Ohne Fachkräfte keine Teilhabe.


Von Ilka Hannig

Wir sprechen gerade überall vom Fachkräftemangel – in der Pflege, in der Betreuung, in Kitas. Aber kaum jemand spricht darüber, wie dramatisch dieser Mangel auch die persönliche Assistenz betrifft. Für viele Menschen mit Behinderung – so wie mich – ist persönliche Assistenz die Grundlage für Selbstbestimmung. Und wenn Fachkräfte fehlen, dann bricht nicht nur der Alltag zusammen – sondern auch ein Stück Freiheit.

Ich lebe mit Assistenz im sogenannten Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich bin selbst verantwortlich für die Auswahl meiner Assistent:innen, für Dienstpläne, Verträge, Abrechnungen. Und gleichzeitig bin ich auf diese Menschen angewiesen, jeden Tag. Wenn jemand ausfällt, gibt es keinen Ersatzdienst. Dann bleibe ich im Bett, der Einkauf fällt aus, Termine werden abgesagt. Und das passiert leider häufiger, als man denkt.

Dabei ist Assistenz ein verantwortungsvoller Beruf – aber er ist nicht anerkannt. Es gibt keine bundesweite Ausbildung, kaum Fortbildungsmöglichkeiten, keine Tarifbindung, keine klare Berufsdefinition. Viele steigen ohne Vorbereitung in den Job ein. Das führt zu Unsicherheit auf beiden Seiten – und zu Frustration.

Genau deshalb habe ich begonnen, den Verein AssistenzGestalten e.V. zu gründen. Der Verein befindet sich derzeit noch im Aufbau. Unser Ziel ist es, Fortbildung und Begleitung zu ermöglichen – für Assistenznehmer:innen und Assistent:innen. Wir möchten ein Ort sein für Austausch, für Praxiswissen, für politische Sichtbarkeit. Denn ohne engagierte, gut vorbereitete Menschen in der Assistenz ist Teilhabe kaum umsetzbar.

Wer über Inklusion spricht, darf das Thema Assistenz nicht ausblenden. Und wer über Assistenz spricht, darf die Arbeitsbedingungen der Menschen, die sie leisten, nicht vergessen.

Denn ohne Fachkräfte gibt es keine Assistenz – und ohne Assistenz keine Teilhabe.

http://www.assistenzgestalten.de
http://www.startnext.com/assistenzgestalten

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