„Wenn Ruhe Worte findet.“

Tagesnotiz – Dienstag, 30.09.2025

Heute war einer dieser Tage, an denen ich bewusst einen Gang zurückgeschaltet habe. Ich habe meine Dokumentationspflichten erledigt, Unterlagen weitergeführt und mich wie so oft durch die Bürokratie gearbeitet. Auch Netzwerkarbeit gehörte dazu – Kontakte pflegen, neue mögliche Partner für AssistenzGestalten e.V. ansprechen, Verbindungen lebendig halten.

Aber ehrlich gesagt: Ich habe mir heute auch einfach mal etwas Ruhe gegönnt. Und in dieser Ruhe ist wieder das passiert, was so oft passiert, wenn ich still werde – ich habe geschrieben. Viel geschrieben. Und aus meinen Gedanken wurde schließlich ein Artikel. Diesmal über Quantenethik, Werteethik und Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell. Ein großes Thema, das mich schon lange begleitet, weil es zeigt, dass Assistenz mehr ist als reine Organisation: Es geht um Verantwortung, um Haltung, um Respekt und Würde.

Dann kam noch eine Mail von einem Mediator, der mir eine Zusammenarbeit über meinen Verein anbot – das fühlte sich nach einem wichtigen und wertvollen Impuls an.

Am Abend habe ich noch jemanden eingearbeitet, der mich am Wochenende privat unterstützen wird. Auch das gehört zu meinem Alltag: immer wieder Menschen neu einarbeiten, Strukturen erklären, Vertrauen aufbauen.

Diese Tagesnotizen sind für mich inzwischen mehr als Routine. Sie sind mein Werkzeug, mein roter Faden. Sie helfen mir, meine Arbeit zu reflektieren, Fortschritte zu sehen – und gleichzeitig Momente festzuhalten, die mich persönlich bewegen.

Heute war es die Erkenntnis: selbst ein ruhiger Tag kann voller Tiefe sein, wenn man den Gedanken Raum gibt. 

– Ilka

Persönliche Assistenz zwischen Werteethik und Quantenethik.

von Ilka Hannig

Wer über persönliche Assistenz spricht, landet schnell bei sehr praktischen Fragen: Wer hilft beim Anziehen? Wer begleitet ins Theater? Wer unterstützt bei Behördengängen? Doch hinter diesen scheinbar banalen Handlungen steckt eine viel größere Geschichte – nämlich die Frage, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen und welche Werte unser Handeln tragen.

Die klassische Werteethik gibt hier erste Antworten. Schon Aristoteles fragte, was ein „gutes Leben“ ausmacht – und kam auf Tugenden wie Gerechtigkeit, Mut und Freundschaft. Übertragen auf die Assistenz bedeutet das: Nicht nur die Tätigkeit selbst ist entscheidend, sondern die Haltung. Wer respektvoll und achtsam unterstützt, schafft einen Raum, in dem die assistenznehmende Person nicht abhängig, sondern selbstbestimmt leben kann.

Doch die Realität ist selten so eindeutig. Was, wenn eine assistenznehmende Person etwas riskieren möchte, das Helfenden Sorge bereitet? Was, wenn Sicherheit und Autonomie in Spannung geraten? Genau hier eröffnet die Quantenethik eine spannende neue Perspektive.

Die Quantenphysik hat gezeigt, dass unsere Welt nicht starr ist. Ein Elektron ist nicht „Teilchen oder Welle“, sondern beides – je nachdem, wie man hinschaut. Dinge sind nicht festgelegt, sondern bewegen sich in einem Feld von Möglichkeiten. Beobachtung verändert das Geschehen, Beziehung schafft Realität.

Philosoph*innen wie Karen Barad oder Physiker wie Hans-Peter Dürr haben diesen Gedanken auf unser Zusammenleben übertragen: Wirklichkeit ist Beziehung. Verantwortung heißt, sich bewusst zu machen, dass wir immer Teil dieses Beziehungsnetzes sind.

Und genau so ist es in der persönlichen Assistenz. Hier geht es nicht nur um „Hilfe geben“ und „Hilfe bekommen“. Es geht um ein Beziehungsfeld, in dem beide Seiten aufeinander wirken. Jede Handlung verändert die Situation. Ob Nähe entsteht oder Distanz, ob Freiraum wächst oder Einschränkung – das ergibt sich im gemeinsamen Tun.

