„Weil ich weiß, wie wertvoll ich bin.“

Tagesnotiz vom 29.07.2025 – Teil 2

Heute Nachmittag bin ich einen langen Spaziergang über den Friedhof direkt vor meinem Haus gegangen. Es war ruhig, friedlich. Und genau diese Stille hat mir gutgetan. Ich gehe dort oft, wenn ich Luft brauche – im Kopf, im Herz, im Körper.
Zwischen den alten Bäumen, den verwitterten Grabsteinen und den kleinen Zeichen von Erinnerung finde ich manchmal genau das: ein Stück Klarheit.

Und während ich so laufe, spricht mich eine meiner Assistentinnen an.
Ein ehrliches, direktes Gespräch. Sie fragt mich plötzlich:
„Warum machst du das eigentlich alles? Warum gibst du nicht einfach auf? Und warum ehrenamtlich?“

Die Frage hat mich nicht erschreckt.
Sie hat mich getroffen – aber auf eine gute, klärende Art.
Denn genau das werde ich öfter gefragt. Und ja, manchmal frage ich mich das auch selbst.

Aber meine Antwort kam wie aus mir heraus:
Aufgeben liegt mir nicht.

Wenn ich mich hängen ließe, würde meine körperliche Einschränkung vielleicht wieder fortschreiten. Und ich hätte einfach zu viel Leere. Zu viel Stillstand. Zu viel Langeweile.

Aber da ist noch etwas Tieferes:
Es gibt Menschen, die mich am Boden sehen wollten. Die mich verletzt haben.
Die geglaubt haben, ich sei klein.
Und weißt du was? Denen schenke ich diesen Sieg nicht.

Ich habe lange gebraucht, um das sagen zu können, aber heute weiß ich:
Ich bin wertvoll.

Ich habe mir meine Situation nicht ausgesucht. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Und mehr noch: Ich habe etwas zu geben.
Etwas, das in keiner Akte steht. Etwas, das man nicht berechnen kann.
Etwas, das echt ist.

Was ich tue – ob im Aufbau meines Vereins, in der Entwicklung von Workshops, in meiner ehrenamtlichen Arbeit oder beim Schreiben – das tue ich, weil ich es will. Weil ich leben will.
Nicht nur funktionieren.

Und ja: Es wäre Zeit, mir eine Chance zu geben.
Nicht als Gnade – sondern als Vertrauen.
Als Möglichkeit, zu zeigen, was ich kann. Was ich beitragen kann.
Was ich bin.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Das alles ist ein Geschenk.
Dass ich das heute sagen kann. Dass ich das spüre. Dass ich lebe – auf meine Weise. Alles Liebe Ilka

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