuppen, habe viel Zeit draußen verbracht, bin spazieren gegangen und habe mir ein Eis gegönnt.  Einfach kleine Dinge, die gut tun und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ganz ohne Vereinsarbeit war es aber natürlich nicht – ein bisschen Netzwerkarbeit und Beratung habe ich auch gemacht. Aber das fühlte sich heute nicht schwer an, sondern stimmig und leicht.

Es war einfach ein schöner Tag – mit Bewegung, Genuss, frischer Luft und dem guten Gefühl, dass die Balance stimmt. 

– Ilka 

Kleine Pausen zwischen großen Schritten.“

Tagesnotiz – Freitag, 29.08.2025

Gestern war für mich ein richtig guter Tag. Es sind viele Dinge passiert, die mich auf meinem Weg mit AssistenzGestalten e. V. weiterbringen – von der Liste potenzieller Sponsoren, über die Verlängerung der Crowdfunding-Kampagne bis hin zur Einladung zur Challenge2025 Pitch-Session auf der ConSozial in Nürnberg. Das fühlt sich stark an und macht Mut.

Aber zwischen all diesen großen Schritten habe ich mir auch bewusst kleine Momente gegönnt. Ich habe die Füße hochgelegt, lecker gegessen und einfach für mich weiter an der Zusammenstellung meiner Blogeinträge gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt: Da ist schon so viel entstanden, viel mehr, als ich manchmal im Alltag sehe.

Es sind diese kleinen Pausen und ruhigen Augenblicke, die mich daran erinnern, warum ich das alles mache – und dass es okay ist, stolz zu sein auf das, was schon gewachsen ist.

– Ilka 

Inklusion ist kein Ideal – sie ist Alltag. Oder sollte es sein.

Von Ilka Hannig

In den letzten Tagen habe ich wieder viele Berichte gelesen – über Forderungen nach mehr Inklusion, nach echter Barrierefreiheit, nach Teilhabe. Und ehrlich gesagt: Das macht mich traurig. Nicht, weil ich diese Forderungen nicht gut finde – im Gegenteil! Sondern weil wir sie immer noch brauchen. Weil das, was für mich und viele andere Menschen mit Behinderung selbstverständlich sein sollte, in dieser Gesellschaft immer noch ein Kampf ist.

Ich frage mich ganz ehrlich: Warum macht die Politik das eigentlich so kaputt?

Natürlich verstehe ich, dass gespart werden muss. Dass Budgets begrenzt sind. Aber genau deshalb wäre es doch klug, die Potenziale von Menschen wie mir zu nutzen – uns arbeiten zu lassen, uns zu fördern, uns teilhaben zu lassen. Denn Inklusion ist kein Kostenfaktor – sie ist eine Investition. In Menschen. In die Zukunft. In Stabilität.

Wenn ich arbeiten kann – mit persönlicher Assistenz, mit barrierefreier Umgebung, mit den nötigen Hilfsmitteln –, dann zahle ich Steuern. Ich entlaste das Sozialsystem. Ich bin ein Teil davon. Und das bin ich gerne.

Aber ich erlebe es anders. Ich erlebe, dass Inklusion oft nur dann stattfindet, wenn es gerade passt. Wenn sie nicht zu unbequem ist. Wenn sie nicht zu viel kostet oder nicht zu viele Fragen aufwirft.

Dabei ist Inklusion nicht nur für Menschen mit Behinderung ein Vorteil. Barrierefreiheit – sei es baulich, digital oder gesellschaftlich – macht das Leben für alle leichter. Für Eltern mit Kinderwagen, für ältere Menschen, für Menschen mit Verletzungen oder temporären Einschränkungen. Für Menschen, die einfach einen anderen Rhythmus, ein anderes Tempo haben. Es geht nicht um „Extra-Würste“. Es geht um Normalität. Um Gerechtigkeit.

Und ja: Ich glaube immer noch, dass Inklusion und Barrierefreiheit vor allem eine Frage des Wollens sind.

Ich sag das nicht einfach nur so. Ich erlebe es fast täglich. In Behörden, auf dem Arbeitsmarkt, im ÖPNV, in der Kommunikation. Oft sind es nicht mal große Dinge, die fehlen. Es sind Kleinigkeiten, die zeigen: Man hat nicht mitgedacht. Oder schlimmer: Man wollte nicht mitdenken.

