Tagesnotiz – 12. November 2025
Heute war so viel los – nicht nur draußen in Berlin, sondern auch in mir. Ich bin schon heute Morgen mit dem Gefühl aufgestanden, dass ich Entscheidungen treffen muss, was mein Assistenzteam betrifft. Manche Dinge gehen einfach nicht, so wie sie gerade laufen. Wenn ich spüre, dass etwas meine Grenzen verletzt oder meine Lebensqualität beeinträchtigt, dann muss ich handeln. Es geht um mich, mein Leben, meine Selbstbestimmung. Und ich weiß: Ich werde in den nächsten Tagen einiges klarer regeln müssen.
Der Vormittag begann dann gleich mit etwas, das mich tief berührt hat.
Ich war bei der Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus – zusammen mit vielen anderen Menschen mit Behinderung, Assistent:innen, Unterstützer:innen und Verbündeten. Es war wichtig, dort zu sein. Wichtig, sichtbar zu sein. Wichtig, zu sagen:
„Wir sind hier. Selbstbestimmung ist kein Luxus. Assistenz ist kein Extra. Assistenz ist Leben.“
Die Energie dort war stark – kraftvoll, solidarisch, emotional. Und gleichzeitig wusste ich, wie viele Menschen gerne dabei gewesen wären, aber nicht konnten: weil die Assistenz ausgefallen ist, weil der Körper streikt, weil das System sie im Stich lässt. Für sie war ich heute mit dort. Für uns alle.
Am Abend ging es weiter mit meiner Info-Veranstaltung für den Verein.
Es waren nicht viele Menschen da – aber weißt du was? Das war völlig okay. Manchmal entsteht gerade in kleinen Gruppen der ehrlichste, klarste und tiefste Austausch. Genau so wie heute: Respekt, Offenheit, echte Gespräche, keine Rollen, keine Masken. Einfach Menschen, die dasselbe Thema bewegt.
Ich habe über die App gesprochen, über die Vision für AssistenzGestalten e.V., über unsere Petition, über Struktur, Rechte, Zukunft. Und gleichzeitig war Raum für Sorgen, für Fragen, für persönliche Geschichten.
Es hat mich berührt – wirklich berührt.
Und jetzt?
Jetzt liege ich hier in meinem Bett. Körper müde, Herz voll.
Vieles bewegt mich.
Vieles tut auch weh.
Aber vieles macht mich auch unglaublich dankbar.
Ich weiß wieder ein Stück mehr, warum ich das alles mache.
Warum ich schreibe.
Warum ich kämpfe.
Warum ich dranbleibe.
Weil es uns alle betrifft. Weil es mein Leben betrifft.
Und weil Veränderung nicht wartet, sondern gemacht wird.
