von Ilka Hannig
Dieser Bericht ist entstanden, weil ich immer wieder gefragt werde, warum es für persönliche Assistenten noch immer kein offiziell anerkanntes Berufsbild oder einen verbindlichen Leitfaden gibt. Tatsächlich ist das eine berechtigte Frage – schließlich leisten persönliche Assistenten eine essenzielle Arbeit, die vielen Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Dennoch fehlt es an einer klaren gesetzlichen Grundlage, die diesen Beruf offiziell definiert und anerkennt.
Persönliche Assistenten übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben, die je nach Bedarf der assistierten Person variieren. Sie sind nicht nur unterstützend im Alltag tätig, sondern ermöglichen auch die Teilnahme am Arbeitsleben, an Freizeitaktivitäten und an der Gesellschaft insgesamt. Trotz dieser wichtigen Rolle gibt es bislang keine offizielle Ausbildung, kein standardisiertes Berufsbild und keinen gesetzlich geregelten Leitfaden für persönliche Assistenz. Jeder kann diesen Beruf ausüben, unabhängig von Vorerfahrungen oder spezifischer Ausbildung. Während das einerseits Flexibilität bietet, führt es auch zu Unsicherheiten, sowohl für die Assistenten selbst als auch für die assistierten Personen. Es fehlen einheitliche Qualifikationsstandards, was dazu führt, dass die Qualität der Assistenz stark variieren kann. Zudem gibt es keine arbeitsrechtlichen Regelungen, die speziell auf diesen Beruf zugeschnitten sind. Das betrifft Fragen zu Gehalt, Arbeitszeiten, Urlaub oder Fortbildungen.
Besonders problematisch ist, dass die gesetzlichen Regelungen von Bundesland zu Bundesland und von Kostenträger zu Kostenträger unterschiedlich sind. Während einige Regionen erste Ansätze zur Standardisierung verfolgen, fehlt eine bundesweit einheitliche Regelung. Dadurch bleibt der Beruf in vielen Bereichen unterbewertet und wird oft nicht als eigenständige Profession wahrgenommen, sondern eher als eine individuelle Dienstleistung. Das erschwert nicht nur die öffentliche Anerkennung, sondern verhindert auch eine angemessene Bezahlung und langfristige Arbeitsplatzsicherheit für Assistenten.
Ein offizielles Berufsbild für persönliche Assistenten wäre jedoch nicht nur für die Assistenten selbst von Vorteil, sondern auch für Menschen mit Behinderungen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind. Eine gesetzliche Definition und ein verbindlicher Leitfaden würden für mehr Klarheit und Sicherheit sorgen. Assistenten hätten dadurch geregelte Arbeitsbedingungen, eine faire Entlohnung und die Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung. Gleichzeitig würde die Qualität der Assistenz durch gezielte Schulungen und Qualifizierungen verbessert werden. Dadurch würde der Beruf für mehr Menschen attraktiv, was langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken könnte.
Die bestehenden Gesetze zur Eingliederung und Teilhabe, wie das Sozialgesetzbuch IX (SGB IX) oder das Bundesteilhabegesetz (BTHG), haben zwar einige Verbesserungen gebracht, enthalten aber keine klaren Vorgaben für persönliche Assistenz als Beruf. Das Arbeitsschutzgesetz und das Mindestlohngesetz gelten zwar auch für persönliche Assistenten, aber sie berücksichtigen nicht die besonderen Arbeitsbedingungen, die mit dieser Tätigkeit verbunden sind. Es braucht eine gesetzliche Definition des Berufsbildes mit klaren Aufgabenbereichen und Mindestanforderungen, eine geregelte Ausbildung oder Qualifizierung, arbeitsrechtliche Standards für Lohn, Arbeitszeiten und soziale Absicherung sowie einen bundesweiten Leitfaden, der für alle Kostenträger verbindlich ist.
Persönliche Assistenz ist ein unverzichtbarer Bestandteil echter Inklusion. Ohne sie wäre ein selbstbestimmtes Leben für viele Menschen mit Behinderungen nicht möglich. Trotzdem fehlt bis heute eine offizielle Anerkennung als Beruf – mit allen Konsequenzen für Assistenten und Assistenznehmer. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Eine klare gesetzliche Regelung und ein einheitlicher Leitfaden würden nicht nur die Arbeitsbedingungen für Assistenten verbessern, sondern auch die Qualität der Assistenz steigern und somit die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen stärken.
Ich werde immer wieder gefragt, warum es kein offizielles Berufsbild für persönliche Assistenten gibt – und genau deshalb habe ich diesen Bericht geschrieben. Denn die Frage ist berechtigt, und die Antwort ist klar: Es gibt keinen guten Grund, warum dieser Beruf nicht längst offiziell anerkannt ist. Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern.
