Heute war ein stiller Tag. Kein großer Trubel, kein Feuerwerk – aber dennoch einer dieser Tage, an denen ich wieder spüre, wie viel Tiefe in den kleinen Momenten steckt.
Am Vormittag habe ich wie gewohnt an meiner Netzwerkarbeit gesessen – Nachrichten beantwortet, Kontakte gepflegt, Menschen geschrieben, die mich unterstützen oder begleiten könnten. Diese stillen, fast unsichtbaren Fäden sind es, die mein Projekt zusammenhalten. Es ist manchmal mühsam, aber gleichzeitig auch schön zu wissen: Verbindung entsteht leise.
Besonders berührt hat mich ein Gespräch mit Unterstützer:innen, in dem wir über Ideen für die zukünftige Vereinsarbeit gesprochen haben. Da war so viel Mitgefühl, Interesse, echtes Mitdenken. Es sind diese kleinen Lichter, die Hoffnung schenken, wenn die Tage mal wieder schwerer sind.
Am Nachmittag habe ich dann ganz bewusst eine Pause gemacht. Ich musste privat einiges erledigen, manches hat sich aufgestaut. Und ich habe beschlossen, eine kleine Reise, die ich für Ende April geplant hatte, auf Mitte Mai zu verschieben. Weil: Ohne Assistenz keine Reise.
Der Personalmangel ist da – und das ist eine Realität, mit der ich leben muss. Aber manchmal schmerzt sie mehr, als ich zugeben mag.
Und ja, mir hängt die Jahresabrechnung vom letzten Jahr noch immer nach. Das ist kein rein bürokratischer Akt für mich – es ist jedes Mal auch eine Erinnerung daran, wie eng vieles ist. Ich hatte letzte Nacht Bauchschmerzen, konnte schlecht schlafen, weil mich diese Dinge beschäftigen. Auch meine Finanzen. Denn von Grundsicherung und voller Erwerbsminderung bleibt am Monatsende nicht viel.
Und ich zahle Kredite ab – nicht aus Leichtsinn, sondern weil es ohne sie viele Dinge nie gegeben hätte.
Manchmal frage ich mich, ob ich das alles so offen erzählen darf. Ob es zu viel ist.
Aber dann denke ich: Doch. Es gehört dazu.
Es ist ein Teil meines Lebens – und auch ein Teil der Motivation hinter dem, was ich aufbaue. Ich will mir selbst eine Perspektive schaffen. Einen Job, der nicht nur irgendwie geht – sondern der sinnvoll ist. Für mich. Für andere.
Ich will kein Mitleid.
Ich wünsche mir Verständnis.
Weil das Leben mehr Blickwinkel verdient. Und weil wir genau deswegen Inklusion brauchen. Nicht als Schlagwort, sondern als echte Haltung.
Heute war kein lauter Tag. Aber ein ehrlicher. Und das ist manchmal das Wichtigste.
Alles Liebe,
Ilka
