von Ilka Hannig
Aufgeben gilt nicht.
Das war nie nur ein Spruch für mich – es ist mein Überlebensprinzip.
Ich war vielleicht acht oder neun Jahre alt, als ich mir zum ersten Mal vorstellte, wie es wäre, in einen Buchladen zu gehen und mein eigenes Buch zu kaufen. Ich sah mich durch die Regale streifen, die Finger über die Buchrücken gleiten lassen, bis ich meins fand. Mein Name auf dem Cover. Mein Herz voller Stolz.
Damals wusste ich noch nicht, wie viele Umwege, Kämpfe und Narben zwischen mir und diesem Moment liegen würden.
Mein Leben war nie eine gerade Straße. Eher ein ständiger Marsch durch Matsch, gegen den Wind, während andere von der Sonne geschoben wurden. Ich habe oft gehört:
„Du willst zu viel.“
„Du bist zu anspruchsvoll.“
„Das schaffst du eh nicht.“
Aber mal unter uns: Wer darf beurteilen, welche Ansprüche ich an mein Leben habe? Wer kennt meinen inneren Kompass, meine Sehnsucht? Niemand außer mir.
Ja, ich habe einen hohen Preis für meine Selbstbestimmung bezahlt.
Ich musste zum Rebell werden und kämpfen lernen – ob ich wollte oder nicht.
Manchmal ist das einsam, sehr einsam sogar. Denn wer deutlich sagt, was er denkt und was es braucht, der bleibt nicht immer im warmen Kreis der Zustimmung. Aber Ehrlichkeit ist mir wichtiger als Bequemlichkeit.
Und ja, irgendwann habe ich tatsächlich ein Buch von mir gekauft – nicht im Laden, sondern über Amazon. Es war nicht dieser Traum-Moment im großen Buchgeschäft, aber es war mein Moment.
Ich hielt es in den Händen, roch das Papier, strich mit den Fingern über den Einband. Ich hatte es geschafft, etwas aus dem Nichts zu erschaffen.
Mein Fernstudium war ähnlich.
Ich habe es neben all den anderen Herausforderungen in meinem Leben gemacht – und immer gute Bewertungen bekommen. Trotzdem sagten Menschen: „Das bringt dir doch nichts.“
Aber ganz ehrlich: Wer bestimmt den Wert meiner Arbeit? Wer legt fest, was zählt und was nicht?
Ich habe gelernt, dass der Wert dessen, was wir tun, nicht in der Meinung anderer liegt – sondern darin, was es für uns selbst bedeutet.
Es gibt Dinge, die ich überlebt habe, die laut Ärzten und Prognosen gar nicht hätten möglich sein sollen. Dunkle Nächte, in denen die Hoffnung nur noch wie ein schwacher Glutpunkt war. Situationen, in denen jeder Schritt ein Kampf war – gegen meinen Körper, gegen Umstände, gegen den Strom des Lebens, der mich lieber unter Wasser gedrückt hätte.
Aber ich bin noch hier.
Ich stehe.
Und ich stehe nicht nur – ich gehe weiter.
Aufgeben gilt nicht – das ist nicht nur mein Satz, es ist mein Herzschlag.
Und genau deshalb gründe ich meinen Verein Assistenzgestalten.
Weil ich weiß, wie es ist, kämpfen zu müssen, um überhaupt eine Perspektive zu haben. Weil ich nicht nur meine eigene Stimme stärken möchte, sondern auch die Stimmen von Menschen, deren Geschichten oft überhört werden.
Dieser Verein soll ein Ort sein, an dem man nicht nur überleben muss, sondern wachsen darf. Ein Ort, an dem aus Hindernissen Chancen werden und aus Kämpfen Gemeinschaft.
Ich kämpfe nicht, weil ich das Kämpfen liebe, sondern weil ich das Leben liebe.
Und weil ich weiß: Jeder Mensch hat das Recht auf eine Perspektive – auch ich.
