Persönliche Assistenz: Warum sie dem Staat günstiger kommt als Pflege durch Pflegedienste oder im Heim

Persönliche Assistenz: Warum sie dem Staat günstiger kommt als Pflege durch Pflegedienste oder im Heim

Ilka Hannig

Persönliche Assistenz ermöglicht es Menschen mit Behinderungen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Neben den sozialen und gesellschaftlichen Vorteilen gibt es auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Persönliche Assistenz ist für den Staat deutlich kostengünstiger als die Versorgung durch Pflegedienste oder die Unterbringung in stationären Einrichtungen. Während Pflegekräfte in stationären Einrichtungen oder im ambulanten Pflegedienst nach dem Tarifvertrag der Pflege (TVöD-P) bezahlt werden, gilt dies für persönliche Assistenten oft nicht. Stattdessen werden sie häufig direkt durch das persönliche Budget des Assistenznehmers vergütet, wodurch keine hohen Verwaltungskosten oder Margen für Pflegeanbieter anfallen.

Bei der persönlichen Assistenz wird das persönliche Budget gemäß § 29 SGB IX eingesetzt. Dieses ermöglicht es Assistenznehmern, selbstbestimmt Assistenten einzustellen und deren Vergütung eigenständig zu verwalten. Die Kosten für persönliche Assistenz variieren je nach individuellem Bedarf, liegen jedoch oft zwischen 4.000 und 7.000 Euro pro Monat. Im Gegensatz dazu liegen die Kosten für ambulante Pflegedienste häufig bei 6.000 bis 10.000 Euro monatlich, abhängig von der Intensität der Pflege und der Anzahl der täglichen Einsätze. Noch teurer wird es bei der stationären Unterbringung in Pflegeheimen, wo die Kosten zwischen 3.000 und 4.500 Euro pro Monat betragen können. Für Menschen mit intensivem Pflegebedarf können diese Kosten in speziellen Einrichtungen oder Intensivpflege-Wohngruppen sogar auf über 10.000 Euro im Monat steigen.

Ein wichtiger wirtschaftlicher Vorteil der persönlichen Assistenz liegt darin, dass viele bürokratische und verwaltungstechnische Kosten entfallen. Assistenznehmer können individuell passende Lösungen finden und flexibel auf ihre Bedürfnisse eingehen. Persönliche Assistenten werden häufig direkt angestellt oder als Honorarkräfte beschäftigt, wodurch keine zusätzlichen Kosten durch Pflegeanbieterstrukturen entstehen. Durch die flexible Gestaltung kann die persönliche Assistenz zudem verhindern, dass Menschen mit Behinderungen auf teurere stationäre Angebote angewiesen sind.

Die gesetzliche Grundlage für die persönliche Assistenz ist im § 29 SGB IX verankert, während das SGB XII (Sozialhilfe) die Kostenübernahme bei stationärer Unterbringung regelt. Im Gegensatz zur persönlichen Assistenz entstehen dem Staat bei der stationären Pflege nicht nur höhere direkte Pflegekosten, sondern auch erhebliche Folgekosten durch den erhöhten Verwaltungsaufwand.

Angesichts dieser Fakten ist es kaum nachvollziehbar, warum das persönliche Budget in vielen Regionen Deutschlands eher „kaputtgespart“ wird, anstatt es aktiv zu fördern. Dabei liegt hier ein enormes Potenzial sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Die Möglichkeit, die Assistenz individuell zu organisieren, stärkt nicht nur die Selbstbestimmung der Betroffenen, sondern entlastet langfristig auch die öffentlichen Kassen.

Genau hier setzt meine Idee der Notfall-Assistenz-App an. Sie soll Menschen mit Assistenzbedarf nicht nur in akuten Notsituationen unterstützen, sondern auch eine flexible und kosteneffiziente Möglichkeit bieten, Assistenzkräfte schnell und unkompliziert zu finden. Die App könnte so dazu beitragen, dass das persönliche Budget noch effektiver genutzt werden kann, indem sie den Zugang zu passenden Assistenten erleichtert und damit auch die Pflege- und Betreuungssituation im Alltag stabilisiert.

Statt das persönliche Budget weiter zu beschneiden, wäre es sinnvoller, es als Instrument zur Förderung einer inklusiven und kosteneffizienten Gesellschaft zu nutzen. Mit der Notfall-Assistenz-App könnte ein innovativer Schritt in genau diese Richtung gemacht werden – für mehr Selbstbestimmung, weniger Bürokratie und letztlich auch für mehr wirtschaftliche Effizienz im Sozial- und Pflegebereich.

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