Nehmen wir ein Beispiel: Jemand möchte trotz großem Unterstützungsbedarf alleine wohnen. Klassische Ethik sagt: Respektiere diese Entscheidung, weil Selbstbestimmung ein hohes Gut ist. Quantenethik hingegen fragt: Welche Möglichkeiten eröffnen sich in diesem Spannungsfeld? Vielleicht entsteht ein hybrides Modell aus technischer Unterstützung, Nachbarschaftshilfe und Assistenzdiensten. Es geht nicht um ein starres „ja oder nein“, sondern um ein „sowohl–als auch“.

So wird Assistenz zu etwas Lebendigem. Sie ist kein mechanischer Dienst, sondern ein Resonanzraum, in dem Freiheit, Verantwortung und Fürsorge immer wieder neu austariert werden. Die Werteethik gibt uns dabei die Richtung: Würde, Respekt, Teilhabe. Die Quantenethik öffnet den Blick für Vielfalt und Dynamik: das Denken in Möglichkeiten statt in Gegensätzen.

Assistenz im Arbeitgebermodell – ein quantenethischer Möglichkeitsraum

Das sogenannte Arbeitgebermodell ist die konsequenteste Form der persönlichen Assistenz. Menschen mit Behinderungen treten dabei selbst als Arbeitgeberinnen auf: Sie wählen ihre Assistentinnen aus, legen Arbeitszeiten fest, bestimmen Aufgaben und entscheiden, wer sie in welchen Lebensbereichen begleitet. Auf den ersten Blick wirkt das nach viel Organisation und Verwaltungsarbeit. Doch der Gewinn ist unschätzbar: maximale Selbstbestimmung.

Im Arbeitgebermodell wird sichtbar, was klassische Werteethik meint: Würde und Autonomie haben Vorrang. Wer entscheidet, wer morgens an der Tür klingelt, wer beim Essen hilft oder wer intime Alltagssituationen begleitet, behält die Hoheit über das eigene Leben. Damit wird Selbstbestimmung nicht abstrakt behauptet, sondern konkret gelebt.

Doch hier öffnet sich auch die Perspektive einer Quantenethik. Wie in der Quantenphysik Realität nicht starr ist, sondern als Feld von Möglichkeiten existiert, so schafft auch das Arbeitgebermodell einen Möglichkeitsraum. Statt an starre Strukturen von Pflegediensten gebunden zu sein, können ganz individuelle Lösungen entstehen: flexible Arbeitszeiten, eine Assistenzkraft, die gleichzeitig Vertraute ist, oder ein Team, das perfekt auf die Bedürfnisse einer Person abgestimmt ist.

Dabei zeigt sich ein Prinzip, das stark an die Quantenphysik erinnert: Beziehung schafft Wirklichkeit. Im Arbeitgebermodell sind Assistenznehmerin und Assistentin nicht einfach in einer hierarchischen Rolle – sie stehen in einer Wechselwirkung. Die Art, wie Vertrauen, Kommunikation und gegenseitiger Respekt gestaltet werden, bestimmt unmittelbar, wie frei, sicher und lebendig der Alltag gelingt.

Natürlich bringt das Modell auch Spannungen: Mit der Freiheit wächst die Verantwortung. Dienstpläne müssen organisiert, Arbeitsverträge verwaltet, Konflikte gelöst werden. Doch genau darin liegt die quantenethische Dimension: Statt in starren Gegensätzen zu denken („Freiheit oder Sicherheit“, „Selbstbestimmung oder Unterstützung“), eröffnet das Arbeitgebermodell ein sowohl–als auch. Es zeigt, dass Autonomie und Verantwortung, Selbstbestimmung und Fürsorge nicht Gegensätze bleiben müssen, sondern in immer neuen Konstellationen zueinander finden können.

So wird das Arbeitgebermodell zu einem praktischen Beispiel dafür, was Quantenethik im Alltag bedeuten kann: ein dynamisches Geflecht von Möglichkeiten, in dem sich Freiheit und Verantwortung gegenseitig bedingen und Wirklichkeit immer wieder neu entsteht.

„Manchmal bleibt nur durchhalten.“

Tagesnotiz – Montag, 29.09.2025

Was war das für ein Tag. Ehrlich gesagt – ich wäre heute lieber gar nicht aufgestanden.

