„Zwischen Paragraphen, Plan B und ein bisschen Seelenarbeit.“

 Tagesnotiz – Montag, 13.10.2025

Heute war wieder einer dieser Tage mit vielen Facetten – so bunt, so widersprüchlich, so echt.
Mein Vormittag war geprägt von Telefonaten, Papierstapeln und Nachdenken.

Ich habe länger mit dem Berliner Assistenz Verein telefoniert, also dem Verein, der mich im Rahmen meines Persönlichen Budgets beratend begleitet.
Laut aktueller Weisung des LAGeSo dürfte ich diese Beratung gar nicht mehr in Anspruch nehmen – nach sechs Jahren im Budget, so heißt es, sei das nicht mehr notwendig.
Aber ehrlich? Das sehe ich anders.

Ich frage mich:
Warum dürfen normale Arbeitgeber Unterstützung, Begleitung und Beratung in Anspruch nehmen,
aber ich als Arbeitgeberin im Persönlichen Budget nicht – obwohl meine Verantwortung oft viel größer ist?
Bin ich in den Augen der Politik nur eine „Pseudo-Arbeitgeberin“, die Gesetze befolgen, aber keine Hilfe annehmen darf –
damit das äußere Bild von Inklusion möglichst glatt bleibt?

Ich wäre für offene Worte, statt für diese Hinhaltetaktik.
Denn Inklusion bedeutet für mich nicht, dass man allein gelassen wird,
sondern dass man gemeinsam Wege findet.

Wir sprachen heute auch über „Plan B“ –
über die Notwendigkeit, sich Alternativen zu schaffen,
wenn die Politik weiter kürzt und Systeme instabil bleiben.
Und ja, ich bin froh, dass ich diesen Plan B habe,
auch wenn ich hoffe, ihn nie zu brauchen.

Später telefonierte ich noch mit meinem Business-Team.
Morgen ist ein großer Tag:
Ich habe meinen Termin beim Notar zur Unterschriftsbeglaubigung für meinen Verein
AssistenzGestalten e.V. (i.Gr.).
Danach werde ich die Ankündigung für unsere öffentliche Veranstaltung am 27.10.2025 veröffentlichen –
das musste natürlich vorbereitet werden.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Bürokratie und Netzwerkarbeit.
In den sozialen Netzwerken spürt man deutlich die Verunsicherung rund um das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell.
Viele Betroffene haben Angst – und ich kann sie so gut verstehen.
Mir geht es ähnlich.

Am Nachmittag gönnte ich mir dann einen Kaffee und einen Spaziergang –
ein bisschen Frischluft, ein bisschen Abstand.
Und am Abend stand Teil 2 meines Online-Coachings an.
Es war wieder intensiv, ehrlich, bewegend.
Manches, was dort ausgesprochen wird, trifft direkt ins Herz,
aber genau das tut gut –
weil es den Blick wieder frei macht auf das, was wirklich zählt.

Jetzt liege ich hier, müde, aber dankbar.
Für jeden kleinen Fortschritt,
für jedes ehrliche Gespräch
und dafür, dass ich mir selbst treu bleibe –
auch an Tagen, die anstrengend sind. 

– Ilka Hannig

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