von Ilka Hannig
2025 fühlt sich an wie ein Jahr, in dem viel gesagt – aber wenig gehalten wird. Gerade im Bereich der Inklusionspolitik erleben wir eine Diskrepanz zwischen schönen Worten und schmerzhaften Realitäten. Während sich die Politik nach außen für Gleichstellung und Teilhabe feiert, geraten Menschen wie ich real unter Druck. Denn das Arbeitgeber*innen-Modell in der Persönlichen Assistenz steht massiv unter Beschuss – politisch, finanziell, strukturell.
Ich lebe mit Behinderung und bin auf Persönliche Assistenz angewiesen. Im Arbeitgeberinnen-Modell bedeutet das: Ich stelle meine Assistentinnen selbst ein, entscheide über Arbeitszeiten, organisiere meinen Alltag eigenverantwortlich. Es ist herausfordernd – aber es ist vor allem: selbstbestimmt. Genau das, was mit der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Bundesteilhabegesetz eigentlich politisch gewollt sein sollte.
Aber statt Unterstützung zu erfahren, wird dieses Modell nun durch fehlende politische Anerkennung gefährdet. Der Berliner Senat weigert sich, den zwischen ver.di und dem Arbeitgeberinnenverband AAPA vereinbarten Tarifvertrag vollständig anzuerkennen und zu refinanzieren. Das heißt: Meine Assistentinnen sollen künftig für dieselbe Tätigkeit deutlich weniger verdienen als Kolleg*innen bei Assistenzdiensten. Bereits jetzt sind es rund 340 Euro weniger im Monat – ab 2026 droht ein noch größerer Unterschied.
Was das bedeutet? Meine Assistent*innen könnten sich gezwungen sehen, zu besser bezahlten Diensten zu wechseln. Und ich? Würde damit gezwungen, wieder in starre Dienstmodelle zurückzukehren. Damit verliere ich nicht nur Arbeitskräfte – ich verliere meine Autonomie. Es geht hier nicht um irgendeinen Lohnstreit. Es geht um Existenzen. Um Selbstbestimmung. Um ein Leben, das ich mir Stück für Stück aufgebaut habe – und das mir unter den Füßen weggezogen werden könnte.
Dabei ist das Arbeitgeber*innen-Modell nicht nur für uns Betroffene wirksam und menschenwürdig. Es ist nachweislich auch kosteneffizienter für die öffentliche Hand als Dienstleistungsmodelle. Trotzdem erleben wir gerade eine fatale Abwertung dieses Modells – mit allen Konsequenzen. Und die Politik schweigt oder vertröstet.
Ich habe deshalb AssistenzGestalten e. V. (in Gründung) ins Leben gerufen. Weil ich nicht mehr abwarten will, bis über uns entschieden wird. Wir brauchen eine unabhängige Interessenvertretung, die laut ist, wenn andere still bleiben. Und wir brauchen ein Netzwerk, das nicht nur verwaltet, sondern unterstützt, begleitet und stärkt.
Ich weiß, dass ich nicht allein bin. Und ich weiß auch: Selbstbestimmung ist kein Privileg – sie ist ein Recht. Deshalb kämpfe ich weiter. Für mich. Für andere. Für alle, die an einer wirklich inklusiven Gesellschaft mitarbeiten wollen.
Meine persönliche Kampagne findest du hier:
http://www.startnext.com/ich-bin-ilka-und-ich-gebe-nich
Website des Vereins: http://www.assistenzgestalten.de
Kontakt: ilka_hannig@web.de
Verein: kontakt@assistenzgestalten.de