Gleich zwei Assistent:innen sind heute krank ausgefallen. Und bei einem Team von 4,5 Assistent:innen bedeutet das: es wird eng, sehr eng. Plötzlich heißt es improvisieren, jonglieren, umdenken. Ich war fast den ganzen Tag damit beschäftigt, Lösungen zu finden. Zum Glück habe ich welche gefunden – mit kleinen Zaubertricks, einer Portion Geduld und der Unterstützung von guten Freund:innen und Menschen mit Herz. Trotzdem war es eine echte Geduldsprobe.

Als wäre das nicht genug, meldete sich auch noch meine Rippenprellung und erinnerte mich daran, dass mein Körper eigentlich nach Ruhe schreit. Aber Ruhe war heute schlicht nicht drin.

Am Ende des Tages bin ich einfach nur müde – aber auch ein bisschen stolz, dass ich es geschafft habe. Nicht perfekt, nicht leicht, aber eben geschafft. 

– Ilka

„Manchmal entstehen die wichtigen Dinge im Hintergrund.“

Tagesnotiz – Sonntag, 28.09.2025

Heute war einer dieser leiseren Tage. Viel Hintergrundarbeit, viel Beobachtung. Ich habe Diskussionen in meinen Netzwerken verfolgt, zwischen den Zeilen gelesen – und genau daraus entstand am Ende ein neuer Artikel. Schreiben ist für mich nicht nur Arbeit, sondern auch ein Stück innere Ordnung.

Ich habe mich außerdem entschieden, die nächsten zwei Wochen im Homeoffice zu arbeiten. Meine kleine Rippenprellung braucht einfach noch Zeit zum Heilen, und ich will meinem Körper die Ruhe geben, die er gerade braucht. Es passt eigentlich ganz gut, denn so kann ich parallel noch ein paar Bewerber:innen für meine freien Stellen im Assistenzteam einladen, meinen Verein voranbringen und mir selbst ein paar Tage kleine Auszeiten nehmen.

Es war kein lauter Sonntag, eher ein ruhiger, geerdeter. Aber manchmal sind es genau diese Tage, an denen man merkt: es geht weiter – nur eben ein bisschen stiller, sanfter, im Hintergrund. 

– Ilka

Persönliche Assistenz – warum wir mehr Aufklärung und Respekt brauchen.



von Ilka Hannig

In meinen Netzwerken und Begegnungen fällt mir immer wieder auf: Über persönliche Assistenz – und besonders über das Arbeitgebermodell – gibt es viele unterschiedliche Ansichten und Fragen. Manchmal habe ich das Gefühl, wir reden völlig aneinander vorbei.

Das liegt nicht unbedingt am Unwissen oder an bösem Willen – sondern daran, dass dieses Thema unglaublich komplex ist. Für die einen ist es Freiheit und Selbstbestimmung, für die anderen eine enorme organisatorische Last. Manche vergleichen es mit Pflegediensten, andere sehen die Unterschiede gar nicht. Und so entstehen Missverständnisse.

Rechtlich scheint vieles klar:

Artikel 3 Grundgesetz (GG): Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), Artikel 19: Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft – dazu gehört die Wahl der Assistenz.

§ 29 SGB IX: Das Persönliche Budget soll Teilhabe und Selbstbestimmung sichern.

Doch die Realität sieht anders aus. Das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell ist gesetzlich nicht zu Ende gedacht worden. Assistenznehmer:innen tragen zwar die volle Arbeitgeberverantwortung – von Einstellungsgesprächen bis hin zu Lohnabrechnungen – aber sie haben nicht die gleichen Grundlagen wie „normale“ Arbeitgeber. Viele Entscheidungen müssen in Rücksprache mit den zuständigen Behörden getroffen werden. Diese Abhängigkeit wird oft vergessen.

Und genau da entstehen Spannungen: Anforderungen, die an Assistenznehmer:innen gestellt werden, sind häufig gar nicht realistisch erfüllbar. Gleichzeitig gehen die Diskussionen darüber oft so hitzig zu, dass Respekt und gegenseitiges Verständnis verloren gehen.

Genau deshalb braucht es meinen Verein – AssistenzGestalten e.V. (in Gründung).
Wir wollen Aufklärung schaffen, Brücken bauen und zeigen, dass Assistenz mehr ist als eine Dienstleistung. Sie ist ein Menschenrecht, das sichere Strukturen, klare Gesetze und gegenseitigen Respekt braucht.

