Wer mit persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell lebt, entscheidet sich für ein hohes Maß an Selbstbestimmung – aber auch für sehr viel Verantwortung. Man wird zur Arbeitgeberin oder zum Arbeitgeber im eigenen Zuhause. Man führt Bewerbungsgespräche, stellt Dienstpläne auf, regelt Urlaube, springt bei Konflikten ein. Alles inmitten des eigenen Lebens – das ohnehin schon viel Organisation verlangt.
Doch was passiert, wenn plötzlich jemand ausfällt?
Wenn eine Assistenzkraft kurzfristig krank wird, kündigt oder einfach nicht auftaucht? Dann brechen Pläne weg. Tagesabläufe geraten ins Wanken. Arzttermine, Therapien oder selbst ganz banale Dinge wie Essen oder Körperpflege – sie werden plötzlich zu einer Herausforderung. Denn anders als in einer Institution gibt es im privaten Arbeitgebermodell keinen Springerpool oder Notdienst.
Und das zeigt ein zentrales Problem:
Nicht jede Assistenzkraft ist sich der Verantwortung bewusst, die dieser Beruf mit sich bringt. Viele kommen aus ganz anderen Lebensrealitäten und unterschätzen, wie existenziell ihr Job für uns ist. Manche sind nicht bereit, in Notsituationen einzuspringen – verständlich aus individueller Sicht, aber für uns Assistenznehmer:innen kann das massive Folgen haben.
Deshalb plane ich aktuell die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, der genau hier ansetzt.
Ich möchte Fortbildungen für Assistenzkräfte ermöglichen. Ich möchte Grundlagen vermitteln: Was bedeutet persönliche Assistenz wirklich? Welche Verantwortung bringt sie mit sich – auch menschlich? Wo beginnt Professionalität? Und wie kann man fair und klar miteinander kommunizieren?
Denn ich bin überzeugt:
Gute Assistenz ist kein Zufall. Sie ist eine Haltung. Und dafür braucht es Wissen, Austausch und Begleitung – auf beiden Seiten.
Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam an einem System arbeiten, das nicht nur für Selbstbestimmung steht, sondern auch für Verlässlichkeit, Respekt und Sicherheit.
Denn persönliche Assistenz ist kein Job wie jeder andere – sie ist der Schlüssel zum Leben.
