Ich werde in den letzten Tagen sehr oft gefragt:“ Was ist für dich persönliche Assistenz?“

Hallo,

in den letzten Tagen werde ich sehr oft gefragt, "Was ist persönliche Assistenz und was bedeutet sie für dich?"

Ich möchte hier und jetzt einmal den Versuch unternehmen das genauer zu erläutern.

Ich selber beziehe seit 2,5 Jahren das persönliche Budget im Rahmen der persönlichen Assistenz. Zu aller erst möchte ich eine kurze Erläuterung geben was das persönliche Budget ist.
Das persönliche Budget ist eine finanzielle Unterstützung die vom Berliner Senat für Menschen mit Behinderung eingerichtet wurde, um ihnen eine inklusive Teilhabe am normalen Leben im Rahmen ihrer persönlichen Pflege und Assistenz zu ermöglichen.

Das bedeutet, ich bekomme vom Berliner Senat einen Betrag der sich aus meinen täglichen Pflegestunden ergibt überwiesen. Von diesem Geld darf ich dann meine persönlichen Assistenten einstellen und die Betriebskosten abdecken. Man könnte sagen ich funktioniere wie eine Firma nur ohne finanziellen Gewinn. Ich muss den Berliner Senat über all meine Handlungen und Ausgaben im Rahmen des persönlichen Budgets Rechenschaft ablegen. Kurz um, das persönliche Budget dient nur zur Verwaltung und Organisation meiner Mitarbeiter, so dass ich die Möglichkeit bekomme ein Selbstbestimmtes Leben zu führen und meine Pflege und Assistenz selbst zu organisieren.

Nun zu meinem eigentlichen Thema, was ist die persönliche Assistenz und was bedeutet sie für mich. Persönliche Assistenz ist im Grunde mein verlängerter Arm, der mir bei allen Dingen und Situationen im Alltag zur Seite steht und mir hilft mein Leben nach meinen persönlichen Bedürfnissen und Befindlichkeiten zu gestalten. Persönliche Assistenz bedeutet aber auch, dass ich selbstständig denke und entscheide was wann wo wie und in welchem Zeitrahmen geschieht.

Natürlich denken jetzt Viele die diese Zeilen hier lesen sie könnte einen gewöhnlichen Pflegedienst engagierten, nur dem trete ich entschieden entgegen und sage NEIN das passt nicht zu mir!

Das Modell des Pflegedienstes habe ich neun Jahre lang ausprobiert und mitgemacht und sage aus meiner Erfahrung heraus: Ich und mein Leben passen nicht in den Rahmen eines Pflegedienstes hinein.

Warum? Bei einem Pflegedienst verliere ich meine Individualität. Ich muss mich an gewisse Zeitschienen und Rahmenbedingungen halten. Beispiel:
Ich kann also nicht spontan Dinge entscheiden, weil der Rahmen es nicht hergibt und die Pflegedienste nach der Uhr arbeiten, so dass lediglich basische Sachen abgedeckt werden. Beispiel: Bei nur einem Toilettengang mehr, wird mir gleich die Windel empfohlen. Ohne Kommentar. Beim Pflegedienst ist die Hauptaufgabe: Satt und Sauber. Grundpflege. Die Pflegekräfte im Einzelnen versuchen schon ihr Besten, aber sie haben auch ordentlich Programm. Außerdem dauert bei mir ein Toilettengang nicht nur 5 Minuten, wie die Vorgaben sind und geschieht nicht zu einer vorprogrammierten Uhrzeit.

Natürlich ist es schwer gute Mitarbeiter zu finden, aber es liegt auch an der Tatsache, dass der Job des persönlichen Assistenten kein Null-Acht-Fünfzehn-Job ist und sehr nahe in meinem Privatleben stattfindet, also ich muss meinen Assistenten zu 100% vertrauen können.

Ich hoffe es ist mir gelungen dieses Thema ein bisschen verständlicher zu machen und nachvollziehbar warum es nicht geht einen Pflegedienst zu nehmen und warum es so schwer ist gute Mitarbeiter zu finden.

Alles Liebe, Ilka

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