Denn: Persönliche Assistenz darf kein Kampf bleiben – sie muss ein selbstverständlicher Teil von Inklusion und Teilhabe sein.

„Zwischen Recherche und einer kleinen Pause für mich.“

Tagesnotiz – Samstag, 27.09.2025

Heute war ein ruhiger, aber trotzdem produktiver Tag. Ich habe viel Zeit in Recherchearbeit gesteckt, um neue Kontakte für den Verein AssistenzGestalten e.V. zu finden und mögliche Partner oder Interessenten zu identifizieren. Danach habe ich einige E-Mails geschrieben, um mit potenziellen Unterstützer:innen in Kontakt zu treten.

Natürlich gehörte auch wieder die Dokumentation dazu – Unterlagen sortieren, Abläufe festhalten, alles auf Stand bringen. Es sind diese kleinen, unscheinbaren Aufgaben, die so wichtig sind, weil sie das Fundament für das sind, was wir aufbauen.

Zum Abschluss habe ich noch einen Artikel verfasst, in dem ich über Themen wie Assistenz, Selbstbestimmung und die aktuelle Lage reflektiere. Schreiben hilft mir immer, Gedanken zu ordnen und Dinge klarer zu sehen.

Privat habe ich heute gemerkt, dass ich mir wohl eine kleine Rippenprellung zugezogen habe – keine Ahnung wie. Es schmerzt, aber ich denke mir: Was mich nicht umhaut, macht mich stark.  Ein bisschen spazieren war ich trotzdem, einfach um frische Luft zu tanken und den Kopf frei zu bekommen.

Heute war kein lauter Tag, eher ein gemütlicher mit kleinen Schritten. Aber auch die bringen mich weiter – beruflich wie persönlich.

– Ilka 

Wenn Assistenz zum Luxus wird – Warum das Thema Assistenzzimmer zur Pattsituation wird

von Ilka Hannig

In einer Facebook-Gruppe habe ich kürzlich an einer Diskussion teilgenommen, die mich tief getroffen hat – es ging um Assistenzzimmer. Also darum, ob Menschen mit Assistenzbedarf ein zusätzliches Zimmer für ihre persönlichen Assistenzen zur Verfügung stellen sollten oder sogar müssen. Die Meinungen gingen dabei stark auseinander, aber eine Frage kam immer wieder auf: Wer soll das bezahlen – und wie soll das überhaupt funktionieren?

Denn die Realität sieht leider so aus: Viele Menschen wie ich bekommen beispielsweise nur 12 Stunden Assistenz am Tag bewilligt – und genau mit dieser Begründung lehnen Behörden oft den Bedarf für ein zusätzliches Assistenzzimmer ab. Es wird gesagt: „Wenn niemand bei dir übernachten muss, brauchst du auch kein extra Zimmer.“ Klingt auf dem Papier logisch – in der Realität bedeutet es eine Katastrophe.

Denn viele Assistent*innen bewerben sich heutzutage nur noch, wenn es einen Rückzugsraum gibt. Gerade in Zeiten von Personalmangel ist das absolut verständlich. Und ich verstehe es auch – wer möchte schon in einer Ecke im Wohnzimmer „pausieren“ oder nach einer Nachtschicht auf einem Klappbett schlafen? Aber wenn der Kostenträger sagt: „Kein Zimmer = keine Finanzierung“, und die Bewerber sagen: „Kein Zimmer = keine Bewerbung“, dann sitze ich als Arbeitgeberin mit Behinderung mitten in einer Pattsituation fest.

Was mich daran besonders frustriert: Es geht hier nicht um Luxus. Es geht um eine Grundlage für Teilhabe und Selbstbestimmung. Und laut Gesetz habe ich sogar ein Recht darauf:
Nach § 9 Abs. 2 SGB IX gilt das Wunsch- und Wahlrecht, das ausdrücklich besagt, dass „die berechtigten Wünsche der Leistungsberechtigten zu berücksichtigen sind“. Und auch die UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 19) verpflichtet Deutschland dazu, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.

Doch in der Praxis sieht es anders aus. Die zuständigen Stellen schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Die einen sagen, das sei „nicht wirtschaftlich“, die anderen behaupten, es sei „nicht notwendig“ – und ich frage mich: Wie soll ich gute, zuverlässige Assistenz finden, wenn das System mir keine Luft zum Atmen lässt?

