Ein Gedanke von Ilka Hannig
Ich bin kein Profi in Wirtschaft oder Politik – ich bin einfach jemand, der mit persönlicher Assistenz lebt. Und trotzdem frage ich mich seit einiger Zeit: Wäre es nicht sinnvoll, die persönliche Assistenz stärker an die Wirtschaft anzugliedern?
Vielleicht würde sie dann besser finanziert werden. Vielleicht gäbe es dann klarere Strukturen, mehr Flexibilität und gezieltere Förderung. Ich meine, ich bin nur ein Laie – aber würde das nicht das ganze System durchlässiger und vielleicht auch zukunftsfähiger machen?
Derzeit ist persönliche Assistenz rechtlich im Sozialrecht verankert – besonders im Sozialgesetzbuch IX (SGB IX), das die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen regelt. Dort ist auch das Persönliche Budget (§ 29 SGB IX) verankert, mit dem Menschen mit Behinderungen ihre Assistenzleistungen selbstbestimmt organisieren können.
Seit 2008 gibt es einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget, was eine große Errungenschaft war. Auch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) verfolgt den Ansatz, die Eingliederungshilfe neu auszurichten – personenzentriert, sozialraumorientiert, im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. Das klingt auf dem Papier sehr gut – und ist es im Kern auch.
Aber in der Praxis fehlt oft der nächste Schritt: die echte strukturelle und wirtschaftliche Absicherung. Fortbildungen? Supervision? Digitale Innovationen? Häufig nicht im Budget vorgesehen – oder nicht förderfähig.
Doch wenn persönliche Assistenz als gesellschaftlich relevante Dienstleistung mit wirtschaftlichem Denken mitgedacht würde – nicht gewinnorientiert, sondern professionell und förderfähig –, könnte man genau diese Lücken schließen.
Ich glaube, das würde vieles verändern:
Assistenzkräfte könnten bessere Einstiegsmöglichkeiten bekommen, Schulungen, Standards, mehr Anerkennung.
Assistenznehmer:innen hätten vielleicht endlich Ansprechpartner, Unterstützung bei Führungsfragen, rechtliche Hilfestellung.
Und das System könnte sich weiterentwickeln – mit digitalen Tools, flexiblen Modellen, innovativen Ansätzen.
Vor allem aber würde sich die Sichtweise auf uns, die mit Assistenz leben, verändern. Weg vom Bild der „Leistungsempfängerin“ – hin zur Arbeitgeberin, Gestalterin, Teil der Gesellschaft.
Vielleicht ist es an der Zeit, all das nicht nur sozialrechtlich, sondern auch wirtschaftlich neu zu denken – im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des Grundgesetzes. Denn Artikel 3 des Grundgesetzes sagt ganz klar: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Und doch wird vielen von uns durch strukturelle Barrieren die echte Teilhabe verwehrt.
Ich weiß nicht, ob das alles so umsetzbar wäre. Aber ich finde, der Gedanke ist es wert, laut gedacht zu werden.
Ich will nicht nur verwaltet werden – ich will mitgestalten.
Wenn du Gedanken, Ideen oder Erfahrungen dazu hast – ich freue mich über Austausch:
Ilka_Hannig@web.de
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