von Ilka Hannig
Ein eigenes Unternehmen zu gründen ist nie einfach. Doch für Menschen mit Behinderung, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind – insbesondere mit voller Erwerbsminderung –, ist es oft noch schwieriger. Bürokratische Hürden, finanzielle Unsicherheiten und unflexible gesetzliche Vorgaben machen es fast unmöglich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Und doch habe ich mich entschieden, genau diesen Weg zu gehen – weil meine Idee gebraucht wird und weil ich nicht akzeptieren will, dass bestehende Strukturen mich daran hindern.
Ich lebe mit einer körperlichen Einschränkung und erhalte Grundsicherung sowie die volle Erwerbsminderungsrente. Diese Leistungen sichern meinen Lebensunterhalt, aber sie schränken mich gleichzeitig massiv ein, wenn ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte. Denn sobald ich Einkommen erziele, wird es auf meine staatlichen Leistungen angerechnet. Das bedeutet, dass ich erst lange arbeiten muss, bevor ich finanziell überhaupt einen Vorteil daraus ziehe. Gleichzeitig gibt es keine klaren Regelungen dazu, wie lange ich eine Selbstständigkeit erproben kann, ohne dass ich sofort finanzielle Einbußen erleide oder meine Erwerbsminderungsrente riskiere.
Besonders problematisch ist die Finanzierung meiner persönlichen Assistenz. Als „nicht erwerbsfähig“ gilt mein Anspruch auf Assistenz als gesichert. Doch was passiert, wenn ich gründe? Muss ich meine Assistenz dann selbst bezahlen, obwohl ich noch nicht genug verdiene? Genau hier fehlt eine gesetzliche Lösung für Menschen mit Behinderung, die sich selbstständig machen möchten.
Die bestehenden Gesetze sind nicht darauf ausgelegt, dass Menschen mit voller Erwerbsminderung ein Unternehmen gründen. Sie basieren auf dem Gedanken, dass man entweder gar nicht arbeitet oder höchstens in einem geschützten Rahmen tätig ist. Förderprogramme wie der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit oder das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) setzen oft voraus, dass man sich komplett selbst finanzieren kann oder Sicherheiten hat – was für mich und viele andere kaum machbar ist. Gleichzeitig bieten das Sozialgesetzbuch XII (Grundsicherung) und das Sozialgesetzbuch IX (Eingliederungshilfe) zwar Unterstützung für den Alltag, sind aber nicht darauf ausgelegt, den Schritt aus der Erwerbsunfähigkeit in die Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Trotz dieser Hindernisse werde ich es versuchen. Meine Notfall-Assistenz-App ist eine Idee, die gebraucht wird – nicht nur für mich, sondern für viele Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind. Ich habe ein starkes Team aus App-Entwicklern und Business-Experten, ein detailliertes Konzept und bereits erste Kundenanfragen. Es fehlt nur noch die finanzielle Förderung, um das Projekt umzusetzen.
Wenn jemand Ideen hat, wie ich diesen Weg trotz voller Erwerbsminderung erfolgreich gehen kann – sei es durch Kontakte, Netzwerke oder konkrete Fördermöglichkeiten – oder wer mir aktiv helfen möchte, dann freue ich mich über jede Unterstützung. Denn Inklusion sollte auch im Unternehmertum möglich sein.
