Tagesnotiz – Sonntag, 05.10.2025
Entschuldigung, dass ich jetzt erst wieder schreibe. Die letzten Tage waren einfach … na ja, herausfordernd trifft es wohl am besten.
Seit letztem Dienstag herrscht bei mir im Assistenzteam das pure Chaos – 3 von 4,5 Assistentinnen sind krank. Das bedeutet, ich laufe gerade mit 1,5 Leuten und der Unterstützung einiger lieber Freundinnen. Gott sei Dank habe ich sie – sonst würde es gar nicht gehen. Aber ehrlich: eine dauerhafte Lösung ist das natürlich nicht.
Klar, jeder kann mal krank werden – keine Frage. Aber was mich wirklich an meine Grenzen bringt, sind diese mega kurzfristigen Krankmeldungen. Wenn du morgens gerade die Augen öffnest, dein Tag noch gar nicht richtig begonnen hat – und dann kommt die nächste Absage.
Solche Momente werfen mich manchmal komplett aus der Bahn.
Ich sage gefühlt wie eine kaputte Schallplatte, dass ich rechtzeitige Kommunikation brauche, um Dinge auffangen zu können. Doch viele verlassen sich darauf, dass ich „schon eine Lösung finde“.
Es ist, als würde die Verantwortung einfach an mich weitergereicht – Hauptsache, am Monatsende stimmt das Gehalt.
Ich schreibe das nicht, um zu jammern, sondern um ehrlich zu zeigen, wie es manchmal ist.
Natürlich sind nicht alle so. Aber es passiert eben oft genug, dass ich dann hier sitze und improvisiere, telefoniere, organisiere – manchmal bis spät am Abend.
Immerhin: Für die kommende Woche steht jetzt erstmal ein Plan.
Wie lange er hält, das weiß ich noch nicht.
Das eigentliche Problem ist: Viele Menschen, die in der persönlichen Assistenz im Arbeitgebermodell arbeiten, wissen gar nicht so richtig, was das wirklich bedeutet.
In einem Pflegedienst oder Assistenzdienst gibt es Strukturen – fällt jemand aus, sorgt der Dienst für Ersatz.
Aber im Arbeitgebermodell trägst du diese Verantwortung selbst. Du bist Arbeitgeberin, du bist Krisenmanagerin, du bist einfach… alles in einem.
Und dann kommt die Frage von außen: „Warum ersetzt du die Leute nicht einfach?“
Ja, wenn das so einfach wäre!
A – es gibt kaum neue Bewerber.
B – man muss sich an Gesetze halten.
C – das Budget erlaubt auch nicht unbegrenzt viele Anstellungen.
Ich erzähle das, weil es wichtig ist, zu verstehen, dass das Persönliche Budget im Arbeitgebermodell großartig ist – aber eben auch eine enorme Verantwortung bedeutet.
Eine Verantwortung, die oft unterschätzt wird.
Heute sitze ich hier, atme kurz durch, schaue auf meinen Tag und denke:
Ich habe wieder einmal improvisiert, Lösungen gefunden, Gespräche geführt – und trotz allem funktioniert mein Alltag irgendwie.
Müde bin ich trotzdem. Müde, aber auch stolz, dass ich mich nicht habe unterkriegen lassen.
Morgen ist ein neuer Tag. Vielleicht ein ruhigerer. Vielleicht wieder ein wilder.
Aber egal, wie er wird – ich bin bereit. 💙
– Ilka
