Inklusion 2025 – Warum ist das eigentlich immer noch so schwer?


von Ilka Hannig

Ehrlich gesagt: Ich mache mich nicht für Inklusion stark, weil ich irgendwelche Ideale vertreten will oder in der Politik mitmischen möchte. Ich tue es, weil ich einfach nur mein Leben leben will. Mit einem Job. Mit Alltag. Mit ganz normalen Dingen. Mehr nicht.

Und trotzdem fühlt es sich oft so an, als müsste ich dafür kämpfen. Immer wieder. Für Zugänge, für Chancen, für Selbstverständlichkeit. Und ich frage mich: Warum eigentlich?

Es passiert ja einiges – zumindest auf dem Papier. Das Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarkts z. B. ist ein guter Schritt. Seit 2024 müssen Unternehmen, die keinen einzigen schwerbehinderten Menschen beschäftigen, deutlich mehr Ausgleichsabgabe zahlen. Das soll endlich einen Anreiz setzen, Türen zu öffnen statt Ausreden zu finden.

Auch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das im Juni 2025 in Kraft tritt, ist wichtig. Endlich müssen bestimmte Produkte und Dienstleistungen – wie Bankterminals oder Webseiten – barrierefrei sein. Es wird höchste Zeit, dass digitale Teilhabe nicht länger ein Luxus für wenige bleibt, sondern ein Recht für alle wird.

Aber trotzdem spüre ich: Vieles bleibt auf halbem Weg stehen. Viele Systeme sind einfach nicht für Vielfalt gebaut. Und oft kommt mir die Frage: Warum stellt sich die Gesellschaft eigentlich so an?

Die Antwort ist ehrlich, wenn auch unbequem: Weil Inklusion Veränderung bedeutet. Und das mögen viele nicht.
Inklusion heißt, sich von der alten Idee der „Normalität“ zu verabschieden – und eine Gesellschaft zu gestalten, in der Menschen verschieden sein dürfen, ohne ausgeschlossen zu werden. Es heißt, Systeme umzubauen, Gewohnheiten zu überdenken, Macht zu teilen. Und das macht Angst.

Aber ohne diese Veränderungen bleibt alles beim Alten – und das kann doch niemand ernsthaft wollen.
Viele denken: „Warum sollen wir alles ändern – nur für ein paar?“
Aber das ist ein Denkfehler. Es geht nicht um ein paar, es geht um eine Gesellschaft, die für alle da ist. Inklusion macht unsere Welt verständlicher, menschlicher, flexibler – nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern für uns alle.

Und ja: Es fehlt oft einfach an Erfahrung und Kontakt. Wer nie mit Inklusion zu tun hatte, denkt oft in Klischees. Und Unsicherheit wird dann zu Ablehnung, bevor überhaupt ein Gespräch stattfindet.

Was mich dabei richtig nervt: Diese große Kluft zwischen Reden und Handeln. Es wird so viel über Offenheit und Vielfalt gesprochen – aber sobald es konkret wird, kommt: „Zu teuer“, „Zu kompliziert“, „Passt grad nicht“. Ganz ehrlich? Das sind Ausreden, keine Argumente.

Inklusion ist unbequem. Aber sie ist richtig. Und sie ist nötig.

Ich glaube, was uns fehlt, ist Konsequenz. Nicht nur in der Politik – auch im Alltag, im Denken, im ganz normalen Miteinander. Ich wünsche mir, dass wir endlich aufhören, Inklusion als „Zusatzaufgabe“ zu betrachten. Sie ist kein Extra. Sie ist ein Menschenrecht.

Und ja – ich bin müde von Lippenbekenntnissen. Aber ich bin auch noch nicht hoffnungslos. Weil ich Menschen sehe, die etwas verändern wollen. Weil ich sehe, wie langsam, aber sicher etwas in Bewegung kommt. Und weil ich fest daran glaube: Eine Gesellschaft, die Platz für alle schafft, wird für alle besser.

Deshalb gründe ich gerade den Verein „AssistenzGestalten e.V.“ –
ein Ort für Austausch, Fortbildung, politische Arbeit und Vernetzung im Bereich Persönliche Assistenz.

Und parallel läuft unsere Crowdfunding-Kampagne, um genau diese Arbeit zu ermöglichen:

Mehr erfahren und unterstützen:
http://www.assistenzgestalten.de
http://www.startnext.com/assistenzgestalten

Denn: Inklusion beginnt da, wo wir Verantwortung übernehmen.

Ilka Hannig
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