Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig
Ich schreibe diesen Text nicht aus Wut, sondern aus Enttäuschung. Und aus Verantwortung. Denn was gerade in Berlin geschieht, betrifft nicht nur mich – es betrifft eine ganze Gruppe von Menschen, die tagtäglich für ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben kämpfen.
Ich bin Ilka Hannig, lebe mit körperlicher Behinderung, bin voll erwerbsgemindert und organisiere mein Leben seit vielen Jahren mit persönlicher Assistenz im Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich stelle meine Assistent:innen selbst ein, mache Dienstpläne, führe Gespräche, rechne Löhne ab. Ich bin Arbeitgeberin – mit Herz, mit Verantwortung, mit Engagement.
Aber statt Unterstützung erfahre ich Widerstand.
Statt fairer Bedingungen begegnet mir Misstrauen.
Statt Anerkennung gibt es Bürokratie, Stigmatisierung und systematische Benachteiligung.
Das Arbeitgebermodell wird in Berlin gerade aktiv geschwächt.
Menschen wie ich sollen Assistent:innen beschäftigen, aber nicht tariflich bezahlen dürfen. Zuschläge für Nacht-, Wochenend- oder Feiertagsarbeit werden oft nicht refinanziert – obwohl Pflegedienste genau dafür Mittel bekommen. Dabei sind es genau wir, die flexibel, nah und individuell versorgen – und das zu geringeren Kosten als Dienste.
Was hier passiert, ist mehr als ein Streit um Tarife.
Es ist eine politische Entscheidung, Menschen mit Behinderung in die Abhängigkeit zurückzudrängen.
Und deshalb braucht es jetzt unsere Stimmen.
Am Mittwoch, den 10. April von 10 bis 13 Uhr findet vor der Senatsverwaltung in der Luckenwalder Straße 4–6 ein Protest statt. Für faire Bedingungen. Für Selbstbestimmung. Für Menschenrechte.
Wir von AssistenzGestalten e.V. stehen an der Seite all jener, die im Arbeitgebermodell leben – oder leben möchten. Unser Verein will Räume schaffen: für Austausch, für politische Sichtbarkeit, für praktische Unterstützung. Wir glauben an das Recht, über das eigene Leben zu bestimmen – unabhängig von körperlichen Voraussetzungen.
Ich will keine Sonderregelungen. Ich will Gerechtigkeit.
Ich will arbeiten dürfen – und nicht nur verwaltet werden.
Ich will, dass persönliche Assistenz als das anerkannt wird, was sie ist:
Ein tragendes Element echter Inklusion.
Wenn du das auch willst, dann komm mit uns auf die Straße.
Oder teile diese Nachricht. Denn wer heute schweigt, trägt morgen die Konsequenzen.
Ilka Hannig
Gründungsmitglied | AssistenzGestalten e.V.
info@assistenzgestalten.de
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