Es wird oft so getan, als wäre Assistenz ein Luxusproblem. Aber das ist es nicht. Für mich – und viele andere – ist persönliche Assistenz die Voraussetzung dafür, dass wir arbeiten, leben, teilnehmen können. Und genau dafür brauchen wir auch Strukturen, die funktionieren. Und ja – dazu gehört manchmal auch ein einfaches, menschenwürdiges Zimmer.

Was ich mir wünsche? Dass diese Themen endlich ernst genommen werden. Dass Menschen wie ich gehört werden, nicht nur verwaltet. Dass sich Politik, Verwaltung und Gesellschaft gemeinsam fragen: Wollen wir wirklich Inklusion? Oder nur das schöne Wort auf dem Papier?

Denn eins ist klar: Wenn das System nicht mitdenkt, dann funktioniert es nicht. Und dann werden Menschen wie ich immer wieder zwischen Bürokratie, fehlendem Wohnraum und starren Regeln zerrieben.

Und genau deshalb mache ich weiter. Für eine Zukunft, in der persönliche Assistenz keine Kompromisslösung mehr ist – sondern eine selbstverständliche Grundlage für ein Leben in Würde.

„Manchmal fühlt sich Zufriedenheit ganz leicht an.“

Tagesnotiz – Freitag, 26.09.2025

Heute war einer dieser Tage, an denen ich gespürt habe, dass die vielen kleinen Schritte, die ich gehe, zusammen etwas Großes bewegen.

Am Vormittag habe ich die Protokolle ans Notariat weitergeleitet. Es war ein Moment, der sich fast unscheinbar anfühlte – ein paar Klicks am Laptop – und doch steckt darin so viel: Ein weiterer Schritt, damit AssistenzGestalten e.V. endlich offiziell im Vereinsregister eingetragen wird. Diese Formalitäten ziehen sich manchmal wie Kaugummi, aber jeder Haken, der gesetzt ist, bedeutet: Wir kommen voran.

Gemeinsam mit Milena habe ich heute intensiv an der Vorbereitung für unsere öffentliche Veranstaltung gearbeitet. Wir haben Ideen sortiert, Inhalte formuliert, Strukturen erarbeitet – und konnten den ersten Teil erfolgreich abschließen. Am Dienstag setzen wir daran an. Es war nicht nur Arbeit, sondern auch ein gutes Gefühl von Wir schaffen das zusammen.

In meinen Netzwerken war heute ebenfalls viel los. Ich habe einen Brief veröffentlicht, in dem ich von unserem Verein und seinen Zielen erzähle. Die Reaktionen haben mich tief berührt – viele Rückmeldungen, ermutigende Worte, neue Kontakte. Und dann die Überraschung: Wir haben neue Mitglieder gewonnen, sogar aus Belgien! Dass unsere Idee Menschen über Grenzen hinweg erreicht, macht mich wirklich glücklich. 

Natürlich war der Tag nicht nur Arbeit. Zwischendurch habe ich mir bewusst Zeit genommen, war länger spazieren, um den Kopf freizubekommen. Am Abend habe ich mich dann noch mit Freund*innen getroffen und etwas getrunken – es tat gut, den Tag so locker ausklingen zu lassen.

Und jetzt, wo ich im Bett liege und diese Zeilen schreibe, spüre ich eine tiefe Zufriedenheit. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern ganz still. Die letzten Tage waren vollgepackt, anstrengend, bewegend – aber heute fühlt es sich leicht an. Und genau dieses Gefühl ist es, das mich weitermachen lässt. 

– Ilka

„Wenn eine Idee lebendig wird.“

Tagesnotiz – Donnerstag, 25.09.2025

Heute war einer dieser Tage, an denen ich gespürt habe, dass meine Idee längst angefangen hat zu leben – noch bevor der Verein offiziell im Register steht.

Am Morgen habe ich erstmal Bürokratie erledigt. Ich habe meine Kalkulation und den Antrag ans LAGeSo endlich abgeschickt. Das Thema zog sich schon ewig wie Kaugummi. Ja, ich weiß, dass ich vermutlich in den Widerspruch muss, aber allein, dass es jetzt raus ist, gibt mir ein Stück Ruhe.

Danach war ich wieder bei der Diakonie. Für mich ist das immer wie ein kurzer Halt im Alltag – vertraut, beständig, ein Ort, der mich trägt.

