Ein persönlicher Einblick von Ilka Hannig
Ich wurde in letzter Zeit öfter gefragt, was eigentlich dieses „Arbeitgebermodell“ im Rahmen des Persönlichen Budgets bedeutet – und warum ich mich genau dafür entschieden habe. Deshalb möchte ich euch heute einmal mitnehmen in eine Lebensrealität, die viele gar nicht kennen.
Im sogenannten Arbeitgebermodell bin ich als Mensch mit Behinderung selbst verantwortlich für die Organisation meiner Assistenz. Das heißt: Ich stelle meine Assistenzkräfte selbst ein, schreibe die Verträge, plane die Arbeitszeiten, organisiere die Urlaube, bin zuständig für Abrechnungen und im Zweifelsfall auch für arbeitsrechtliche Fragen. Ich bin nicht einfach nur Nutzerin einer Leistung – ich bin Arbeitgeberin. Und das verändert alles.
Möglich ist das durch das Persönliche Budget, geregelt in § 29 SGB IX. Dieses Geld wird mir bewilligt, damit ich die Assistenz, die ich für ein selbstbestimmtes Leben brauche, eigenverantwortlich finanzieren kann. Grundlage dafür ist das Wunsch- und Wahlrecht aus § 8 SGB IX. Das klingt zunächst großartig – und das ist es auch, weil es echte Teilhabe ermöglicht. Denn Assistenz bedeutet in meinem Fall nicht Pflege im klassischen Sinne. Es bedeutet: gemeinsam Alltag gestalten, Mobilität sichern, Kommunikation ermöglichen, Lebensqualität schaffen.
Aber ich will auch ehrlich sein: Das Arbeitgebermodell ist kein Selbstläufer. Es bringt enorme Verantwortung mit sich. Ich muss Konflikte klären, Dienstpläne bei Ausfällen neu strukturieren, mich mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten abstimmen. Es ist ein Job – zusätzlich zu dem Alltag mit Behinderung. Und es gibt kaum Schulungen oder Strukturen, die mich dabei unterstützen. Gesetze wie § 78 SGB IX sprechen von Assistenz zur sozialen Teilhabe – aber wer diese Assistenz organisiert, wird meist allein gelassen.
Darum gründe ich den Verein AssistenzGestalten e.V. – aus eigener Erfahrung. Weil ich weiß, wie überfordernd die Rolle als Arbeitgeber:in sein kann, wie groß die Lücken im System sind und wie wenig Austausch es gibt. Ich wünsche mir eine Plattform für Wissen, Austausch, Unterstützung – für alle, die Assistenz leben, organisieren oder geben.
Und ich mache all das nicht, weil ich es muss – sondern weil ich daran glaube, dass Inklusion nur funktioniert, wenn Menschen die Kontrolle über ihr Leben behalten dürfen. Persönliche Assistenz ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht. Verankert in Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention. Und doch so oft gefährdet, weil Bürokratie, Unwissen und Unterfinanzierung dem im Weg stehen.
Ich werde oft gefragt: Warum tust du dir das an?
Meine Antwort: Weil ich lieber gestalte als verwaltet werde.
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