Warum ist es so schwer, passende Bewerber für die persönliche Assistenz zu finden?

Ilka Hannig

Die Suche nach geeigneten Bewerbern für die persönliche Assistenz ist für viele von uns, die im Arbeitgebermodell leben, eine echte Herausforderung. Persönliche Assistenz ist weit mehr als nur ein Job – sie bedeutet, dass jemand in sehr intime und private Bereiche des Lebens eintritt. Vertrauen, Zuverlässigkeit und ein respektvoller Umgang sind dabei entscheidend. Doch genau diese Voraussetzungen machen es so schwer, passende Assistenten zu finden.

Oftmals zeigt sich bereits im Bewerbungsprozess, dass viele Interessierte kein klares Bild davon haben, was der Job als persönliche Assistenz wirklich bedeutet. Es ist kein klassischer Pflegeberuf, sondern vielmehr eine Unterstützung in allen Lebensbereichen, von der Freizeitgestaltung über die Haushaltsführung bis hin zur Begleitung zu Terminen. Das erfordert nicht nur Flexibilität, sondern auch eine hohe soziale Kompetenz und die Bereitschaft, sich auf individuelle Bedürfnisse einzulassen.

Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen in der persönlichen Assistenz oft wenig attraktiv wirken. Unregelmäßige Arbeitszeiten, spontane Einsätze und die oft nicht ausreichende Bezahlung schrecken viele potenzielle Bewerber ab. Gerade im Vergleich zu etablierten Pflegeberufen, die in tarifgebundenen Einrichtungen deutlich besser bezahlt werden, fällt die persönliche Assistenz finanziell oft hinten runter. Die fehlende Anerkennung und mangelnde Absicherung in diesem Bereich machen die Jobsuche zusätzlich schwer.

Auch die bürokratischen Hürden sind nicht zu unterschätzen. Wenn Menschen über das persönliche Budget ihre Assistenten selbst anstellen, müssen sie sich plötzlich mit Arbeitsrecht, Lohnabrechnung und Versicherungen auseinandersetzen. Das ist für viele, die selbst mit ihrer Behinderung genug zu tun haben, eine große Belastung. Gleichzeitig bedeutet das für potenzielle Assistenten oft Unsicherheit, wenn sie nicht genau wissen, wie das Anstellungsverhältnis organisiert ist.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie frustrierend es ist, wieder und wieder neue Bewerber einzuarbeiten, nur um nach wenigen Wochen wieder ohne Unterstützung dazustehen. Der ständige Wechsel belastet nicht nur den Alltag, sondern auch die Psyche. Denn persönliche Assistenz bedeutet auch, Beziehungen aufzubauen – und es tut weh, wenn diese immer wieder abrupt enden.

Umso wichtiger ist es, dass wir langfristige Lösungen finden. Die Idee meiner Notfall-Assistenz-App entstand genau aus diesem Bedarf heraus. Sie soll helfen, im Notfall schnell passende Assistenzkräfte zu finden und gleichzeitig mehr Menschen für diesen wichtigen Beruf zu begeistern. Doch auch darüber hinaus braucht es in unserer Gesellschaft ein Umdenken. Wir müssen die persönliche Assistenz als das wertschätzen, was sie ist: ein essenzieller Baustein für Inklusion und ein selbstbestimmtes Leben.

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