Der Vormittag brachte dann etwas Besonderes: Ich habe Silke aus Osnabrück, die ich über Facebook kennengelernt habe, an Assistenz4you vermittelt. Ihr Ansprechpartner dort ist nun Herr Korn. Und im selben Atemzug haben Herr Korn und ich die Idee entwickelt, eine monatliche Online-Sprechstunde zu starten. Ein Raum, in dem Betroffene und Interessierte Fragen stellen können. Ich würde moderieren, Herr Korn und weitere Fachleute den fachlichen Input geben. Allein diese Vorstellung fühlt sich nach etwas an, das gebraucht wird – und das genau ins Herz von AssistenzGestalten passt.

Am Nachmittag traf ich dann Christian Mayer, Autor eines Buches über Assistenz im Arbeitgebermodell, seinen Assistenznehmer Philipp und einen weiteren Assistenten. Die drei sind extra aus München gekommen. Wir saßen lange zusammen, haben unsere Erfahrungen geteilt, über Stolpersteine und Hoffnungen gesprochen. Es war intensiv und sehr persönlich. Und es wurde deutlich: Wir sind nicht allein mit unseren Themen.

Das Gefühl, das mich dabei überkam, war fast Gänsehaut. Weil ich gespürt habe, dass der Verein schon jetzt lebendig ist, auch ohne Eintrag. Dass wir anfangen, uns zu vernetzen, Lösungen zu teilen und füreinander da zu sein. Über Grenzen hinweg. Dass Christian und Tina direkt Mitglieder geworden sind, war für mich ein Geschenk und eine Bestätigung: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Am Abend habe ich dann noch die Unterlagen fürs Notariat sortiert und zusammengestellt. Morgen gehen sie raus – der nächste formale Schritt, damit AssistenzGestalten e.V. endlich offiziell wird.

Und auch morgen geht es direkt weiter: Ich treffe mich mit Milena, Freundin und Vereinsmitglied. Wir werden an der Vorbereitung für die öffentliche Veranstaltung arbeiten, bei der wir den Verein und die App professionell vorstellen wollen.

Ja, es ist viel. Aber es fühlt sich richtig an. Und es fühlt sich so sehr nach meinem Weg an. 

– Ilka

„Warum Vernetzung so wichtig ist.“

Tagesnotiz – Mittwoch, 24.09.2025

Wow – was war das heute.
Meine Netzwerke auf allen Social-Media-Kanälen waren so lebendig wie lange nicht mehr. Schuld daran war mein Artikel darüber, warum es so schwer ist, gute Assistent*innen zu finden.

Es hat mich sehr berührt, diesen Austausch zu sehen – und irgendwie auch zu fühlen. Mir wurden heute so viele einzelne Schicksale anvertraut, Geschichten von Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Das hat mir sehr deutlich gezeigt, wie wichtig der Verein AssistenzGestalten und auch meine App-Idee sind.

Wir brauchen eine Plattform, die eine Lobby schafft – und Raum für echte Vernetzung bietet. In diesem speziellen Thema darf es keinen Platz für große Egos geben. Hier braucht es ein Miteinander, wo wir Lösungen gemeinsam finden.

Genau deshalb habe ich heute auch ver.di per Mail angeschrieben und ihnen meine Idee vorgestellt. Weil ich glaube: Wir müssen größer denken, aber gleichzeitig nahbar bleiben.

Ich war heute ehrlich gerührt von all den Stimmen, die mich erreicht haben. Und vielleicht fragt man sich, warum Menschen, die selbst mit persönlicher Assistenz leben, mir so offen ihre Gedanken und Wege erzählen.
Die Antwort ist einfach: Ich bin eine von ihnen. Ich höre zu. Ich werte nicht. Ich suche gemeinsam nach Lösungen. Und ich vernetze – Möglichkeiten, Kompetenzen, aber vor allem Menschen. 

Natürlich habe ich mir auch heute wieder einen kleinen Spaziergang gegönnt, um das alles zu verarbeiten.

Und morgen geht es schon weiter: Nach meinem Ehrenamt in der Diakonie treffe ich mich mit Christian Mayer, der ein Buch über Assistenz geschrieben hat, und seinem Assistenznehmer Philipp. Sie sind aus München angereist – und wir wollen uns bei einem guten Essen austauschen. Auch dieser Kontakt kam über Social Media zustande.

Manchmal merke ich: Genau so soll es sein.

– Ilka