Von Ilka Hannig
Ich werde oft gefragt, warum es eigentlich so schwer ist, persönliche Assistent*innen zu finden. Es gibt doch genug Menschen, die Arbeit suchen – und der Job ist ja nicht gerade uninteressant.
Die Wahrheit ist: Es liegt nicht an der Anzahl der Bewerber. Sondern an der Haltung, mit der viele diesen Beruf antreten.
Persönliche Assistenz ist nichts, was man „einfach mal so“ macht, wenn sonst nichts anderes geht. Es ist keine Übergangslösung, kein „ich probier’s mal“-Job. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe – und manchmal auch eine Herausforderung. Weil es Nähe braucht. Weil es um echte Verlässlichkeit geht. Weil man mitdenken, mitfühlen, da sein muss.
Ich erlebe es immer wieder: Menschen bewerben sich – aber sobald es konkret wird, fehlt es an den einfachsten Dingen. Pünktlichkeit. Ehrlichkeit. Sauberkeit. Interesse. Der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Viele steigen aus, wenn klar wird: Das ist kein Job, bei dem man am Handy hängen kann. Kein Job, bei dem man nur zuschaut. Kein Job, bei dem man abschalten kann, sobald es unbequem wird.
Dabei wünsche ich mir nicht die perfekte Assistenz. Sondern eine, die bereit ist, zu lernen. Die sieht, dass es hier nicht nur um einen Job geht – sondern um mein Leben.
Ich brauche Menschen, auf die ich zählen kann. Menschen, die nicht gleich gehen, wenn es mal schwer wird. Menschen, die verstehen, dass Nähe nichts mit Schwäche zu tun hat, sondern mit Vertrauen. Menschen, die vielleicht keine Ausbildung haben, aber Haltung.
Ich weiß, das klingt streng. Aber so ist es. Wenn man auf Hilfe angewiesen ist, braucht man nicht irgendwen. Man braucht jemanden, der bleibt, wenn’s drauf ankommt.
Früher nannte man das Tugenden: Disziplin. Verlässlichkeit. Respekt. Heute wirken diese Begriffe fast altmodisch. Aber ich sage: Ohne sie funktioniert persönliche Assistenz nicht. Ohne sie bin ich – wie viele andere – allein.
Ich wünsche mir, dass wir wieder anfangen, diesen Beruf ernst zu nehmen. Dass wir ihn nicht als Notlösung betrachten, sondern als das, was er ist: eine bedeutsame Arbeit, in der Menschen anderen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
Persönliche Assistenz ist keine „Hilfe“. Sie ist ein Schlüssel zur Teilhabe. Ein Teil meines Alltags. Ein Teil meiner Freiheit.
Und ich hoffe, dass wir eines Tages nicht mehr um Grundwerte kämpfen müssen, wenn wir einfach nur leben wollen.
Ilka Hannig
