Der Beruf des persönlichen Assistenten: Warum wir mehr Anerkennung brauchen

Ilka Hannig

Persönliche Assistenten sind für viele Menschen mit Behinderungen ein unverzichtbarer Teil des Alltags. Sie helfen dort, wo Unterstützung notwendig ist, ermöglichen Selbstbestimmung und machen Inklusion überhaupt erst möglich. Doch obwohl sie so eine wichtige Rolle spielen, erfährt dieser Beruf in der Öffentlichkeit kaum Anerkennung. Und genau das ist ein großes Problem, das sich direkt auf die Bewerbersituation auswirkt.

Aktuell ist es schwer, persönliche Assistenten zu finden – und noch schwerer, sie langfristig zu halten. Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft fehlt es an einer klaren Berufsbezeichnung, an verlässlichen Rahmenbedingungen und vor allem an gesellschaftlicher Wertschätzung. Während Berufe in der Pflege zumindest im Ansatz als systemrelevant gelten, bleiben persönliche Assistenten häufig unsichtbar. Dabei leisten sie oft nicht weniger, manchmal sogar mehr als klassische Pflegekräfte.

Ein persönlicher Assistent unterstützt nicht nur bei alltäglichen Dingen wie der Körperpflege oder im Haushalt. Er ist Begleiter im Leben, hilft bei Behördengängen, begleitet zu Arztterminen und ist manchmal einfach nur da, wenn es gebraucht wird. Es ist ein Beruf, der sowohl körperlich als auch emotional fordert. Und trotzdem bleibt er oft unter dem Radar.

Das führt dazu, dass viele Menschen den Beruf des persönlichen Assistenten gar nicht kennen. Es gibt keine klassische Ausbildung, keine bundesweit einheitlichen Standards und auch keine gezielte Nachwuchsförderung. Viele Menschen, die sich dennoch für diesen Beruf entscheiden, kommen oft aus anderen Bereichen und finden eher zufällig den Weg in die persönliche Assistenz.

Wenn der Beruf des persönlichen Assistenten mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit hätte, würde sich die Bewerbersituation sicherlich verbessern. Es bräuchte klare Berufsprofile, Weiterbildungsmöglichkeiten und vor allem eine bessere Bezahlung. Ein persönlicher Assistent sollte nicht das Gefühl haben, er wäre nur eine „Aushilfe“ oder eine „Übergangslösung“, sondern ein wichtiger Teil des sozialen Systems.

In meiner täglichen Arbeit und besonders im Rahmen meines Projekts der Notfall-Assistenz-App erlebe ich immer wieder, wie schwer es ist, geeignete Assistenten zu finden. Besonders in Notfallsituationen fehlt es an einer strukturierten Möglichkeit, kurzfristig Unterstützung zu bekommen. Genau hier könnte eine stärkere öffentliche Anerkennung helfen. Wenn der Beruf des persönlichen Assistenten als echter, anerkannter Beruf wahrgenommen würde, könnten auch Strukturen geschaffen werden, die eine kurzfristige Vermittlung möglich machen.

Ich wünsche mir, dass persönliche Assistenten die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen. Dass Menschen diesen Beruf nicht nur aus der Not heraus wählen, sondern weil sie ihn als sinnvolle, erfüllende Tätigkeit erleben. Ich glaube fest daran, dass dies auch die Grundlage dafür wäre, langfristig mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen – und damit nicht nur den Assistenznehmern zu helfen, sondern auch das gesamte soziale System zu stärken.

Alles Liebe,
Ilka Hannig

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