Was wird die zukünftige Bundesregierung für persönliche Assistenz und Inklusion tun?



Ein persönlicher Bericht von Ilka Hannig

Wenn man – wie ich – mit persönlicher Assistenz lebt, verfolgt man jede politische Entwicklung mit gespannter Hoffnung. Denn ob unser Alltag funktioniert oder zur täglichen Kraftprobe wird, hängt oft von Entscheidungen ab, die auf Bundesebene getroffen werden.

Die neue Bundesregierung – eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP – hat sich viel vorgenommen: Ein inklusiver Arbeitsmarkt, ein barrierefreies Gesundheitswesen, mehr Teilhabe. Klingt gut – doch viele dieser Versprechen aus dem Koalitionsvertrag warten noch auf konkrete Umsetzung. Der angekündigte Aktionsplan für ein inklusives Gesundheitssystem ist zum Beispiel bis heute nicht umgesetzt.

Und genau hier wird es ernst. Denn persönliche Assistenz ist kein Zukunftsthema – sie ist tägliche Realität.

Die gesetzliche Grundlage dafür ist im Sozialgesetzbuch IX (§ 78 SGB IX) festgeschrieben. Hier wird klar geregelt: Menschen mit Behinderungen haben Anspruch auf Assistenzleistungen, wenn sie regelmäßig auf Unterstützung angewiesen sind – z. B. bei der Alltagsbewältigung, in der Pflege, in der Kommunikation oder bei Mobilität.

Durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde das Angebot erweitert:
Es gibt nun auch Elternassistenz, Assistenz im Krankenhaus, sowie neue Regelungen für Personen, die ihre Assistenz selbst organisieren wollen – etwa im Arbeitgebermodell. Anspruch besteht bei einem regelmäßigen Unterstützungsbedarf von mindestens fünf Stunden täglich.

Das Problem ist nur: Was auf dem Papier gut geregelt scheint, ist in der Praxis oft schwer erreichbar.
Die Anträge sind bürokratisch, die Umsetzung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, und wer keine professionelle Unterstützung hat, gerät schnell an seine Grenzen.

Dazu kommen offene Fragen:
Wer hilft mir im Notfall?
Was ist, wenn meine Assistenzkraft plötzlich ausfällt?
Wie finde ich gute Leute, wenn der Markt leergefegt ist?

Und genau da setzt meine Idee an – mit einer Notfall-Assistenz-App, die in solchen Momenten helfen soll. Und mit einem Verein, der Beratung, Supervision und Unterstützung organisiert – für Assistenznehmer:innen und Assistent:innen.

Was ich mir von der neuen Regierung wünsche?

Klare und einheitliche Regelungen, bundesweit – unabhängig vom Wohnort

Weniger Bürokratie, mehr praktische Unterstützung

Faire Bezahlung und Qualifizierung für Assistent:innen

Mitsprache auf Augenhöhe, nicht über unsere Köpfe hinweg

Und vor allem: eine politische Kultur, die uns nicht als Kostenfaktor, sondern als Menschen sieht


Ich bin bereit, mit meiner Erfahrung, meinen Ideen und meiner Stimme mitzugestalten – und ich hoffe, die neue Regierung ist es auch.

Ilka Hannig
Ilka_Hannig@web.de

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