Ein persönlicher Beitrag von Ilka Hannig
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text schreibe – aber manchmal muss man aussprechen, was weh tut.
Ich lebe mit Persönlicher Assistenz im Arbeitgeber*innen-Modell. Das bedeutet: Ich bin Arbeitgeberin, ich organisiere meinen Alltag selbst – mit Assistenzkräften, die ich einstelle, einarbeite, bezahle. Das gibt mir Freiheit, Selbstbestimmung, Würde.
Doch wenn ich ehrlich bin, spüre ich immer häufiger, wie wackelig dieses Modell gerade wird – politisch, finanziell, personell. Besonders an Wochenenden oder Feiertagen zeigt sich, was viele verdrängen: Teilhabe ist kein Selbstläufer. Sie braucht Strukturen. Sie braucht Menschen. Sie braucht Ressourcen. Und wenn die fehlen, bleibt von Inklusion oft nur das schöne Wort.
Ich habe den Bericht in der kobinet-nachricht vom 26.07.2025 gelesen – eine Heilerziehungspflegerin beschreibt, wie Menschen in ihrer Einrichtung selbst am Wochenende kaum nach draußen kommen. Zu wenig Personal, zu viel Belastung, zu wenig Zeit.
Das trifft mich. Persönlich.
Denn auch ich kenne diese Barrieren. Wenn Assistenzen krank werden. Wenn das Budget nicht reicht. Wenn Antrag A auf Bescheid B wartet. Wenn Teilhabe plötzlich eine Frage des Kalenders wird. Dabei ist sie ein Menschenrecht – kein Terminwunsch.
Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention garantiert das Recht auf ein Leben in der Gemeinschaft. Auch § 78 SGB IX sichert soziale Teilhabe zu – ausdrücklich auch in Form von Freizeit und kulturellem Leben. Und trotzdem sehen die Realitäten oft anders aus. Es klaffen Lücken zwischen Gesetzen und gelebtem Alltag. Zwischen Anspruch und Möglichkeit.
Darum habe ich angefangen, etwas zu verändern. Ich gründe gerade den Verein AssistenzGestalten e.V. – weil ich glaube, dass Persönliche Assistenz mehr braucht als Lippenbekenntnisse. Wir wollen informieren, beraten, sichtbar machen – und zeigen, dass Selbstbestimmung kein Luxus ist, sondern Grundrecht.
Hier geht’s zur Website: http://www.assistenzgestalten.de
Mailkontakt: kontakt@assistenzgestalten.de
Und hier meine persönliche Crowdfunding-Kampagne:
http://www.startnext.com/ich-bin-ilka-und-ich-gebe-nich
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ein Spaziergang kein organisatorischer Kraftakt sein muss. In der Pflegekräfte nicht ausbrennen, weil sie zu viel und zu lange allein stemmen. In der Teilhabe keine Ausnahme ist – sondern die Regel.
Denn Inklusion endet nicht am Freitag um 17 Uhr. Sie lebt – oder sie scheitert – jeden Tag.
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Wenn du willst, kann ich dir diesen Text zusätzlich als druckbare Version oder für deine Vereinsunterlagen formatieren.
