Ein persönliches Statement von Ilka Hannig
Manchmal frage ich mich, ob wir als Gesellschaft überhaupt verstanden haben, was Inklusion wirklich bedeutet. Ich höre ständig große Worte: Teilhabe, Gleichstellung, Menschenwürde. Aber in der Realität – gerade hier in Berlin – fühlt es sich oft ganz anders an. Nämlich nach Rückschritt. Nach Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Menschen, deren Alltag ohnehin schon voller Hürden ist.
Es geht konkret um die Persönliche Assistenz im Arbeitgeber*innenmodell. Dieses Modell ist keine „Extrawurst“ – es ist gelebte Selbstbestimmung. Es bedeutet: Ich – als behinderte Person – entscheide, wer mich wann, wie und wobei unterstützt. Ich trage Verantwortung, leite ein Team, führe mein Leben selbstständig. Das ist Teilhabe. Das ist Inklusion.
Und genau diese Form von Freiheit steht jetzt auf der Kippe. Weil der Berliner Senat die Refinanzierung des Tarifvertrags, den wir mit ver.di und AAPA (Arbeitsgemeinschaft der behinderten Arbeitgeberinnen mit Persönlicher Assistenz) mühsam erkämpft haben, nicht dauerhaft sichern will. Das bedeutet: Persönliche Assistenzen verdienen im Arbeitgeberinnenmodell bis zu 340 Euro weniger im Monat als Kolleg*innen bei Assistenzdiensten – für die gleiche Arbeit. Und ab 2026 droht sogar noch weniger Lohn.
Was glaubt ihr, was das bedeutet? Menschen wechseln in die Dienste. Weg von uns. Weg von der Selbstbestimmung. Was bleibt, ist Frust, Unsicherheit und Angst.
Ich habe in den letzten Monaten so viele Stunden damit verbracht, zu erklären, zu kämpfen, zu hoffen. Und ehrlich gesagt bin ich müde. Aber ich bin auch entschlossen. Denn es geht nicht nur um mich – es geht um ein System, das auf dem Spiel steht. Ein System, das mehr Menschlichkeit ermöglicht, mehr Autonomie, mehr Würde.
Dabei zeigen selbst ökonomische Fakten, wie absurd diese Kürzungen sind: Wenn wir alle – also die Menschen im Arbeitgeber*innenmodell – gezwungen wären, zu den Assistenzdiensten zu wechseln, würde das Berlin über 12 Millionen Euro mehr kosten. Und die Dienste sind jetzt schon überlastet. Es ist nicht nur unsozial, es ist auch unwirtschaftlich.
Was ich fordere, ist kein Luxus. Es ist rechtlich verankert:
Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention garantiert das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und Teilhabe an der Gesellschaft.
§ 29 und § 105 SGB IX regeln das Persönliche Budget – mit dem Ziel, Bedarfe zu decken, nicht zu kürzen.
AGG – Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz schützt vor Diskriminierung – auch in der Arbeitswelt.
Wenn wir über Inklusion reden, dann darf das nicht auf Papier enden. Es muss in der Realität ankommen. Und das heißt auch: gerechte Bezahlung für alle Assistenzen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Punkt.
Ich bin Ilka. Ich bin Gründerin von AssistenzGestalten, einem Verein, der sich für echte Inklusion, faire Bedingungen und Persönliche Assistenz im Arbeitgebermodell einsetzt. Wir sind noch im Aufbau – aber wir sind laut. Und ich kämpfe weiter.
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