Inklusion braucht Demokratie – und Demokratie braucht Inklusion.


Von Ilka Hannig

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn über einen entschieden wird – aber nicht mit einem. Wenn man Teil eines Systems ist, das Teilhabe verspricht, aber in der Realität oft ausgrenzt. Genau deshalb sage ich heute ganz bewusst: Inklusion braucht Demokratie – und Demokratie braucht Inklusion.

Inklusion bedeutet mehr als ein barrierefreier Zugang oder ein Platz am Tisch. Es bedeutet: gehört werden, gefragt werden, mitentscheiden dürfen. Und das ist ein zutiefst demokratisches Prinzip.

Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes sagt ganz klar: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) verpflichtet öffentliche Stellen zur Barrierefreiheit und zur aktiven Einbindung von Menschen mit Behinderung.
Das Neunte Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) formuliert den Anspruch auf Selbstbestimmung und Teilhabe.
Und die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) – die in Deutschland seit 2009 geltendes Recht ist – verpflichtet den Staat dazu, Menschen mit Behinderung nicht nur zu „integrieren“, sondern ihnen die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.

Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt eine große Lücke. Zu viele Entscheidungen werden ohne die Betroffenen getroffen. Zu oft fehlt die politische Repräsentation. Zu oft heißt es „Das geht so nicht“ – und nicht „Wie können wir das möglich machen?“

Für mich ist klar: Inklusion kann nur in einer Demokratie wirklich wachsen. Denn nur eine Demokratie gibt Menschen das Recht, mitzugestalten, mitzureden, mitzubestimmen. Aber diese Demokratie muss sich auch selbst hinterfragen: Wo sind Menschen mit Behinderung heute wirklich eingebunden? Wo haben sie echte Macht – und nicht nur symbolische Plätze?

Ich gründe gerade den Verein AssistenzGestalten e.V., weil ich zeigen will: Persönliche Assistenz ist mehr als Pflege – sie ist Teilhabe, Freiheit, Verantwortung. Und ich arbeite mit einem Team an einer Notfall-Assistenz-App, weil ich weiß, wie fragil Teilhabe wird, wenn Assistenz plötzlich wegbricht.

Echte Inklusion bedeutet: Ich darf sein, wie ich bin – und ich darf mitentscheiden. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Nicht irgendwo, sondern überall.

Denn ohne Inklusion ist Demokratie nicht vollständig. Und ohne demokratische Strukturen kann Inklusion nicht wachsen.

http://www.assistenzgestalten.de
http://www.startnext.com/assistenzgestalten

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