von Ilka Hannig
In den letzten Wochen habe ich viel über meine App-Idee gesprochen – die Notfall-Assistenz-App. Sie war der erste Impuls, aus dem sich etwas viel Größeres entwickelt hat: die Idee, eine Plattform und einen Verein zu gründen, um persönliche Assistenz im sogenannten Arbeitgebermodell neu zu denken und besser zu gestalten.
Diese App ist ein wichtiger Teil meines Vorhabens – sie wird später ein zentrales Werkzeug innerhalb der Plattform sein. Doch sie ist nicht das ganze Projekt. Mein Ziel ist ein ganzheitlicher Ansatz, der digitale Unterstützung, gesellschaftliche Sichtbarkeit, politische Arbeit und konkrete Hilfestellung miteinander verbindet. Die App soll akute Notlagen abfedern – doch es braucht auch Räume für Austausch, Wissen, Strukturen und gemeinsame Interessenvertretung. Deshalb gründe ich AssistenzGestalten e.V.
Für alle, die meine App-Idee noch nicht kennen: Die Notfall-Assistenz-App soll Menschen mit Assistenzbedarf und persönliche Assistent:innen schnell, flexibel und situationsbezogen miteinander vernetzen. Im Mittelpunkt steht die kurzfristige Vermittlung bei Ausfällen – also dann, wenn eine Assistenzkraft plötzlich verhindert ist und schnell Ersatz benötigt wird. Darüber hinaus sind Funktionen wie Dienstplanung, interne Kommunikation, digitale Vertretungsregelungen und perspektivisch auch Abrechnungstools geplant – natürlich barrierefrei und datenschutzkonform.
Ich heiße Ilka Hannig, bin 46 Jahre alt, lebe mit einer körperlichen Behinderung, bin voll erwerbsgemindert und beziehe Grundsicherung. Seit vielen Jahren lebe ich mit persönlicher Assistenz – und zwar im Arbeitgebermodell. Das bedeutet: Ich stelle meine Assistent:innen selbst ein, mache Dienstpläne, rechne Löhne ab, schreibe Verträge, kümmere mich um alles. Ich bin Arbeitgeberin – mit Verantwortung, aber ohne die Unterstützung, die andere Arbeitgeber:innen selbstverständlich in Anspruch nehmen können.
Persönliche Assistenz heißt für mich: Ich brauche Hilfe bei allem, was den Alltag betrifft – beim Aufstehen, bei der Körperpflege, beim Essen, beim Rausgehen, bei der Organisation meiner Arbeit, bei Behördengängen. Dieses Modell gibt mir Selbstbestimmung – aber es fordert auch sehr viel. Es gibt keine zentrale Anlaufstelle, die mich auffängt, wenn es kompliziert wird. Kein digitales System, das mir Organisation abnimmt. Keine politische Lobby, die für mich spricht.
Deshalb ist es mir so wichtig, AssistenzGestalten e.V. ins Leben zu rufen. Der Verein soll Menschen mit Assistenzbedarf, persönliche Assistent:innen, Angehörige und politische Akteur:innen zusammenbringen. Wir wollen Wissen teilen, Schulungen anbieten, Musterverträge, Checklisten und Tutorials bereitstellen. Wir wollen das Berufsbild der persönlichen Assistenz aufwerten – und deutlich machen, dass dieses Modell nicht nur funktioniert, sondern zukunftsfähig ist. Wir wollen eine Plattform aufbauen, auf der man sich vernetzen, informieren und stärken kann.
Dabei gehören App und Verein für mich zusammen – aber sie funktionieren unabhängig voneinander. Die App ist ein Werkzeug, das im Alltag hilft. Der Verein ist die Struktur, die darüber hinausgeht: als Netzwerk, als Stimme, als Gemeinschaft. Es ist mir wichtig, dass die App nicht allein stehen bleibt – sie braucht Kontext, Begleitung, politische Einbettung. Und der Verein braucht Werkzeuge, die im Alltag funktionieren.
Ich sehe mein Vorhaben als ganzheitliches Projekt: Es verbindet persönliche Erfahrung, technische Innovation, gesellschaftliche Verantwortung und politische Veränderung. Es geht nicht darum, noch ein Projekt zu machen – sondern darum, endlich Strukturen zu schaffen, die wirklich tragen. Für uns alle, die mit Assistenz leben, arbeiten oder sie ermöglichen.
Wenn du mehr erfahren möchtest, mitwirken willst oder einfach neugierig bist – schreib mir gern.
Ilka Hannig