Wenn man sich Zeit nimmt, miteinander spricht, sich zuhört – dann geht vieles. Auch ohne Millionenbudgets. Auch ohne riesige Reformen. Inklusion beginnt im Alltag, im Kleinen. Aber sie endet nicht dort. Und genau deshalb muss sie auch politisch gewollt und gesteuert werden.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Deutschland 2009 ratifiziert hat, verpflichtet den Staat dazu, gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu gewährleisten. In Artikel 27 steht klar: Menschen mit Behinderung haben das Recht auf Arbeit – gleichberechtigt mit anderen. Artikel 9 fordert Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen. Artikel 19 garantiert das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben – auch mit Assistenz.

Und auch das Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 3, sagt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Trotzdem habe ich oft das Gefühl: Viele dieser Rechte sind nur auf dem Papier stark. In der Realität kämpfen wir. Jeden Tag. Und manchmal sind es nicht die Gesetze, die fehlen – sondern der politische Wille, sie ernst zu nehmen.

Ich frage mich oft: Will die Politik überhaupt echte Inklusion? Oder nutzt man diese Worte, weil sie gut klingen, weil sie in Reden Eindruck machen – wie eine schöne Fassade, hinter der sich wenig bewegt?

Ich wünsche mir, dass man diese Fragen ehrlich beantwortet. Und ich wünsche mir, dass ich sie stellen darf – in einem Gespräch, auf Augenhöhe, ganz ohne Show. Einfach reden. Ich würde mich wirklich gern mal mit Politiker*innen austauschen. Nicht in Talkshows oder auf Podien. Sondern da, wo ich meine Fragen stellen kann – einfache, persönliche, ehrliche Fragen. Und ich will versuchen, diese Gespräche zu führen. Denn so wie es gerade läuft, fühlt es sich oft so an, als wolle sich die Politik gar nicht wirklich mit dem Thema befassen.

Aber ich will. Weil es um mein Leben geht. Und das vieler anderer auch.


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„Manchmal ist es einfach genug.“

Tagesnotiz – Donnerstag, 28.08.2025

Heute war ich schon früh wach und habe gleich mit Bürokratie angefangen – diese kleinen, aber wichtigen Dinge, die sich immer wieder stapeln.

Am Vormittag war ich dann bei meinem Ehrenamt in der Diakonie. Für mich fühlt es sich dort immer ein Stück nach „Zuhause“ an. Ankommen, willkommen sein, etwas Sinnvolles tun – das gibt mir Kraft.

Am Nachmittag war ich noch schnell etwas essen und einkaufen, bevor am Abend die Wartungsfirma für meinen Deckenlifter kam. Das hat seine Zeit gedauert – aber auch solche Termine gehören eben dazu.

Danach war ich so müde, dass ich einfach eingeschlafen bin – bis jetzt. Na, macht nichts. Manchmal holt sich der Körper einfach die Ruhe, die er braucht. Und das ist auch in Ordnung so.

– Ilka 

„Ein Tag voller Input, Austausch und Fortschritt.“

Tagesnotiz – Mittwoch, 27.08.2025

Mein Tag begann heute schon sehr früh – um 6 Uhr war ich wach und noch vor dem Aufstehen habe ich direkt ein paar Stellenangebote für zwei freie Assistenzen geschrieben und geschaltet. Außerdem habe ich noch Nachrichten an Freunde beantwortet – ungewöhnlich früh, aber manchmal passt das einfach.

Der Vormittag hatte dann ein besonderes Highlight: Ich war mit Herrn Knigge vom grauwert-Büro im Naturkundemuseum Berlin. Dort durfte ich die Ausstellung ganz bewusst aus meinem eigenen Blickwinkel betrachten und wertvolle Hinweise geben, wie das Museum barriereärmer und zugänglicher für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gestaltet werden könnte. Das Gespräch und die Zusammenarbeit waren auf Augenhöhe – respektvoll, inspirierend und wirklich eine tolle Erfahrung!

Als ich nach dem Museumsbesuch wieder zu Hause war, habe ich etwas gegessen und mich kurz hingelegt. Danach habe ich noch ein wenig im Alltag „versackt“ – Mails beantwortet, Aufgaben sortiert, Netzwerkarbeit gemacht und weitere Dokumentationspflichten erfüllt.

Später habe ich mir dann meine Blogeinträge vorgenommen und angefangen, sie in einer Word-Datei zu speichern. Dabei wurde mir bewusst, wie viele es eigentlich schon sind. Immer mehr wächst in mir die Idee, daraus vielleicht ein Buch zu machen. Wer weiß – vielleicht stehe ich eines Tages in einem richtigen Buchladen und halte mein eigenes Buch in der Hand.

Manchmal sind Herausforderungen einfach da, auch wenn wir sie im Moment noch nicht verstehen. Aber vielleicht geht es gar nicht darum, sofort jede Antwort zu haben. Vielleicht ist das Wichtigste einfach: dass man sich auf den Weg macht.

– Ilka 